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Buch „Spielend in die Kraft‟

Autorin aus Kißlegg schreibt Buch übers Spielen

Kißlegg / Lesedauer: 4 min

Armgard Schörle ist Erzieherin und Heilpädagogin. Spielend finden Kinder ihre Kraft für die Zukunft, sagt sie — und hat ihre kreativen Spielideen in ein Buch gepackt.
Veröffentlicht:26.05.2023, 07:00

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Friedlicher könnte ein Ort kaum sein: fünf Hektar Wiese, zwei Tipis, ein Reitplatz, auf dem ein Pferd gemütlich auf einem Wisch Heu herumkaut.

Am Rand auf diesem Hof bei Kißlegg steht eine zufriedene Frau, die seit mehr als 30 Jahren Kindern zeigt, welche Kräfte in ihnen stecken. Mit ihrem Buch „Spielend in die Kraft“ lädt sie zum Eintauchen in kreative Spielideen ein.

Seelische Gesundheit und Phantasie sind gefragt

Armgard Schörle ist gelernte Erzieherin und reittherapeutische Heilpädagogin. Sie hat drei Jahrzehnte Erfahrung im Umgang mit Kindern aller Art. Von Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen und aus ihrer Arbeit mit Inklusionsklassen weiß sie, was Kindern hilft, um herausfordernde Situationen und Aufgaben erfolgreich zu bewältigen: seelische Gesundheit, innere Stärke und vor allem Phantasie.

„Wir haben lange in einer Welt gelebt, die uns die Illusion von Sicherheit und Stabilität vermittelt hat“, sagt Armgard Schörle. „Für viele gerät dieses Bild spätestens jetzt ins Wanken.“ Die Frage sei: Wie ermutigt man Kinder trotz widriger Umstände, an sich selbst zu glauben und ihre Stärken in eine gelingende Zukunft zu investieren?

Die Lieblingsantwort Schörles auf diese Frage lautet „Psychodrama“. Was nach einem aufregenden Kinofilm klingt, ist eine Methode, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hilft, ihre eigenen Stärken und Möglichkeiten überhaupt erst zu entdecken und sie dann auch anzuwenden. Einfach erklärt: „Sie spielen — und erfinden dabei eine Wirklichkeit, die das Gehirn als Wahrheit abspeichert.“

In Rollen schlüpfen schafft Orientierung und vermittelt Kindern das Gefühl, eine Situation mitgestalten zu können, nicht ausgeliefert zu sein. „Spielen bringt Leichtigkeit zurück — und die Erfahrung, Herausforderungen bewältigen zu können.“ Dass Ziel: Unbeschwerte und begeisterte Kinder, die Lust aufs Leben und die Zukunft haben.

59 Szenen, die die Phantasie anregen

Aber wie kommt es zu einem gesunden Spiel — abseits von Tablet und Smartphone? Am leichtesten gelinge der Einstieg mit einer offenen Anleitung, sagt Armgard Schörle. In ihrem Ende 2021 erschienenen Buch „Spielend in die Kraft“ beschreibt sie deshalb 59 Szenen, die die Phantasie anregen.

Jede einzelne hat sie in ihrer Arbeit oft benutzt und alle haben sich mehrfach bewährt. Zuerst zeigten sie bei ihren eigenen Söhnen auf dem Hinterberg bei Leutkirch Wirkung, jetzt inspirieren sie am Rande von Kißlegg ganze Schulklassen. Oft solche, die selbst erfahrene und motivierte Pädagogen an ihre Grenzen bringen.

Kinder schlüpfen in Rollen und finden sich dabei selbst.

Armgard Schörle

„Im Spiel finden Kinder ihren Platz — und kommen dadurch zur Ruhe.“ Das sehen auch renommierte Experten der Gehirnforschung (Gerald Hüther) und prominente Erziehungs–Experten (André Stern) so. Sie loben im Buch in ihren Gastbeiträgen den ungewöhnlichen Ansatz der Autorin: „Sie fängt da an, wo wir aufhören: bei den Erwachsenen“, kommentiert André Stern die Arbeit Schörles.

Ihr Buch bietet Lesern kurze Anleitungen, wie Erwachsene Kinder im Spiel begleiten können. Einstiege wie die „Geschichte vom kleinen Fuchs“ oder „In der Wurzel wohnt das alte Fräulein Hu“ sollen die Phantasie beflügeln oder Respekt und Wertschätzung für den Raum des anderen ausbilden. Die Theorie dahinter: „Kinder schlüpfen in Rollen und finden sich dabei selbst.“

Im Spiel entstünden Tiefe, Empfindsamkeit und Freude. Emotionen und Eigenschaften, die „für eine gelingende Zukunft unabdingbar sind“, sagt die Autorin und streicht dabei über das fast quadratische, 292 Seiten starke Buch, das beim Lesen auch Menschen ohne pädagogische Ausbildung berührt und inspiriert.

Buch richtet sich nicht nur an Fachleute

„Ursprünglich war das Werk für Fachleute gedacht“, sagt die Autorin. Erzieher, Therapeuten, Lehrer und Leiter von Jugendgruppen sollten darin Ideen finden, wie sie Kontakt und tiefere Beziehungen zu den Kindern herstellen können. Schon nach den ersten Rückmeldungen stellte Armgard Schörle aber fest: Der Inhalt hilft allen — egal ob Pädagoge oder nicht.

Weil aber „Spielend in die Kraft“ zu kommen leichter fällt, wenn man es erfährt, hat Armgard Schörle mit ihrer Kollegin Tinka Kleffner eine „Erlebniseinladung zum Buch“ entwickelt. Die Workshops werden auf Anfrage angeboten. „Hier können die Teilnehmer erst einmal für sich selbst sehen, was beim Spielen genau passiert.“

Ein Konzept das auch Kinderarzt Herbert Renz Polster aus Ravensburg begrüßt. Ein guter Rahmen für das Spiel sei genauso wichtig, wie der Blick auf die Bedürfnisse von Kindern selbst. „In diesem Buch sind beide Perspektiven enthalten. Ich möchte es deshalb allen pädagogischen Fachkräften und auch allen Eltern ans Herz legen.“ Denn schließlich gehe es darum, „dass unsere Kinder stark ins Leben wachsen.“