Orgelherbst

Die Welt der Orgel kennt viele Farben

Isny / Lesedauer: 2 min

Franz Günthner spielt beim „17. Orgelherbst Isny“ auch wenig Bekanntes
Veröffentlicht:30.10.2018, 19:37
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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„Für dieses Instrument gibt es in seiner über 600-jährigen Geschichte eine ungemeine Fülle an Werken“ stellt Regionalkantor Franz Günthner bei seiner Begrüßung fest. Spielt anschließend beim „17. Orgelherbst Isny“ auch seltener gehörte Kompositionen von Charles Pineau, Lefebure-Wely, John Weaver und anderen. Das Publikum in der ganz gut besuchten Kirche St. Maria dankt mit viel Applaus, teils stehend.

Den Anfang aber macht der mittlerweile als Solist weithin geschätzte Leutkircher mit einem ganz Berühmten, mit der „Toccata und Fuge F-Dur“ von Johann Sebastian Bach. Die Toccata setzt hohes Können bei der Fußarbeit voraus, die Melodie wird virtuos mit den Pedalen gespielt. Die Orgel farbenfroh, akzentuiert, schließlich mit einem langgezogenen, tiefen Basston. Die Fuge kommt furios, zwei Themen finden sich zum Schluss. Das Lied „Ich ruf zu dir, Herr Jesus Christ“ aus dem Orgelbüchlein trägt Günthner ruhig, friedlich, bittend vor.

Kraftvoll ist die Eröffnung von „Marche sur un theme de carillon“ (Charles Pineau, 1877-1958). Dann verspielte Melodien, die an das Geläute der Glocken erinnern, wem es zur Kirche geht. Schließlich vorwärtsdrängend, das Thema wieder mit vollem Akkord. Der „Marche heroique“ von Herbert Brewer (1865-1928) ist breit, heroisch angelegt, Heldenerhöhung damals. Überraschend zirzensisch, mit vielen Effekten bringt der Organist den „Bolero de concert“ von Louis Lefebure-Wely (1817-1869). Der Welt zugewandt, volkstümlich, Can-Can und Rhythmus. Wirklich einmal etwas anderes! Die „Elevation“ des Parisers ist Andante, schraubt sich von einem tiefen Grundton aufwärts, wird heller, variiert. Schön.

Franz Günthners Hauptanliegen an diesem Sonntagnachmittag ist der zeitgenössische Naji Hakim, 1955 geboren, langjähriger Organist der Kirche Sacre Coeur. Hakims „I love the colourful world“ thematisiert eine bunte, abwechslungsreiche Reise von Istanbul nach Paris. Günthner intoniert die Toccata aus diesem Auftragswerk rhythmisch-fröhlich. Da flirrt vieles vorbei, offenbar ist der Komponist mit dem Schnellzug unterwegs. Auch grelles – die Farben dieser Welt. Wirklich berührend ist „Salve Regina“ von Hakim. Herzerwärmende Akkorde, ein richtiges Glockenspiel, sphärisch.

Die „Toccata“ des US-Amerikaners John Weaver (geboren 1937) glorifiziert zum Abschluss die Wirkungsmacht der großen Orgel, wird nach ruhigem Beginn furios, Abteilung Attacke. Eigentlich wäre „Salve Regina“ der edlere Nachklang für den Nachhauseweg gewesen. Manche bleiben noch ein wenig in der Kirche, nehmen die Einladung von Axel Vogel an, dem zweiten Vorsitzenden des Fördervereins Kirchenmusik von St. Georg und St. Maria Isny . Zu Saft oder Sekt, Knabbereien. Und Gesprächen.