StartseiteRegionalRegion AllgäuIsny„Tempo 30“ für Isny könnte sehr schnell kommen

Straßenabschnitt

„Tempo 30“ für Isny könnte sehr schnell kommen

Isny / Lesedauer: 4 min

Gemeinderat soll kommenden Montag beschließen – „Isny Aktiv“-Argumente außen vor
Veröffentlicht:27.06.2018, 17:23

Von:
Artikel teilen:

Schon kommenden Montag sollen die Stadträte einen Beschluss fassen zum Konzept der Stadtverwaltung, die Geschwindigkeit des Autoverkehrs auf vier Straßenabschnitten im Isnyer Stadtgebiet auf „Tempo 30“ zu reduzieren. Das geht aus der Tagesordnung zur Sitzung am 2. Juli hervor, die um 18 Uhr beginnt. „Das Ziel der Vorschläge liegt in erster Linie im Schutz der nicht motorisierten, schwächeren Verkehrsteilnehmer“, schreibt Ordnungsamtsleiter Klaus Hägele in der Beratungsvorlage. Stimmen die Räte zu, soll die Regelung ab 1. November gelten.

Wie berichtet, plant die Stadtverwaltung „Tempo 30“ auf der CD-Spange und hier außerdem eine Sperrung für Kraftfahrzeuge über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht mit dem Zusatz „Anlieger frei“; auf 300 Metern in der Maierhöfener Straße an Stephanuswerk und Sonnenhalde; im Achener Weg zwischen den Kreiseln; in der Lindauer Straße ab der Maierhöfener Straße bis zur Bohnwiesenstraße. Überall soll „Tempo 30“ rund um die Uhr gelten.

Die Pläne lassen Argumente unberücksichtigt, mit denen sich der Handels- und Gewerbeverein „ Isny Aktiv“ gegen „Tempo 30“ gewandt hatte. Die Verwaltung geht nur insofern auf einen offenen Brief zum Thema ein, als „die Neuordnung des Parkraumbewirtschaftungskonzepts vorbereitet“ werde, bei der „ein großes Augenmerk bei den Kunden und Gästen sowie den Anwohnern der Innenstadt“ liege.

Nach der Vorstellung des Verwaltungskonzepts am 7. Mai hatte sich auch eine Initiative gebildet, die ihrerseits mit einem offenen Brief an Bürgermeister, Stadträte und Presse für „Tempo 30“ wirbt. Der Gemeinderat habe „jetzt die Chance, in Isny Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität zu erhöhen und Rad- und Fußverkehr zu fördern“, schrieben die Initiatoren Katarina Schrade, Robert Blaser-Sziede, Rolf Jehle, Simone Kuppel und Manuela Frick.

Sie haben wie berichtet eine Online-Petition gestartet ( www.openpetition.de/!tempo30isny ), die „wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse“ pro „Tempo 30“ auflistet. Bis gestern Nachmittag hatten knapp über 150 Unterstützer unterzeichnet, unter ihnen 135 aus Isny. Um das „Quorum“ zu erreichen, sind in den nächsten 15 Tagen 370 Unterzeichner nötig.

Am heutigen Donnerstag, 28. Juni, wollen die Initiatoren von 9 bis 11 Uhr auf dem Wochenmarkt über Projekte wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ oder „Stadtradeln“ informieren. Am Stand liegen auch Unterschriftenlisten aus, ebenso in der „Kaffeebohne“ im Werkhaus des Stephanuswerks, geworben werden soll auch beim dortigen Sommerfest am Samstag, 30. Juni.

„Uns sind Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität in Isny sowie ein nachhaltiges Mobilitätskonzept ein großes Anliegen“, betonen die fünf Initiatoren. In Gesprächen hätten „zahlreiche Mitbürger“ erklärt, sie hielten ein Lkw-Verbot auf der CD-Spange (bei einer Befreiung für Anlieger, etwa Landwirte, die ihre Flächen im Rotmoos erreichen müssen) und Tempo 30 „vor allem im Bereich um das Schulzentrum, an Alten- und Behinderteneinrichtungen und zum Schutz der Anwohner an stark befahrenen Straßen für sinnvoll und dringend notwendig“.

Generell sei „Tempo 30“ auf Durchgangsstraßen „ein wichtiges Thema für Kommunen, viele größere und kleinere Städte“ hätten sich inzwischen für Geschwindigkeitsbegrenzungen auf weiteren Teilen ihres Straßennetzes entschieden. Ein Tempolimit sähen zudem „Verkehrsministerien auf Länder- und Bundesebene, EU-Parlament, Umweltbundesamt, Deutscher Verkehrssicherheitsrat, Unfallforschungsinstitute sowie Rad- und Verkehrsclubs (ADFC und VCD) als wesentliche Voraussetzung für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept“, heißt es in der Petition der fünf Isnyer.

Auch Ordnungsamtsleiter Klaus Hägele argumentiert in diese Richtung: „Auf Bitten aus dem Gemeinderat“ sei die Polizei gebeten worden, die betroffenen Straßenzüge hinsichtlich einer Unfallursache „Geschwindigkeit“ zu prüfen. Sie habe am 14. Juni mitgeteilt, „dass unter diesen Aspekten keine Gefahrenlage begründet werden“ könne. „Dies ist sehr erfreulich“, schreibt Hägele in der Vorlage, doch die Verwaltung schlage vor, „Tempo 30“ zu beschließen, „bevor Unfälle geschehen“.

Ergänzend sind rechtliche Argumente aufgeführt sowie Hinweise auf „schlecht einsehbare Engstellen“ und querenden Schülerverkehr. Außerdem – mit Bezug auf den Brief von „Isny Aktiv“, der mehr Bemühungen um eine Erziehung und Sensibilisierung der Autofahrer angeregt hatte – eine „Vielzahl von Ablenkungen wie die hohe Anzahl von Verkehrsteilnehmern, Geräusche, Einmündungen, Hofeinfahrten, Radfurten, Querungen“. Durch sie steige „das Risiko einer möglichen Unaufmerksamkeit“. Eine Geschwindigkeitsreduzierung ermögliche, „langsamer an diesen Ablenkungen vorbeizufahren“ und verkürze den Bremsweg „bei spontan erkannter persönlicher Nachlässigkeit“, schreibt Hägele.