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Talk im Bock

Weltmeister Markus Baur: „Ich habe wegen Handball zwei Geburten verpasst"

Leutkirch / Lesedauer: 4 min

Der Handball-Weltmeister aus Meersburg war zu Gast beim 219. „Talk im Bock“ in Leutkirch.
Veröffentlicht:06.12.2023, 12:07

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„Wir freuen uns, dass wir einen Weltmeister in Leutkirch begrüßen können.“ Mit diesen Worten eröffnete Moderator und VHS-Leiter Karl-Anton Maucher den 219. „Talk im Bock“. Trotz Blitzeiswarnung hatte sich am Montagabend eine Schar sportbegeisterter Zuschauer auf den Weg gemacht, um den früheren Kapitän der Handball-Nationalmannschaft Markus Baur zu sehen.

„Handballer sind wehrhafte Leute, die kommen auch, wenn das Wetter schlecht ist.“, erklärte Maucher und erntete vor allem bei der zahlreich erschienen Handballjugend der TSG Leutkirch begeisterten Applaus. Im Gespräch mit dem Ex-Handballprofi, der heute als Trainer und TV-Experte tätig ist, beleuchtete Maucher verschiedene Facetten des Leistungssports, aber auch die Frage nach Vereinbarkeit von Karriere und Familie sowie die Rolle Baurs als Vater dreier sportlich ambitionierter Kinder.

Vertrag wurde nicht verlängert

„Sie sind aktuell noch Trainer bei ‚Frisch auf Göppingen‘, wo Sie seit 2022 tätig sind. Jetzt ist ab Sommer 2024 Schluss. Haben Sie damit gerechnet?“, konfrontiert Maucher seinen Gast gleich zu Beginn mit der harten Realität des Profisports. Baur bleibt gelassen. Nein, gerechnet habe er damit nicht, dass der Vertrag nicht verlängert worden sei. „Aber es geht trotzdem weiter. Die Erwartungen im Spitzensport sind immer hoch“, erklärt der 52-Jährige. Er versuche, die Dinge erst einmal positiv zu sehen, offenzubleiben für künftige Entwicklungen. „Sind Sie bereit für weitere Jobs als Trainer?“, hakt Maucher nach. „Ich bin überzeugt, dass ich eine gute Gabe habe, gerade auch jüngeren Spielern etwas mitzugeben in diesem Sport.“

Seit seinem Abschied aus dem aktiven Sport ist der gebürtige Meersburger auch als Projektentwickler tätig. Das Projekt, an dem er aktuell beteiligt sei, kaufe Schlösser auf, um sie in psychiatrische Kliniken umzuwandeln, berichtet Baur auf Nachfrage. Zum Profil der Einrichtungen gehöre, den Bereich der Sporttherapie in seinen „ganzen Facetten inklusive Ernährung“ gleichwertig zur psychiatrischen Ebene zu etablieren. Dabei könne er seine persönlichen Erfahrungen als Leistungssportler sowie sein Wissen aus dem Sportstudium einbringen.

Co-Kommentator beim ZDF

Gefragt sind die Erfahrungen des Handball-Stars auch als Co-Kommentator beim ZDF. Auch hier zeigt sich Baur gelassen, humorvoll, mit Distanz zur eigenen Person. Es mache ihm viel Spaß, zusammen mit einem anderen Kommentator die spannenden Spiele zu verfolgen. Natürlich könne man da nicht immer alles richtig machen - nicht zuletzt in den Augen von Tausenden von Zuschauern.

100 Handball-Spiele im Jahr, dazu die ganze Vor- und Nachbereitung, das Training. „Ist das nicht zu viel für einen Spieler?“ will Maucher jetzt wissen. Sicher, der Druck sei groß, gibt Baur zu. „Aber die Verbände und Vereine wollen sich präsentieren.“ Den Handball sieht er insgesamt auf einem guten Weg. Nicht zuletzt die verstärkte „Zusammenarbeit mit den Medien bringt uns nach vorn.“

Privatmensch im Fokus

Im dritten Teil des Abends steht der Privatmensch Baur im Fokus. „Sie waren während Ihrer aktiven Zeit als Sportler nicht oft zu Hause. Wie ging das mit Ihrer Familie?“ Baur antwortet offen: „Es haben diejenigen gefehlt, die mir am wichtigsten sind“, erinnert er an Situationen, in denen er bei Wettkämpfen irgendwo weit weg im Ausland ohne seine Familie war. „Ich habe wegen Handball zwei Geburten verpasst. Bei der dritten kam ich eine Stunde zu spät, aber ich war da“, berichtet er schmunzelnd. Ohne den Einsatz seiner Ehefrau Marion wäre eine solche Karriere plus Familie wohl nicht in dieser Weise möglich gewesen, betont Baur.

Will der erfolgreiche Vater, dass seine Kinder in seine Fußstapfen treten? „Meine Kinder sollen glücklich werden. Egal, für was oder welchen Sport sie sich entscheiden“, erklärt Baur. Während die Tochter zuerst nie Handball spielen wollte („Ballett, Voltigieren, bloß kein Handball!“), heute aber erfolgreiche Spielerin in der Jugendnationalmannschaft ist, waren die beiden Söhne von Anfang an im Fußball aktiv und sportlich ambitioniert. „Natürlich freue ich mich, dass die Kinder das machen“, gibt der stolze Vater zu.

„Das wird schon wieder“

Schlussfrage: „Haben Sie sich jemals ein anderes Leben gewünscht?“ - „Nein, auf keinen Fall“, antwortet Baur prompt. „Auch wenn`s mal nicht so lief, sagte ich mir: Das wird schon wieder.“

Den Abschluss des Abends, der wie immer von der Jazz-Band „Just Friends“ musikalisch umrahmt wurde, bildete die obligatorische Spendenaktion des „Talk im Bock“. Die eingegangenen 910 Euro sollen auf Wunsch des Gastes einer Familie helfen, wieder zu einem normalen Leben zurückzufinden, nachdem der frisch gebackene Familienvater schwer erkrankt ist.