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Firma Medike Landes bietet Innovationen für den Weltmarkt

Isny / Lesedauer: 3 min

Der Unternehmerstammtisch von Isny Aktiv war zu Besuch bei der Firma Medike Landes.
Veröffentlicht:13.02.2024, 07:00

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In und um den Wirtschaftsstandort Isny besuchen sich Unternehmer und deren Mitarbeiter gegenseitig zum Gespräch und zum Kennenlernen. Der Unternehmerstammtisch von Isny Aktiv kam vergangene Woche bei der Firma Medike Landes zusammen. 35 Personen, und damit wiederum ein ausgebuchter Termin, zeugten von der Attraktivität dieses Angebots.

Martin Merk, der seit zwei Jahren die Position des Leiters der Finanzen und des Personals am Standort Isny innehat, blickte bei seiner Präsentation auf die vergangenen 75 Jahre des Isnyer Traditionsbetriebs zurück. Angefangen hatte Hans Landes direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit der Fertigung von Haarspangen, Uhrenarmbändern und Fingerschutz aus Leder.

Mehr und mehr sah er das Potenzial bei modischen Accessoires und Gürteln aus Leder, mit denen er in Isny die Grundlage für einen europäischen Handel legte. Nachdem eine Tochter von ihm nach Kanada ausgewandert war, erschloss sich rund 25 Jahre später der amerikanische Markt. Mit einer Niederlassung in Hongkong 2004, drängte Landes auf den asiatischen Markt. Die Herstellung von Etiketten für Jeans und andere Kleidungsstücke sowie der Handel und die Veredelung von Gürteln haben Landes zu weltweitem Erfolg geführt.

Der Zusammenschluss mit Medike, einem kanadischen Unternehmen, das in derselben Branche tätig ist, erfolgte 2018. Im selben Jahr eröffnete das Unternehmen eine Produktion für Etiketten in Bangladesch. Derzeit hat Medike Landes weltweit 432 Mitarbeiter, in Isny haben 65 Menschen ihren Arbeitsplatz.

Technologie hält Einzug

Bei der Führung durch die Fertigung erlebten die Besucher den Charme der 70er Jahre in der Produktionshalle. Viel Handarbeit stecke in der Fertigung der Etiketten für Jeans, sagte Merk eingangs. Vor unzähligen Maschinen zum Stanzen, Prägen und Bedrucken stehen Bürostühle, auf denen die Mitarbeiter ihre eingespielten Handgriffe verrichten. Schütten mit geschnittenen Lederetiketten und Etiketten aus anderen Materialien durchlaufen hier mehrere Arbeitsschritte, bevor sie an die jeweiligen Kleidungsproduzenten verschickt werden.

Aber auch Technologie halte hier Einzug, erklärte Merk und zeigte einen Lasercutter. Die Lederhaut werde erst vermessen und der optimale Zuschnitt so berechnet, dass möglichst wenig Abfall entstehe. Jeanshersteller, die bei ihrer Mode Wert auf den „used look“ legen, können bei Medike Landes ebensolche Etiketten bestellen. Mit rauen Steinen und Golfbällen werden die Etiketten vorgewaschen. Die Qualitätsendkontrolle garantiere dabei den hohen Standard, den Medike Landes sich selbst vorgegeben habe, sagt Merk.

Fast unüberschaubares Lager

Nicht nur Leder, auch Etiketten aus Papier werden in Isny weiterverarbeitet, erklärt er den erstaunten Besuchern. Dabei sei das Papier so veredelt, dass es „mindestens so viele Waschgänge durchhält, wie die Jeans, auf die es aufgenäht ist“. Überhaupt seien einige neuartige, innovative Materialen bei Medike Landes im Einsatz“, erklärt Larissa Steuer, die für deren Entwicklung mit einer italienischen Spezialfirma in engem Kontakt steht. Mirum (aus Mais) und Pinatext (aus Ananasblättern) sind zertifizierte Kunstlederarten, die Medike Landes bereits einsetzt. In der Erprobung sind Leder aus Pilzmyzel, Apfelschalen und Kakteen. Im hauseigenen Labor werden die Materialien auf ihre Schadstofffreiheit, Waschbeständigkeit, Hitzebeständigkeit und Reißfestigkeit geprüft.

Im ersten Stock befindet sich ein fast unüberschaubares Lager für Gürtel und Hosenträger, die Medike Landes vom asiatischen Markt einkauft und, nach einer Aufbereitung, an seine Kunden weiter liefert. Es sind dies große Modehäuser, aber auch die „kleine Boutique, die nur 50 Stück auf einmal abnimmt“, berichtete Merk. Direkt an Endkunden werde nicht verkauft, sagte er. Mit dem Kauf einer schottischen Firma im vergangenen Jahr, die Taschen und Haustieraccessoires aus Leder- und Kunstleder herstellt, hat Medike Landes sein Portfolio erweitert. „Es passt genau in unser Profil“, war sich Merk sicher.