Hallgebäude

Die Hirsch-Terrasse wird größer

Isny / Lesedauer: 4 min

Stadträte erfüllen mehrheitlich die Wünsche der einheimischen Investorengruppe
Veröffentlicht:07.02.2017, 18:44
Aktualisiert:23.10.2019, 08:00

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Gleich zweimal hat sich der Isnyer Gemeinderat am Montag mehrheitlich gegen eine Beschlussvorlage der Stadtverwaltung ausgesprochen: Zum einen, welches Planungsbüro den Auftrag fürs Hallgebäude bekommt – nämlich Häfele aus Tübingen; wir werden noch berichten – und zum zweiten beim Sanierungskonzept für das Gasthaus Hirsch. Hier schlug sich die Mehrheit auf Seite der Investoren, die ihre Pläne dem Gremium erstmals vorgestellt hatten.

Ein zentraler Punkt ist die Vergrößerung der Hirschterrasse um rund drei weitere Meter nach Norden in Richtung Marktplatz, wodurch städtischer Grund überbaut würde. Detail am Rande: Der rechte Bereich der Terrasse, etwa 2,50 breit, der auf einer Säule über einem Eingang ruht, überspannt schon öffentliche Fläche. Die größere Terrasse soll somit zum Dach werden für eine „Bar, Vinothek oder ein Café“, erläuterte Architekt Felix Halder , Geschäftsführer des Isnyer Büros „planformat“. Den zusätzlichen Flächenbedarf, etwas mehr als 40 Quadratmeter, begründete er mit der baulichen Situation innen: Entgegen der ursprünglichen Pläne der neun Investoren „können wir die Kellergewölbe nicht nutzen.“ Um den Brandschutzvorschriften zu entsprechen, wäre ein zweiter Fluchtweg durchs komplette Gebäude nötig. Außerdem lasse sich der Keller nicht barrierefrei ausbauen. „Von der Kosten-Nutzen-Seite ergibt das keinen Sinn“, sagte Halder.

Er fuhr fort, dass das Lokal eine Größe haben müsse, die es für einen Pächter das ganze Jahr hindurch wirtschaftlich interessant macht, „nicht nur im Sommer“. Um entsprechende Räumlichkeiten zu gewinnen, müsse unter der Terrasse ein großer Raum entstehen, dessen transparente Glaswände beiseite geschoben werden können und das Café zum Freisitz machen. „Dann sind wir unten komplett offen“, sagte Halder. Eine optische Brücke zum Marktplatz solle außerdem der Bodenbelag schlagen, der draußen und im Café der selbe sein könnte, schlug der Planer vor. Fürs Erd- beziehungsweise jenes Geschoss auf dem Niveau der Bergtorstraße und damit der Terrasse sieht das Konzept einen Gastronomiebetrieb vor. Die ehemaligen Hotelzimmer darüber sollen als Büros ausgebaut werden.

Freundeskreis lebt für Isny

Jürgen Albrecht , Sprecher der Investoren, skizzierte den Stadträten „zwei Punkte, die uns stark bewegen“: Einmal, dass es sich bei den Geldgebern ausschließlich um Personen handle, die eng mit Isny verbunden sind. „Wir sind ein großer Freundeskreis von Isnyern, der für Isny lebt.“ Der Hirsch sei „ein Schmuckstück mit Tradition und Geschichte, die legendäre Hirschterrasse“ ein Treffpunkt, an dem sie viele Erinnerungen aus Jugendjahren festmachten. „Die beispiellose Einzigartigkeit hat uns bewogen, privat Geld zu investieren. Es darf nicht sein, dass das Gebäude an einen auswärtigen Investor geht“, sagte Albrecht.

Die ersten Wortmeldungen im Plenum kamen aus Reihen der SPD-Fraktion. Erhard Bolender wollte wissen, ob und wie sich die Pläne auf die Marktplatzplanung insgesamt auswirken würden. Architekt Halder bekräftigte: „Der würden wir uns komplett unterordnen.“ Peter Clement hakte nach, was gegen Gästezimmer über der Gaststätte spreche. Halder sagte, dies sei nicht Wunsch der Investoren. Edwin Stöckle kündigte an, sich bei der Abstimmung zu enthalten, weil er nach wie vor „einen Masterplan über die Stadt, eine rote Richtschnur“ vermisse.

„Gegengewicht zum Barfüßer“

Den Bezug zum Hallgebäude thematisierte Alexander Sochor. Die CDU-Fraktion begrüße, „dass in dem Eck was geschieht“, nur über die Größe der Terrasse müsse noch einmal gesprochen werden. Dazu legten Diana Hanser und Claus Fehr die Sicht der Stadtbauverwaltung dar. „Ich denke, wir sind uns alle einig, das ist ein spannendes Projekt, das wir deshalb von Anfang an begleiten“, sagte Fehr. Er könne verstehen, die Investoren wollten eine „gewisse Größe erreichen, die wirtschaftlich tragfähig ist“, mehr als 2,50 Meter solle die Terrasse aber nicht nach Norden verlängert werden. Sie finde „drei Meter Terrasse als Gegengewicht zum Barfüßer mehr als verhältnismäßig“, entgegnete Miriam Mayer von den Freien Wählern ( FW ).

Jürgen Albrecht betonte noch einmal, dass die Investoren beim Ausbau des Cafés um eine optisch gute Lösung bemüht seien und mit den Marktplatzgestaltern von Terra Nova zusammenarbeiten wollen. Vor allem bei der geplanten Freitreppe hoch zur Bergtorstraße, zu der FW-Stadtrat Markus Immler anmerkte: „Hier hat die Stadt auch über fremder Leute Eigentum geplant“.

Er sei dafür, „den Investoren zu vertrauen – lasst sie machen“, unterstrich FW-Stadtrat Rainer Leuchtle, er verstehe, „sie müssen was machen, das wirtschaftlich funktioniert“. Die Fläche zwischen Hallgebäude und Hirsch sei im Moment eine „richtig tote Ecke, es muss in unser aller Sinn sein, wenn was Schönes da reinkommt“. SPD-Stadtrat Wolf-Dieter Massoth sagte dazu, auch er finde den Ansatz gut, habe architektonische Vorbehalte und spreche sich deshalb für die „reduzierte Lösung“ der Stadtverwaltung aus. Als „letzte kritische Überlegung“ wolle er anmerken: „Was würde passieren, wenn das Konzept nicht trägt?“ Eine Antwort bekam er nicht.

Der Beschlussvorlage der Verwaltung setzte Gemeinderat Immler den Antrag entgegen, gleich über die beantragten „Ausmaße der Terrasse der Investoren“ abzustimmen. Die drei Meter mehr wurden mit elf zu sieben Stimmen bei zwei Enthaltungen bewilligt.