Familienunternehmen

Familienunternehmen Werdich ist "bester Schuhhändler des Jahres 2013"

Dornstadt / Lesedauer: 5 min

Familienunternehmen Werdich ist "bester Schuhhändler des Jahres 2013"
Veröffentlicht:30.10.2013, 09:33
Aktualisiert:24.10.2019, 20:00

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Das Branchenblatt Schuhkurier hat das Familienunternehmen Werdich zum besten Schuhhändler des Jahres 2013 gekürt. Die Firma hat ihre Wurzeln im Allgäu, ihren Sitz inzwischen aber in Dornstadt. In der vierten Generation führen die Cousins Peter und Friedrich Werdich die Geschäfte – mit Emil Freund , der mit keinem Werdich verwandt oder verschwägert ist.

Friedrich und Peter Werdich (40 und 41) sind Urenkel des Schuhmachermeisters Johann Baptist Werdich, der Ende des 19. Jahrhunderts das Unternehmen in Wangen im Allgäu gegründet hat. Dass auch in der 4. Generation noch Werdichs die Unternehmensgeschicke lenken, ist keineswegs selbstverständlich. Denn Familien wachsen. In der zweiten und dritten Generation war die Unternehmensnachfolge noch übersichtlich: Auf Johann Baptist folgte im Jahr 1925 sein Sohn Johann. Der hatte drei Söhne, Helmut, Wolfgang und Ernst, die 1967 die Leitung übernehmen. 1980 tritt ihr Leutkircher Verwandter Friedrich Werdich bei. So sind es in der dritten Generation vier Geschäftsführer, die wiederum mehrere Kinder haben.

Mitte der 90er-Jahre sinnen die Vier darüber nach, wie sie das Geschäft den kommenden Generationen übergeben können, ohne seinen Bestand zum Beispiel durch Erbstreitigkeiten zu gefährden. Als erstes holen sie Emil Freund ins Boot. Zu dieser Zeit war er Mitte 40. Heute sagt er: „Während die Senioren damals zwischen 50 und 60 Jahre alt waren, waren ihre potenziellen Nachfolger gerade mal Anfang 20. Die Lücke war den Senioren zu groß. Ich bin sozusagen die Brücke zwischen den Generationen.“ Die Senioren geben dem Familienunternehmen zudem eine Art Verfassung, einen Gesellschaftsvertrag. Der soll gewährleisten, dass die Geschicke von einer überschaubaren Personengruppe gesteuert werden. Peter Werdich erklärt: „Vorbild für die Struktur war die Aktiengesellschaft. Zentrales Gremium ist der Beirat. Er besteht aus je einem Vertreter der vier Familienstämme sowie dem Firmenanwalt und dem Steuerberater. Jeder hat nur eine Stimme. Die Mitglieder des jeweiligen Stammes bestimmen ihren Vertreter. Der Beirat stellt die Geschäftsführung ein und kann sie auch wieder entlassen.“ Darüber hinaus gibt es eine Gesellschafterversammlung.

Freund sagt: „Durch diese Struktur gibt es keine Garantie für Familienmitglieder, dass sie Führungsaufgaben bekommen. Der Name allein zählt gar nichts, die Qualifikation macht‘s aus. Natürlich haben wir uns gewünscht, dass der Name Werdich durch Menschen im Unternehmen repräsentiert wird.“

In den 90er-Jahren hatten die Senioren schon Nachfolger im Auge: Peter Werdich zum Beispiel war schon als Kind mit seinem Vater Wolfgang auf Messen und hat im Lager mit Schuhen gespielt. „Meine Eltern haben keinen Druck ausgeübt. Aber mir war klar, dass ich ins Unternehmen möchte“, sagt er. Also studiert er Betriebswirtschaftslehre (BWL) und fängt 1997 im Unternehmen an. Er kümmert sich um den Einkauf und entwickelt das elektronische Warenwirtschaftssystem weiter. Auch sein eineinhalb Jahre jüngerer Cousin Friedrich Werdich studiert BWL, hat aber zunächst keine Ambitionen ins Familienunternehmen einzusteigen. Es ist wohl kein Zufall, dass ihn sein Onkel Helmut Werdich zu einer Firmenfeier einlädt, als er fast fertig mit seinem Studium ist. „Auf einer Hütte wurde ein Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet. Die Feier hat mir so gefallen, dass ich mir dann doch vorstellen konnte, einzusteigen“, sagt Friedrich Werdich, der sich heute um Marketing und Filialinvestition kümmert. Die Cousin mussten sich aber erst hocharbeiten, das Unternehmen von unten kennenlernen, bevor sie seine Geschicke leiten durften.

Freund sagt: „Wir haben eine flache Hierarchie. Zwischen den Mitarbeitern und der Geschäftsführung gibt es nur die Filial- und Abteilungsleitungen.“ Das Unternehmens-Motto lautet „Wir lieben Menschen, wir lieben Schuhe“. „Das bedeutet, dass wir unseren Mitarbeitern vertrauen und Kontrollmechanismen wie die Überwachung der Mitarbeiter bei uns kein Thema sind. Unser Job als Geschäftsführer ist es, die Probleme der Mitarbeiter zu lösen oder besser erst gar keine entstehen zu lassen, damit die Mitarbeiter die Probleme der Kunden lösen können. Denn die sind ja die eigentlichen Arbeitgeber.“

Die 20-köpfige Jury aus Schuhhandel und –industrie bescheinigt Werdich als „Bester Schuhhändler 2013“ unter anderem, man sei „sehr kundenorientiert, es wird zum Beispiel großer Wert auf Mitarbeiterschulung gelegt“. Zusätzlich wurden die Dornstädter Schuhhändler beim bundesweiten Wettbewerb „Great Place to Work“ zu den 100 besten Arbeitgebern ihrer Größe in diesem Jahr gezählt. Freund sagt: „Wir versprechen uns von den beiden Preisen einen Vorteil im Wettbewerb um gute neue Mitarbeiter.“ Denn die werden auch in der Schuhbranche knapper.

118 Jahre Werdich

1895: Der Schuhmachermeister Johann Baptist Werdich lässt sich im Allgäu nieder. Mit seiner Frau Wilhelmine gründet er in Wangen das Einzelhandels-Unternehmen Werdich.

1909: Johann Werdich kauft das Stammhaus in Wangen im Allgäu. Es dient bis Ende 2000 als Firmenzentrale des Unternehmens.

1925: Sohn Johann Werdich übernimmt das Geschäft, gründet weitere Filialen.

1955: Noch als Schüler und Auszubildende treten die Söhne Helmut, Wolfgang und Ernst als Kommanditisten ins Unternehmen ein. In der Folgezeit kommt jedes Jahr eine neue Filiale hinzu.

1967: Die „Junioren” übernehmen die Geschäftsleitung. Werdich hat schon 19 Filialen.

1977: In Dornstadt entsteht die große Warenzentrale.

1980: Friedrich Werdich aus Leutkirch tritt in die kurz zuvor gegründete neue Vertriebsgesellschaft ein.

1995: Emil Freund wird Geschäftsführer.

1997: Peter Werdich tritt in das Unternehmen ein.

1998: Friedrich C. Werdich tritt in das Unternehmen ein.

2001: Ausbau der Warenzentrale in Dornstadt und Zusammenführung der Zentralen Wangen und Dornstadt

2003: Peter und Friedrich C. Werdich werden Geschäftsführer.

2013: Werdich wird sowohl „Bester Schuhändler 2013“ als auch als einer der 100 besten deutschen Arbeitgeber ausgezeichnet.