Orgelherbst

Beim Isnyer Orgelherbst ist der Zuhörer dem Himmel so nahe

Isny / Lesedauer: 2 min

Verena Stei und Christian Schmid geben in Isnys St. Maria ein beeindruckendes Konzert
Veröffentlicht:10.10.2022, 12:06

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Von diesem Auftritt beim 21. Isnyer Orgelherbst hätte man gerne eine Tonaufnahme. Um Verena Stei (Cello) und den Isnyer Kirchenmusiker Christian Schmid an der Orgel nochmals zu hören. Und nochmals. Vor allem musikalische Gebete haben die beiden in der gut besuchten Kirche St. Maria aufgeführt. Virtuos. Einfühlsam. Die Seele berührend.

Verena Stei eröffnet mit dem 3. Satz „Andante von variazioni“, 1915 von Max Reger komponiert. Das ist ein Parforceritt für Cello solo, höchst anspruchsvoll, mit schwierigsten Passagen gespickt. Tröstlich schön. Große Kunst.

Aufbrausender Mittelteil

Bei der „Aria“ dagegen, ebenfalls von Max Reger, verknüpft sich das Cello aufs Seelenvollste mit der zart gespielten Orgel. In „Prière“ von César Franck, dem großen Erneuerer des Orgelspiels, verzichtet Christian Schmid auf eine wuchtige Interpretation, die ja gerade im aufbrausenden Mittelteil immer wieder zu hören ist. Er bleibt im sensiblen Stil, mit dem er auch Verena Stei begleitet, ummalt.

Tiefgründig das Cello in Ernst Blochs Stück, „From Jewish Life“ aus dem Jahr 1925. Die bewegende Melodie eines jüdischen Gebetsgesangs. Cello und Orgel innig verzahnt, zwischen Leid, Schmerz. Erlösung in hoffnungsspendenden Höhen. Leichter, dem Himmel entgegen, klingt natürlich das Gebet (Opus 158) von Camille Saint-Saens. Aus dem Herzen, mit durchaus heiterem Thema, dann aus der Dunkelheit ins Licht.

Spirituell und geheimnisvoll

Anspruchsvoll, vielschichtig ist „Fratres“ des Esten Arvo Pärt. Anklänge an die „Minimal Music“, die zur Zeit der Komposition im Jahre 1977 in voller Blüte gestanden ist. Sphärische Orgel, spirituell, geheimnisvoll. Hellgrell aufleuchtend, um behutsam, klar, höchste Höhen zu erreichen. Wahnsinnig schön.

Jedem sofort zugänglich sind die spätromantisch geprägten Lieder von Josef Gabriel Rheinberger. Sanft, beruhigend die Stimme des Cello im „Abendlied“. In der Pastorale wird die heile Welt gefeiert, fast sieht man die unberührte ländliche Idylle vor sich. Die „Elegie“ kommt mit zartem, versöhnlichem Schmelz. Stimmiger Schluss eines wirklich besonderen Konzerts, organisiert vom Förderverein Kirchenmusik Isny .