Schmiererei

Schmierereien am Kißlegger Bahnhof

Kißlegg / Lesedauer: 4 min

Serie von Sachbeschädigungen und Farbschmierereien geht weiter – Die Polizei ermittelt
Veröffentlicht:30.03.2016, 18:41
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Mit schwarzer Farbe sind jüngst Symbole und Schriftzüge auf einer weißen Wand eines Nebengebäudes des Kißlegger Bahnhofs gesprüht worden. Nach den bisherigen Ermittlungen geht die Polizei davon aus, dass die Tat mit Sachbeschädigungen in den vergangenen Monaten zusammenhängt.

Nach den Osterfeiertagen hat Josef Miller , Geschäftsführer der Firma V7, die den Bahnhof in Kißlegg saniert hat und betreibt, Fotos gemacht. Darauf zu sehen: Ein Nebengebäude des Bahnhofes, in dem früher, so Miller, Fahrräder untergestellt wurden. An den Wänden des Gebäudes, eine Fläche von rund 30 Quadratmetern, sind Schriftzüge wie „Strassenbande“ oder „K-Town“ zu lesen, dazwischen immer mal wieder die Zahlenfolge „353“, eine Zeichnung, die an einen Davidstern erinnert, daneben eine Art Totenkopf, Smileys und Ausdrücke. Schwarz auf weiß haben es Unbekannte – Miller vermutet in der Woche vor Ostern – auf die Wand gesprüht. Auf dem Boden leere Wodkaflaschen, teilweise ganz, teilweise zerbrochen und „irgendwelche Medikamentenfläschchen“, so Miller. Er habe das fotografiert, was er bemerkenswert fand, wie er sagt.

Wöchentlich räumt Miller Müll und Unrat weg. Seit Monaten beobachte er, wie sich die Lage am Bahnhof zuspitze: „Seitdem die Kameras endgültig weg sind, merkt man, wie der Bahnhof langsam zum Brennpunkt wird, wo sich Leute sammeln, wo sie unbeobachtet sind, wo sie machen können, was sie wollen.“

Kameras überwachen bald Schule

Ende September wurden die Kameras am Kißlegger Bahnhof – vier außen, zwei innen – abmontiert. Dazu hatten sich die Betreiber des Bahnhofs entschieden, nachdem wenige Wochen zuvor der Landesdatenschutzbeauftragte in einem Schreiben dazu aufgefordert hatte. Weder er noch die Polizei Wangen sahen eine „Gefährdung für das Bahnhofsgebäude“. Im Oktober des vergangenen Jahres beschloss der Gemeinderat bei vier Gegenstimmen, beim Landesdatenschutzbeauftragten einen Antrag für die rasche Wiederaufnahme des Videoanlagenbetriebs zu stellen.

„Wir haben zwei Anträge laufen“, sagte Bürgermeister Dieter Krattenmacher auf Anfrage. „Der eine war für das Schulzentrum, da hat man uns in der Zwischenzeit von Seiten des Landesdatenschutzbeauftragten und der Polizei zugebilligt, dass wir dort eine Videoanlage installieren dürfen – natürlich unter Auflagen. Diese wird derzeit konzipiert und soll angebracht werden.“

Von 2013 bis 2015 hat es im Bereich des Kißlegger Schulzentrums rund zehn angezeigte Fälle von Sachbeschädigung gegeben. Keiner der Fälle sei aufgeklärt worden, teilte die Verwaltung im Oktober 2015 mit, der Sachschaden belaufe sich auf insgesamt 18 200 Euro, davon entfallen allein 14200 Euro auf die fünf Beschädigungen in diesem Jahr (wir berichteten). In Sachen Bahnhof sei seine letzte Information, so Krattenmacher, dass keine Voraussetzungen für eine Videoüberwachung gegeben seien. „Ob man es nach diesen Fällen anders beurteilt, muss die Polizei entscheiden.“

Die aktuellen Sachbeschädigungen am Bahnhof scheinen, so Krattenmacher, ein „vorläufiger Höhepunkt“ zu sein: „In letzter Zeit haben wir leider verstärkt Schmierereien. Es gab Schmierereien an der Schule, aber auch an öffentlichen und privaten Plätzen und Gegenständen.“ Die Polizei sei dabei und habe in einem anderen Fall bereits Täter ermittelt.

Prinzipiell seien die Ermittlungen in solchen Fällen nicht immer einfach: „Es kommt darauf an, was es für Farbschmierereien sind: Wurden bestimmte „Tags“ gesprüht oder nur Blödsinn oder Ausdrücke oder Schriftzüge? Es gibt ganz unterschiedliche Ermittlungsansätze “, erklärt ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. „Hin und wieder kann eine ganze Serie aufgedeckt werden“ – mithilfe von Hinweisen im Internet oder den Schriftzügen selbst: Die Chance sei größer, wenn gleiche Schriftzüge oder die gleiche Farbe auch an anderen Gegenständen, Einrichtungen, Gebäuden auftauche, als wenn es nur ein besprühtes Objekt gebe, das zu einer Uhrzeit besprüht wurde, wo keine Passanten unterwegs waren.

Polizei vermutet Zusammenhang

Im konkreten Fall sind der Polizei die Schriftzüge bereits bekannt: „Aufgrund der Schriftzeichen gehen wir davon aus, dass es zusammenhängt mit einer Sachbeschädigung vom Wochenende des 4. und 5. März“, so der Sprecher. An diesem Wochenenden seien in der Schloßstraße die Schlossmauer, innen und außen, ein Stromkasten, ein Fahrradständer an der Grundschule und das DRK-Heim in der Parkstraße beschädigt worden. Dabei handele es sich ebenso um Farbschmierereien mit gleichen Schriftzügen. Auch eine Tat vom Februar an Grund-, Haupt- und Realschule dürfte damit zusammenhängen, so die Polizei. Das Ermittlungsverfahren laufe.

Welche Strafe die Täter erwartet, „ist letztendlich eine Geschichte, die die Justiz zu entscheiden hat“, so der Pressesprecher der Polizei weiter. „Wir als Polizei zeigen an und legen die Anzeige der Staatsanwaltschaft vor und diese muss dann entscheiden, ob eine Strafe erfolgt und was damit verbunden ist.“