Reiten

Scharfes Auge für gute Pferde

Isny / Lesedauer: 4 min

Der Ravensburger Helmut Hartmann richtet am Wochenende das Springturnier in Isny aus
Veröffentlicht:31.05.2016, 10:28
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Kompetenter geht es kaum: Helmut Hartmann ist Reitturnierrichter und beurteilt jedes Jahr bei den Bundeschampionaten die besten Nachwuchspferde Deutschlands . Die Fachpresse feiert ihn als „Urgestein der Springreiterei im Lande“. Am kommenden Wochenende sitzt er beim Turnier in auf dem Richterturm – und in einem exklusiven Gespräch vor dem Mikrofon.

Neben seinen 32 Siegen in der schweren Klasse und der Goldenen Ehrennadel des Berufsreiterverbandes gehören auch zwölf Jahre als Ausbildungsleiter im Haupt- und Landgestüt in Marbach zu seinem Lebenswerk. „Das war eine fantastische Zeit“, urteilt der 67-jährige Experte heute, der nicht nur mit Pferden sondern auch mit Menschen hervorragend umgehen kann. Mit Begeisterung packte er in Marbach die Ausbildung der Lehrlinge, Pferdewirtschaftsmeister und Gestüter an. Er bereitete die Hengstparaden vor und die großen Reitturniere. Und das, obwohl er eigentlich zunächst keine reiterliche, sondern eine landwirtschaftliche Karriere startete: „Mein Vater war Schlosser. Er wollte, dass ich zuerst was Gescheites lerne“, erzählt Hartmann, der ursprünglich aus Ravensburg stammt und in Mochenwangen bei seinem Opa die Pferde an Wochenende reiten durfte. Unter der Woche mussten die Rösser arbeiten: vor den Geräten mähen, wenden, pflügen. „Da war kein Schlepper um den Hof rum.“

Zahlreiche Erfolge gefeiert

Weil er so einen Spaß an den Tieren hatte, wollte er eigentlich Bereiter werden. Also dachte sich der junge Mann nach seinem Hauptschulabschluss: Wenn schon Landwirtschaft, dann wenigstens im Haupt- und Landgestüt in Marbach. Dort ging er allen Arbeiten rund um die Ernte nach und half ab und zu beim Bewegen der Pferde aus. Weil er „so klein und leicht“ war, entdeckte ihn ein Oberst aus den Stallungen und fragte beim Verwalter an, ob er den jungen Mann „ausleihen“ dürfe. Er könne die zierlichen Araber reiten - bei so wenig Gewicht. „Dort habe ich viel gelernt – dem Oberst habe ich sehr viel zu verdanken“, erzählt Hartmann, der sein Ziel doch noch erreichen sollte: Bei der Legende Herbert Aust in Ludwigsburg, einem von drei Reitmeistern, die es zu dieser Zeit in Deutschland gab, trat Helmut Hartmann seine Bereiterlehre an und lernte, worauf es im Umgang mit dem Pferd und im sportlichen Bereich ankam. In den darauffolgenden Jahren konnte Hartmann zahlreiche Erfolge feiern: Er belegte vordere Ränge bei den Deutschen Meisterschaften und bei Nationenpreisen, wurde als Reiter in den Deutschen B-Kader berufen, war bei zahlreichen Baden-Württembergischen Meisterschaften immer vorne mit dabei. „Beim Großen Preis in Salzburg war ich schneller als Rodrigo Pessona, Hugo Simon und Paul Schockemöle im Stechen“, erzählt er von seinen internationalen Leistungen und von Springreitergrößen, die nicht nur Pferdenarren etwas sagen.

Unheimlich viel Spaß

Ein Spitzensportler also, oder? „Das kann man mit der Situation heute nicht vergleichen“, sagt Helmut Hartmann bescheiden. Damals hätte es viel weniger Turniere gegeben, und viel weniger Vereine hätten S-Springen ausgerichtet. Es sei viel einfacher gewesen, zur Spitze zu gehören. „Heute ist das schon viel anspruchsvoller.“ Auf eine Sache ist er aber auch heute noch stolz: „Ich habe immer junge Pferde bis zur Klasse S ausgebildet – ganz selten habe ich ein fertiges Pferd geritten.“ Weil Hartmann immer neugierig blieb und ihn die edlen Geschöpfe ein Leben lang faszinierten, bildete er sich in allen Bereichen fort, die ihm sinnvoll erschienen: Er legte die Reitlehrerprüfung ab, ließ sich zum Parcourschef ausbilden und stellte sich den Fragen der Richterprüfung. Besonderes Talent und ein gutes Auge zeigte er dabei vor allem bei der Beurteilung von jungen Pferden. „Anscheinend bin ich aufgefallen“, sagt der sympathische Mann und lacht. Sein Ergebnis war so hervorragend, dass die Zuständigen vom Olympischen Komitee auf ihn aufmerksam wurden. „Das Beurteilen junger Pferde hat mir immer unheimlich viel Spaß gemacht“, erklärt Hartmann simpel sein außergewöhnliches Talent. Er ist nämlich nur einer von zwei Richtern in Baden-Württemberg, die es in die Jury bei den bedeutendsten Jungpferdeprüfungen der Bundesrepublik geschafft haben. Auf diesem Weg hat Helmut Hartmann viele tausend Pferde in seinem Leben gesehen, beurteilt und geritten.

Am Wochenende setzt er seinen Blick für gute Pferde, fairen Sport und stilvolle Ritte in Isny ein. „Ich komme gerne ins Allgäu“, berichtet er. „Bei meinem ersten Besuch im letzten Jahr war ich erstaunt, was für eine Qualität der Platz des Reitvereins und die Veranstaltung insgesamt hat.“ Deshalb wagt er sich am Freitagabend im Festzelt auch vors Mikrofon – und erzählt exklusiv aus seinem Leben.