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Tradition

Kein Funkenfeuer mehr in der Kernstadt, dafür in den Ortschaften

Leutkirch / Lesedauer: 4 min

Das Funkenfeuer auf der Leutkircher Wilhelmshöhe gibt es nicht mehr. Die Tradition geht in Leutkircher Ortschaften weiter. Wie das Event zum Beispiel in Tautenhofen gestemmt wird.
Veröffentlicht:12.02.2024, 17:00

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Das große Funkenfeuer auf der Leutkircher Wilhelmshöhe gibt es seit dem vergangenen Jahr nicht mehr. Der Kolpingfamilie fehlten junge, ehrenamtliche Helfer, um die Tradition weiterzuführen. Anders sieht es in manchen Leutkircher Ortschaften aus. So organisiert zum Beispiel die Katholische Landjugend Tautenhofen-Heggelbach einen Funkensamstag. Wie das Event gestemmt werden kann, erzählt Raphael Prinz im Gespräch mit Schwäbische.de

„Es ist eine tolle Tradition und macht uns richtig Spaß“, schwärmt Raphael Prinz. Das Funkenfeuer im Februar sei von allen Festen, die die Katholische Landjugend Tautenhofen-Heggelbach jährlich organisiert, das beliebteste.

Zum Glück gibt es bei uns viele Praktiker, die richtig Bock haben, mit anzupacken,

erklärt der 24-Jährige.

Nach zwei Jahren hat der gelernte Zimmermann soeben seinen Vorsitz an Nachfolger Fabian Schönenberger abgegeben, will sich aber weiterhin zusammen mit den rund 35 aktiven Mitgliedern ehrenamtlich im Verein engagieren.

Fast 300 Besucher im letzten Jahr

Aus dem „Funkensonntag“ hat die Landjugendgruppe kurzerhand einen „Funkensamstag“ gemacht, nicht ohne Grund: „Für Familien mit Kindern ist dieser Termin viel praktischer, da am nächsten Tag keine Schule ist“, erklärt Prinz. Eröffnet wird das Fest traditionell um 19 Uhr mit einem Fackelzug der Kinder des Kindergartens Tautenhofen. Gemeinsam mit Eltern und Mitgliedern der Landjugend wandern die Kleinen mit einer Wachsfackel zum Funken und entzünden damit den hoch aufgeschichteten Holzstoß. Im wärmenden Schein des großen Feuers ist anschließend Gelegenheit für geselliges Beisammensein und Gespräche. Für das leibliche Wohl ist mit heißen Getränken und kleinen Speisen, die aus dem Bauwagen-Kiosk des Vereins heraus verkauft werden, gesorgt.

Das Konzept geht auf. „Unser Funkensamstag ist bei den Leuten total beliebt“, weiß Prinz. „Im letzten Jahr kamen bis zu 300 Besucher.“ Darunter viele junge Leute mit Kindern, aber auch ältere Menschen. Und nicht nur aus den eigenen Ortschaften. Die Tatsache, dass es in der Stadt seit einiger Zeit keinen Funken mehr gibt, könnte seiner Meinung hierbei auch eine Rolle spielen.

Wie die Vorbereitung aussieht

Bereits ein bis zwei Monate vor dem Fest beginnen die Vorbereitungen. Der erste Schritt sei immer das Abholen der Holzpaletten, die die Landjugend jedes Jahr von der Firma Walter aus Leutkirch geschenkt bekomme. Mit Traktoren und Anhängern werden sie abgeholt, auf dem Hof eines Landwirts zwischengelagert, um später als Grundlage für das Funkenfeuer auf der Wiese ringförmig aufgeschichtet zu werden. Das ist harte Arbeit. „Das Ganze ist schon eine sehr maschinenträchtige Sache. Ohne die Bauern bei uns in der Landjugend wäre das gar nicht zu stemmen“, betont Raphael Prinz.

Als weiteres Brennmaterial dienen Gartenabfälle von Gehölzen, Heu - damit der Funken gut anbrennt - und die Christbäume, die nach Weihnachten von den Haushalten aussortiert werden. Seit die Leutkircher keinen eigenen Funken mehr veranstalten, bezieht der Verein auch aus der Stadt Christbäume für sein Funkenfeuer. „Der Schützenverein Leutkirch, der die Christbäume jedes Jahr einsammelt, hat bei uns angefragt, ob wir welche brauchen können.“ Altholz von Baustellen zu verbrennen sei aus ökologischen beziehungsweise gesundheitlichen Gründung ein absolutes Tabu. „Wir achten ganz genau darauf, kein mit Lack oder anderen chemischen Substanzen behandeltes Holz zu verwenden.“

Unterstützung von außen

„Wir sind mittlerweile ein sehr gutes, eingespieltes Team“, stellt der Ex-Vorsitzende zufrieden fest. „Jeder von uns weiß, was er zu tun hat und übernimmt dabei Eigenverantwortung.“ Die Liste der Events, die die Landjugendgruppe jedes Jahr auf die Beine stellen, ist beachtlich: Neben dem Funkensamstag gibt es die Dorfweihnacht mit Musik und Punsch, das Landjugendfest mit Tanz, das Maibaumaufstellen sowie das Emmaus-Frühstück und das Erntedankfest.

Ohne die große, wohlwollende Unterstützung von außen wäre für die Landjugend ein solches Programm nach Meinung von Raphael Prinz jedoch nicht machbar. Er denkt dabei nicht nur an Holz, das verschenkt, oder Maschinen, die verliehen werden. Die Wiese, auf der die Funken-Veranstaltung stattfindet, sei in Privatbesitz, werde aber vom Eigentümer jedes Jahr bereitwillig zur Verfügung gestellt. Nicht zu vergessen: Die „ganze Baustelleneinrichtung“, die für die Verkehrssicherheit bei der Festwiese notwendig ist, stellt die Firma Altenried aus Tautenhofen jedes Jahr kostenlos zur Verfügung. „Es ist ein richtig gutes Zusammenspiel.“

Am kommenden Samstag, 17. Februar, ab 19 Uhr, wird ihr Funken auf der Anhöhe zwischen Weipoldshofen und Tautenhofen wieder weithin sichtbar lodern und sicherlich viele Gäste anlocken. Das Feuer in der Nacht „schafft eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt Prinz. Er freut sich schon darauf, mit den anderen aus dem Verein noch am Lagerfeuer zu sitzen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen - wenn alle Arbeit getan ist und die letzten Funkengäste nach Hause gegangen sind.

Weitere Funkenfeuer können gemeldet werden

Ein Funkenfeuer organisiert auch die Landjugend aus Reichenhofen. Es wird am Samstag, 17. Februar, um 19 Uhr an der B465 gegenüber der Ortschaft angezündet. Weitere Funkenfeuer können der Redaktion gerne per Mail an [email protected] mitgeteilt werden.