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Sturmschäden

Die Bilanz der Unwetternacht rund um Leutkirch und Bad Wurzach

Leutkirch / Lesedauer: 6 min

Sturmtief zieht über die Region. Ein Rollerfahrer wird schwerst verletzt. Bäume werden entwurzelt, Fahrzeuge zerstört. Die Feuerwehren sind im nächtlichen Dauereinsatz.
Veröffentlicht:12.07.2023, 14:23

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Ein Schwerverletzter, zerstörte Autos und Wohnwagen: Ein schweres Unwetter hat in der Nacht zum Mittwoch auch die Region Leutkirch, Bad Wurzach, Aichstetten und Aitrach heimgesucht.

Das mit großem Abstand schwerwiegendste Unglück ereignete sich auf der L260 zwischen Aitrach und Aichstetten. Dort verunglückte gegen 23.15 Uhr der Fahrer eines dreirädrigen Rollers schwer. Der 53 Jahre alte Mann erkannte laut Polizei während der Fahrt nach Aichstetten offenbar einen auf der Straße liegenden Baum zu spät und stieß mit diesem zusammen. Dabei wurde der Fahrer schwer von einem Ast verletzt. Er wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht, es besteht Lebensgefahr. Die Landesstraße war zur Unfallaufnahme und wegen der Rettungs- und Aufräumarbeiten komplett gesperrt.

Eine Nacht ohne Schlaf

Es war einer von vielen Einsätzen, bei denen auch die Freiwillige Feuerwehr Aichstetten gefordert war. „Von 23 Uhr bis 7 Uhr morgens waren wir mit etwa 20 Kameraden pausenlos im Einsatz“, berichtet Kommandant Bruno Fleck. Vor allem galt es wie vielerorts, Straßen von umgestürzten Bäumen freizuräumen. Betroffen war vor allem das Waldstück Ochsensteig Richtung Treherz. In Eschach geriet zudem ein in eine Stromleitung gekippter Baum in Brand.

Vor allem wegen umgestürzter Bäume rückten die verschiedenen Abteilungen der Feuerwehr Leutkirch zu rund 40 Einsätzen aus.
Vor allem wegen umgestürzter Bäume rückten die verschiedenen Abteilungen der Feuerwehr Leutkirch zu rund 40 Einsätzen aus. (Foto: Feuerwehr Leutkirch )

25 Einsätze seien es wohl gewesen, die die Freiwillige Feuerwehr Bad Wurzach in der Nacht zu fahren hatte, schätzt Kommandant Rolf Butscher. Vier Abteilungen seien mit insgesamt bis zu 60 Einsatzkräften unterwegs gewesen – und das auch noch in den Vormittagsstunden. „Wir versuchen, den städtischen Bauhof bei den Aufräumarbeiten zu entlasten. Denn er ist mit den Aufbauarbeiten fürs Heilig-Blut-Fest stark eingebunden“, so Butscher. Aus diesem Grund seien mutmaßlich in den nächsten Tagen einige Wege gesperrt, teilt die Stadt mit.

Kirchendach beschädigt

In Eggmannsried kappte der Sturm die mächtige Linde neben der Kirche St. Jakobus. Der Baum beschädigte beim Umfallen das Dach des Gotteshauses. Zahlreiche Ziegel fielen herunter, der Bereich von Kirche und Friedhof wurde abgesperrt. Ein sehr großer Ast verfehlte ein unterhalb der Kirche liegendes Wohnhaus nur um einige Meter.

Der Friedhof an der Eggmannsrieder Kirche ist mit Ziegelsteinen übersät.
Der Friedhof an der Eggmannsrieder Kirche ist mit Ziegelsteinen übersät. (Foto: Steffen Lang )

Viel Glück hatte auch ein Autofahrer bei zwischen Eintürnen und Wolfegg. Hinter und vor ihm stürzten Bäume um, wie Rolf Butscher berichtet. Eine Weiterfahrt war nicht möglich. Die Feuerwehr rettete ihn aus der gefährlichen Lage. Das Auto musste allerdings erst einmal stehenbleiben, weil ein weitergehender Einsatz für die Feuerwehrleute zu gefährlich gewesen wäre. Beschädigt wurde zudem ein Auto auf einem Parkplatz im Bad Wurzacher Gewerbegebiet Ziegelwiese.

Wohnwagen zerstört

Zerstört wurde auf dem Campingplatz in Aitrach nach Auskunft des dortigen stellvertretenden Feuerwehrkommandanten Christian Adam ein Wohnwagen durch einen entwurzelten Baum. Glücklicherweise war der Anhänger unbewohnt.

Die Aitracher Kameraden mussten zudem auf der A96 zwischen Altmannshofen und Aitrach mehrere Gehölze beseitigen und umliegende Kreisstraßen und eine Oberleitung der Bahn freischneiden. 20 Einsatzkräfte waren von 23 bis 4 Uhr im Dienst. „So extrem war es bei uns schon lange nicht mehr“, so Adams Einschätzung.

