Hilfsinitiative

Dank der Spenden der SZ-Leser können zwei neue „Tuition-Center“ in Indien eröffnet werden

Isny / Lesedauer: 4 min

Aufruf zur Reissack-Spende: Hilfsverein „Ccara“ befürchtet Hungersnot in Mali
Veröffentlicht:15.04.2022, 06:00
Aktualisiert:15.04.2022, 07:33

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Im Februar hat die „ Schwäbische Zeitung “ 4700 Euro an die private Hilfsinitiative Ccara e.V. von Heike und Roman Maurus überwiesen. Das Geld hatten die Leser im Rahmen des vorweihnachtlichen Spendenaufrufs „Helfen bringt Freude“ aufgewendet.

„Hierfür bedanken wir uns ganz herzlich, wir werden das Geld einsetzen, um weiterhin den Ärmsten der Armen in Indien über die schweren wirtschaftlichen Probleme zu helfen, die die Pandemie verursacht hat“, erklärt Heike Maurus, begleitend zu ihrem Osterrundbrief, in dem sie allen Unterstützern Rechenschaft ablegt, um weitere Unterstützung bittet und einen Ausblick auf diesjährige Projekte gibt.

Ganz unten in der Gesellschaft

In Indien „haben wir vor allem wieder die Menschen im Fokus, die sich selbst nicht helfen können beziehungsweise in der gesellschaftlichen Hierarchie ganz unten stehen: Menschen, die von Lepra betroffen sind, Tagelöhner-Familien mit Kindern und alleinstehenden Frauen und Mädchen in Slums“.

Die Spende der SZ-Leser ermögliche, „dass wir zwei neue sogenannte Tuition-Center eröffnen können“, blickt Maurus erfreut voraus. In diesen „Nachschulbetreuungen“ erhalten Kinder armer Tagelöhner-Familien Hausaufgabenhilfe nach der Schule und eine Mahlzeit. Diese Center hätten sich in der Pandemie-Zeit als hervorragende Familienversorgungszentren erwiesen. Die beiden weiteren eingerechnet, betreibe Ccara dann 16 Stück in 16 armen Dörfern und Slum-Regionen rund um die Millionenstadt Salem im Bundesstaat Tamil Nadu in Südindien.

Nachschulbetreuungen im Lockdown nicht geschlossen

Während der Lockdowns seien die Tuition-Center nicht von den staatlichen Schließungen betroffen gewesen, da sie ihre Angebote in angemieteten Privaträumen aufrecht erhalten konnten. „Je Dorf oder Armensiedlung versorgen sie regelmäßig bis zu 50 Kinder mit dem Nötigsten, einschließlich medizinischer Nothilfe bei Bedarf“, summiert Maurus.

Inzwischen hätten die Schulen in Indien wieder geöffnet und die Zentren würden dabei helfen, dass die Kinder nach zwei Jahren ohne Schulunterricht ihre Lerndefizite aufholen können. Zugleich erleichterten sie den Eltern die Versorgung und Betreuung der Kinder „bis nach Einbruch der Dunkelheit, wenn sie von der Arbeit auf dem Feld oder den Baustellen zurückkommen“ und die Kinder abholen.

Monatlich werden über 1000 Kinder unterstützt

Zusammenfassend erklärt Heike Maurus: „Mit allen diesen Einrichtungen und unseren beiden Kinderheimen versorgt Ccara e.V. über 1000 Kinder monatlich regelmäßig mit Betreuung, Bildung, Nahrung, Kleidung und medizinischer Grundversorgung. Wir blicken 2022 auf 17 Jahre Projektarbeit für Kinder und Familien in Not zurück und sind dankbar für langjährige treue Partner vor Ort, die unsere Hilfe zuverlässig umsetzen.“

Andererseits befinde sich die Welt inzwischen „in einer Doppelkrise“, in deren Rahmen „sich unserer Meinung nach bereits jetzt Anzeichen einer großen Hungersnot in Afrika abzeichnen, ausgelöst durch die Nahrungsmittelkrise, die der Ukraine-Krieg weltweit verursacht“. Die Neutrauchburger Hilfsinitiative hoffe deshalb auch auf „Reissack-Spenden zu Ostern, um unseren langjährigen Partnern in Mali/Westafrika umfangreicher helfen zu können“.

Große Not in der Sahel-Zone wird erwartet

Wie Maurus erklärt, würden „große Hilfsorganisationen bereits jetzt vor einer Verschärfung der Lage warnen, die zusammen mit dem Klimawandel, der nötigen Regen ausbleiben lässt, in der Sahel-Zone eine große Not auslösen kann und wird.“ Viele Länder dort, die zu den ärmsten der Welt gehören, mussten schon vorher Grundnahrungsmittel importieren, Weizen und Dünger seien aus der Ukraine oder Russland eingeführt worden.

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Diesen Frauen im westafrikanischen Mali konnte mit Reissack-Spenden geholfen werden. (Foto: Ccara e.V./Schwäbische.de)

Nun zeichneten sich Lieferengpässe und eine drastische Verteuerung der Grundnahrungsmittel ab: „Bisher kostete ein Sack Reis jahrelang umgerechnet 30 Euro, seit Ausbruch des Ukraine-Krieges und der Binnenkrise in Mali im Januar zahlt man heute bereits 38 Euro – Tendenz steigend“, berichtet Maurus.

Immer mehr Binnenvertriebene in Mali

In Mali führten Partnerorganisationen „eine Warteliste mit notleidenden Frauen“, die immer länger werde. Ccara lasse seit 15 Jahren an Witwen und Frauen in Not mit ihren Kindern 50-Kilogramm-Reissäcke verteilen. Nun stiegen die Anfragen, weil in der Hauptstadt Bamako immer mehr Binnenvertriebene ankämen, die nicht wüssten, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. „Das Land steckt in einer Dauerkrise“, konstatiert Heike Maurus.

Spenden für diese Reisrationen gebe ihr Verein Ccara eins zu eins weiter, „der Händler vor Ort hat bisher aus humanitären Gründen sogar auf seine Marge verzichtet“. Die Transportkosten übernehme eine Partnerorganisation, „so dass wirklich den Frauen vor Ort direkt und ohne weitere Nebenkosten geholfen werden kann“, versichert Maurus.