Abwasserverband

Wasser- und Abwasserverband Untere Argen strebt Energieautarkie an

Isny / Lesedauer: 3 min

Kläranlage Ried bei Isny schon gut aufgestellt, aber noch ausbaufähig
Veröffentlicht:31.05.2022, 11:30

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Bei der Verbandsversammlung des Wasser- und Abwasserverbands Untere Argen stellte Sebastian Platz vom Büro Sweco vor, wo die Kläranlage des Marktes Weitnau und der Stadt Isny energetisch steht und wo sie sich noch verbessern könnte. Die Verbandsversammlung genehmigte einstimmig die Erstellung eines Gesamtkonzepts „Energieautarkie“.

Die Kläranlage Ried stehe bei der Energieerzeugung überdurchschnittlich gut da und mache mit Blockheizkraftwerk (BHKW) und PV-Anlage schon mehr als üblich sei, stellte Platz fest. Allerdings sei die bestehende PV-Anlage auf der Maschinenhalle zu klein für den restlichen Strombedarf, zumal sie eben nicht das ganze Jahr über Strom liefert. Auf der Kläranlage sei jedoch genug Fläche vorhanden, die mit PV belegt werden könnte, sowohl im Freigelände als auch auf Dächern, wobei man sich darüber, ob die Belegung des Blechdachs des Verwaltungsgebäudes sinnvoll ist, noch nicht einig war. Optional wäre auch die Installation eines Stromspeichers sinnvoll. Auf alle Fälle könnte genügend Solarstrom produziert werden, um auch eine vierte Reinigungsstufe zu betreiben.

Das BHKW liefert bereits rund 70 Prozent des jährlichen Strombedarfs. Es werde das komplette Gas verstromt, aber für den kompletten Strombedarf sei nicht genug Gas vorhanden, erklärt Berthold Abt , der bisherige technische Leiter des WAV auf Anfrage eines Verbandsrats.

Der Wärmebedarf wird zum einen aus dem Klärgas (396 000 m³ in 2021) und zum anderen aus Flüssiggas (34 000 Liter in 2021) gedeckt. Dabei bleibt ein Defizit von 812 000 Kilowattstunden. Hier wäre die Lösung ein Anschluss ans Biogasnetz der Naturenergie Isny. Angeschlossen werden könnte in Dengeltshofen, wo ein BHKW mit Biogas läuft. Die Kapazitäten an Biogas wären auch für die Kläranlage ausreichend. Eine Wärmepumpe, die mit PV-Strom betrieben würde und die Einführung eines intelligenten Lastmanagements wären weitere Elemente auf dem Weg zur Energieautarkie.

„Der größte Klimagas-Emittend in einer Kommune ist die Kläranlage, wegen des anfallenden Lachgases“, nannte Platz ein weiteres Problem, das angegangen werden sollte. Lachgas habe dramatische Auswirkungen aufs Klima. Wer sich heute für eine Lachgasreduktion entscheide, bekomme aus der Nationalen Klimaschutzinitiative eine Förderung von 80 Prozent. Das weckte großes Interesse beim Verbandsvorsitzenden Bürgermeister Rainer Magenreuter, der dies für ökologisch geboten hält. Ökologisch handelt man in der Kläranlage auch in Bezug auf die Grünflächen. Es würden nur Verkehrswege regelmäßig gemäht und um die Becken herum, erklärte Abt, ansonsten so wenig wie möglich. Was sich auch bei Freiflächen-PV-Anlagen nicht ändern würde.

Des Weiteren dankte der Verbandsvorsitzende dem Markt Weitnau für die Entscheidung, die Kläranlage Hellengerst dem WAV-Abwassernetz anzuschließen: „Wir freuen uns auf euer Abwasser.“ Für Florian Schmid, Bürgermeister des Markts Weitnau ist dies trotz hoher Kosten für den Leitungsbau folgerichtig und wirtschaftlich. Abt bestätigte, dass die Kapazitäten in Ried nicht nur dafür ausreichen, sondern durch die bessere Auslastung der gesamte WAV profitiere. Derzeit seien nur drei Belebungsbecken in Betrieb.

Diskussionen gab es bei der Frage, ob die Aufwandsentschädigungen für die Verbandsvorsitzenden und die Verbandsräte ab 1. Januar 2023 erhöht werden solle. Abt war dies ein Anliegen, da diese Beträge seit 1987 gleich geblieben sind, bei einer allgemeinen Lohnsteigerung von 87 Prozent in diesem Zeitraum. Bürgermeister Magenreuter hatte den Gedanken eingebracht, die Aufwandsentschädigung für den Vorsitzenden weniger als geplant zu erhöhen und dafür auch dem Stellvertreter etwas zu bezahlen. Dieser war bisher leer ausgegangen. Der Beschluss erfolgte mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Die neuen Beträge lauten: 150 Euro für den jeweiligen Vorsitzenden, 50 Euro für dessen Stellvertreter pro Monat und jeweils 80 Euro für die Verbandsräte pro Sitzung.

Den Feststellungsbeschluss für den Jahresabschluss 2021 und die Entlastung der Geschäftsführung fasste die Verbandsversammlung einstimmig. Bei der Betriebskostenumlage gab es eine Rückzahlung für jede Kommune.