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Alaska statt Allgäu: Leutkircher Langläufer Philipp Moosmayer trainiert nun in den USA

Leutkirch / Lesedauer: 5 min

Leutkircher Langläufer Philipp Moosmayer studiert in den USA und verzichtet auf Rennen in Europa
Veröffentlicht:16.12.2022, 19:30
Aktualisiert:16.12.2022, 20:43

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Fairbanks statt Leutkirch. Alaska statt Allgäu. Unirennen statt Nationalkader. Der 18-jährige Langläufer Philipp Moosmayer ist im vergangenen Winter in den C-Kader der deutschen Nationalmannschaft aufgenommen worden. Doch der Leutkircher entschied sich für ein Stipendium in den USA.

Der Winter im Allgäu kann hart sein. Schneereich und kalt. Doch Alaska ist eine andere Hausnummer. Das merkte Philipp Moosmayer schnell. Als er dort ankam, empfahl ihm ein tschechischer Langläufer, doch besser winddichte Unterhosen zu kaufen. Ein Allgäuer ist aber an sich hart im Nehmen. Eisige Winter kennt er ja. „,Das brauche ich nicht’, sagte ich ihm“, erzählt Moosmayer und lacht inzwischen darüber. Schließlich dachte er: Einen richtigen Allgäuer kann so leicht nichts aus der Bahn werfen.

Kältedichte Masken und winddichte Unterhosen sind Pflicht

Das anschließende Intervalltraining im Rennanzug brach er zur Halbzeit ab. „Ich bin dann direkt nach dem Training zum Sportladen gefahren und habe mir winddichte Unterhosen gekauft“, erinnert sich Moosmayer. Die richtige Entscheidung. Denn Alaska ist eben doch nicht Leutkirch.

Der Winter dort ist definitiv härter als der härteste Winter im Allgäu. „Die letzten Tage hatten wir hier minus 30 Grad“, sagt Moosmayer. Trainiert wird aber trotzdem draußen, mit kältedichten Masken, die etwas die eisige Luft erwärmen. Aber gerade dieses Extreme reizt Moosmayer und genau deshalb hat er sich für ein Langlaufstipendium in Alaska entschieden.

Dass der 18-Jährige nach seinem Abitur überhaupt ein solches Stipendium bekam, war allerdings lange Zeit unsicher. „Meine Ergebnisse stimmten nicht“, erinnert er sich. Durch die Corona-Pandemie gab es kaum Wettkämpfe, zudem verlor der Leutkircher dadurch die Lust am Sport. Er legte eine Pause ein. Erst im Frühjahr 2021 packte ihn wieder der Ehrgeiz.

Deutschlandpokal

Moosmayer wird Dritter beim Deutschlandpokal

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Und dann kam etwas, was er selbst noch nicht so richtig erklären kann. Der Knoten platzte trotzdem bei ihm. Es folgten im vergangenen Winter drei Podestplätze beim Deutschland-Pokal und ein achter Platz beim international besetzten Rennen in Italien, den OPA Games. Dadurch erfolgte die Aufnahme in den C-Kader der deutschen Nationalmannschaft. Allerdings hatte Moosmayer da bereits das Stipendium für die University of Alaska Fairbanks vorliegen. „Ich hatte mir immer gesagt, wenn ich ein Angebot aus den USA bekomme, dann mache ich das auf alle Fälle“, sagt Moosmayer. „Zwar wollten die Nationaltrainer, dass ich in Deutschland bleibe, doch ich habe mich dann trotzdem für Alaska entschieden.“

Eigene Langlaufloipen direkt auf dem Campus

Im flächenmäßig größten und am dünnsten besiedelten Bundesstaat der USA studiert und trainiert Moosmayer nun. „Als das Angebot aus Fairbanks kam, musste ich zwar erst einmal schauen, wo das liegt, aber es hörte sich extrem an“, erzählt Moosmayer. Und genau das reizte ihn am Ende. Ein typischer Tag ist bei ihm aktuell eine Mischung aus lernen, trainieren, essen und schlafen. „Das Leben dort ist völlig anders, als man es hierzulande als Student gewohnt ist“, sagt Moosmayer.

Alles ist in den Unis strukturiert und geplant, sodass sich die Studenten auf das Studium und den Sport konzentrieren können. Auf dem riesigen Campus ist alles integriert. Sogar eine eigene Polizei- und Feuerwehrstation gibt es dort; dazu einen Friseur, selbst Langlaufloipen. Eine eigene Stadt in der Stadt Fairbanks also. Teilweise trainiert Moosmayer mit den anderen neun Auswahl-Langläufern der Uni zweimal am Tag. Die fünf Frauen und fünf Männer kommen mit den Trainern aus allen Herren Ländern: Tschechien, Norwegen, Estland, Kanada, selbst eine Australierin ist dabei. „Die Trainingsbedingungen sind für uns richtig gut“, sagt Moosmayer.

Für den Leutkircher selbst ist es also eine komplett neue Erfahrung in Alaska, fernab der Heimat. Seit Anfang September lebt er dort – zuerst einmal für ein Jahr. Drei bis vier könnten es am Ende werden. Früh bekam er aber bereits mit, wie unterschiedlich Alaska zu Deutschland ist. „Als ich in den ersten Tagen mit anderen wandern war, haben wir ein Bärenabwehrspray mitgenommen“, erzählt er.

Vor Bären in den Loipen braucht er allerdings aktuell keine Angst zu haben, die würden sich in ihrem Winterschlaf befinden. Doch vor den Elchen hätten die Menschen mehr Respekt als vor den Bären. Aber auch diese sind die nächsten Wochen erst einmal weit entfernt. Denn die Langläufer gehen nun rund sechs Wochen auf Reisen und nehmen quer durch die USA für die Universität an Wettkämpfen teil. „Die Vorlesungen finden dann nur noch online statt“, sagt Moosmayer. Dazu steht Anfang Januar die Universiade in Lake Placid an. An dieser wird der Leutkircher teilnehmen, aber dabei für Deutschland starten. Die Junioren-WM, die ein Ziel für den 18-Jährigen in diesem Winter gewesen wäre, wird Moosmayer allerdings verpassen. Der Aufwand für die Qualifikation wäre zu hoch, denn dafür müsste er an verschiedenen Rennen in Deutschland teilnehmen.

Aus Spaß begonnen, nun die WM im Hinterkopf

Sein kurzfristiges, sportliches Ziel ist es nun, sich in den USA zu etablieren. „Ich will schauen, wie weit ich hier nach vorne laufen kann“, sagt Moosmayer. „Dazu will ich viel trainieren, mich verbessern und nach der Zeit in Alaska schauen, was in Europa möglich ist.“ Ein Start im Weltcup oder bei einer WM ist zwar noch fern, aber durchaus in Moosmayers Kopf. Dabei begann er 2012 rein aus Spaß mit dem Langlaufen. „In der dritten Klasse bin ich zur TSG Leutkirch“, erinnert sich Moosmayer. In der Skiläuferzunft kam er auf den Geschmack und verbesserte sich stetig. „Ich bin dann immer professioneller geworden“, sagt der Leutkircher. Schließlich platzte der Knoten im vergangenen Winter und mit einher kam es zum Stipendium in Fairbanks. Etwas Extremes. Schneereich und kalt. Ein Winter, den selbst ein waschechter Allgäuer nicht gewohnt ist. Und winddichte Unterhosen sind dort für Langläufer unabkömmlich. Das weiß Philipp Moosmayer jetzt auch.