Baum fällt auf Auto

Im gesamten Gebiet der Großen Kreisstadt Leutkirch gab es in der Sturmnacht auf Mittwoch rund 40 Einsätze, berichtet Martin Waizenegger, stellvertretender Kommandant der Leutkircher Feuerwehr. Dabei sei es vor allem umgestürzte Bäume gegangen, die Straßen versperren. In einer Leutkircher Wohnsiedlung landete dabei ein größerer Baum auch auf einem Auto. „Glücklicherweise gab es keine Personenschäden“, so Waizenegger.

Die erste Einsatzwelle lief von 23 Uhr bis kurz nach 3 Uhr, dann ging es nochmal von 4.30 Uhr bis kurz nach 9 Uhr raus. Das waren dann die Fälle, wo die Leute auf ihrem Weg zur Arbeit umgestürzte Bäume gemeldet haben, erklärt er.

Kreisstraße gesperrt

Insgesamt waren in der Nacht rund 60 Feuerwehrleute aus der Stadt und den Ortschaften im Einsatz. Einen kleinen Schwerpunkt gab es in Unterzeil sowie rund um Herlazhofen und Urlau, ansonsten verteilten sich die Einsätze über das gesamte Gemeindegebiet. Die Kreisstraße Richtung Ottmannshofen wurde von der Straßenmeisterei in der Nacht gesperrt, da auch hier mehrere Bäume umstürzten. Außerdem stürzte dort auf Höhe des ehemaligen Krankenhauses eine Stromleitung auf die Straße.

Auch an den städtischen Gebäuden gab es Schäden, berichtet Waizenegger, der in seinem „zivilen“ Leben Leiter des Stadtbauamts Leutkirch ist. In der Gemeinschaftsschule und der Grundschule am Oberen Graben seien jeweils Teile des Dachs abgedeckt worden. Und im Feuerwehrhaus selbst gab es einen Wassereintritt.

Zusätzlich musste die Feuerwehr gegen 7 Uhr zu einem Brand ausrücken: Bei Tautenhofen fing ein Strommast Feuer. Ursache könnte auch hier ein kleines Gewitter gewesen sein, gesichert sei das aber nicht, so Waizenegger.

Freibad geschlossen

Wie die Stadtverwaltung mitteilt, bleibt das Leutkircher Freibad aufgrund der Auswirkungen des heftigen Gewittersturms vorübergehend geschlossen. Der Sturm verursachte demnach zahlreiche Schäden auf dem Freibadgelände, die nun behoben werden müssen, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.

Das Freibad–Team arbeite mit Hochdruck daran, die Sturmschäden zu reparieren und das Freibad so schnell wie möglich wieder zu eröffnen. Am Mittwoch, 12. Juli, sowie am Donnerstag, 13. Juli, werde das Bad aber auf jeden Fall geschlossen bleiben müssen.

In Isny und Argenbühl bleibt’s ruhig

In Isny ist die vergangene Nacht dagegen nach Angaben des stellvertretenden Feuerwehrkommandanten Dominik Lubrich relativ ruhig verlaufen. Für die Abteilung Stadt gab es nur einen Einsatz am frühen Mittwochmorgen, als ein größerer Ast in Kleinhaslach von der Straße geräumt werden musste.

Mehr zu tun hatte die Abteilung Neutrauchburg, die in der Nacht insgesamt drei umgestürzte Bäume zu beseitigen hatte – einer in der Nähe des Haldenhofs, einer in Neutrauchburg und einer im Haubacher Wald. Die Bäume seien zersägt und auf die Seite geräumt worden, teilte Lubrich mit.

Der Argenbühler Kommandant Arnold Netzer berichtet gar nur von einem Einsatz. Im Eisenharzer Weiler Weihers fiel eine größere Birke um und verfehlte mit ihrem Hauptstamm zwei geparkte Autos nur knapp. Beschädigt wurden die Pkw durch die größeren Äste trotzdem.

Busse statt Bahnen

Der Zugverkehr in der Region war auf der Allgäubahn und der Südbahn wegen des Unwetters und Schäden an mehreren Stellen auch am Mittwoch noch stark beeinträchtigt. Betroffen ist auch die von Go-Ahead befahrene Bahnstrecke Memmingen-Lindau, wie das Unternehmen mitteilt. Grund dafür dürfte zumindest auch eine abgerissene Oberleitung auf der Bahnstrecke zwischen Kißlegg und Wangen sein.

Auch die DB Netz spricht von Bäumen, die teilweise auf den Schienen liegen und Oberleitung, die herab gerissen wurde. Die Strecke München-Lindau ist bis auf weiteres nicht befahrbar, teilt Go-Ahead mit. Es laufen teils noch Erkundungsfahrten. Zum Abschnitt Memmingen-Lindau (Linien RE 96 und RB 92) konkretisierte Go-Ahead am Mittwochnachmittag: „Diese Strecke ist derzeit gesperrt und nach Prognose der DB Netz nicht vor Freitag früh befahrbar. Seit 11 Uhr läuft ein Busnotverkehr mit wenigen Bussen, derzeit geplant bis etwa 20 Uhr.“

Vereinzelt kam es in der Region aufgrund der in Stromleitungen gestürzten Bäume zu mehr oder weniger langen Stromausfällen.