Hausbau

Die Geschichte des Hausbaus in Kißlegg: Von Barockbaumeistern und der Wolfegger Bauleutezunft

Kißlegg / Lesedauer: 3 min

Gebürtiger Kißlegger hat die Baukultur in der Gemeinde erforscht
Veröffentlicht:24.04.2018, 16:26
Aktualisiert:22.10.2019, 20:00

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Wie hat sich die Entwicklung des Hausbaus in der Herrschaft Kißlegg vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des Alten Reichs in Kißlegg entwickelt? Zu diesem Thema hat am Montagabend der Heimatverein „D´Schellenberger“ zum Vortrag des Hausforschers Philipp Scheitenberger eingeladen. Das Datum war nicht ohne Grund gewählt: 314 Jahre zuvor, am 23. April 1704, kam es mit dem Ortsbrand von Kißlegg, der nur wenige Gebäude verschonte, zu einer bedeutenden Veränderung der Baukulturdes Fleckens.

Über anderthalb Stunden referierte Philipp Scheitenberger über den Hausbau in der Herrschaft Kißlegg im 17. und 18. Jahrhundert. Er sieht sich als forschender Handwerker: Bevor er auf dem zweiten Bildungsweg die Masterstudiengänge Denkmalpflege und Europäische Ethnologie studierte absolvierte er in Leutkirch eine Ausbildung zum Steinbildhauer. Die Gründe warum er sich für das Erforschen historischer Gebäude interessiert, führt er unter anderem darauf zurück, dass er in zwei historischen Häusern in Kißlegg beziehungsweise in der Umgebung aufgewachsen ist. Schon früh stellte er fest: „Wer ein Haus baut ist Kulturschaffender.“ Außerdem war er mit dem Stand der Hausforschung unzufrieden: „ Es existiert Bedarf an fundiertem Wissen zum historischen Hausbau im württembergischen Allgäu.“

Seine Erkenntnisse sind: Die Hautpteinflüsse auf den Kißlegger Hausbau waren im 17. Jahrhundert die Kriegszerstörung und die Entvölkerung der Herrschaft im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs.

Holz aus acht Sägemühlen

Durch die Ansiedlung Vorarlberger und Schweizer Migranten (nach dem Krieg) kamen auch Bauhandwerker von dort nach Kißlegg. Diese hatten, laut Scheitenberger, Einfluss auf die Baukultur. Jedoch bestand die lokale Baukultur durch die Bauverwaltung der beiden Kißlegger Herrschaftsteile, die ansässigen Handwerker der sogenannten Wolfegger Bauleutezunft, und die landschaftlichen Gegebenheiten bis zum Ende des 17. Jahrhunderts fort. Aufgrund des Waldreichtums sei in dieser Zeit hauptsächlich in Balken- und Bohlenständerbauweise oder Blockbauweise gebaut worden. Eine Besonderheit Kißleggs stellte damals die ausgeprägte Sägeholzproduktion in den acht (!) Kißlegger Sägemühlen, was sich – so Scheitenberger - anhand von gesägten Bauteilen auch an den historischen Häusern zeigt. Ein Beispiel dafür sind die Weilermühle und die Furtmühle, die beide an der Wolfegger Ach liegen.

Baukultur nach dem Ortsbrand

Der Refernt befand, dass erst mit dem Wiederaufbau von Kißlegg nach dem Ortsbrand von 1704 größere Veränderungen in der lokalen Baukultur auftreten. Mit dem Zusammentreffen von Handwerkern der Auer Zunft in Vorarlberg, reichsstädtischen Handwerkern und den in und um Kißlegg ansässigen Handwerkern, kommt es, wie der „forschende Handwerker“ sagte, zu Wissens-Transfers zwischen diesen Handwerkergruppen. Dadurch habe eine Verschmelzung verschiedener Bauweisen stattgefunden.

Die Festlegung des Fachwerkbaus als Hauptbauweise durch die Kißlegger Herrschaften beim Wiederaufbau von Kißlegg hatte ihren Grund in der zunehmenden Holzknappheit im 18. Jahrhundert. Die planerische und handwerkspraktische Umsetzung des Fachwerkbaus wurde in großem Maß vom Wirken der Vorarlberger Barockbaumeister geprägt. Als Beispiel hierfür nannte Scheitenberger den Bau des Gasthofes zum Schwarzen Adler in Kißlegg 1702, der von dem Bregenzer Baumeister Bernhard Albrecht geplant wurde. Im Resume sieht Scheitenberger die weitere Erforschung und Würdigung der Baukultur um die Wolfegger Bauleutezunft als bedeutende Zukunftsaufgabe an. Zudem wünscht er sich einen stärkeren Bezug und mehr Einfühlungsvermögen der lokalen zeitgenössischen Hausarchitektur in ihre regionalen historischen Wurzeln, wie es etwa bei der Vorarlberger Bauschule der Fall ist.