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Nicht sanierungsfähig

Bodenmüller-Haus in Wohmbrechts ist Geschichte

Wohmbrechts / Lesedauer: 3 min

Das ortsbildprägende, Jahrhunderte altes Gebäude neben der Pfarrkirche steht nicht mehr - trotz kurzzeitigem Denkmalschutz. Das hat seine Gründe.
Veröffentlicht:28.11.2023, 05:00

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Das Bodenmüller-Haus neben der Wohmbrechtser Pfarrkirche ist abgerissen. Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Gebäude war aus Sicht von Gutachtern nicht mehr sanierungsfähig, Eigentümer war die Gemeinde Hergatz. Dem Abriss hatte zuletzt auch das Denkmalschutzamt zugestimmt.

Kosten für Sanierung viel höher als für Neubau

Das Gebäude spielte in den Überlegungen der Gemeinde zur Dorferneuerung in den letzten Jahren immer wieder eine Rolle. Unklar war, ob es eine Sanierung und in der Folge eine öffentliche Nutzung geben sollte. Direkt an das Grundstück des Bodenmüller-Hauses grenzen der Dorfplatz und der Alte Pfarrhof an, für die im Rahmen der Dorferneuerung ebenfalls Planungen zur Neugestaltung oder Sanierung laufen.

Den schlechten Zustand des seit etwa 20 Jahren leerstehenden Gebäudes hatte 2021 Gutachter Klaus Pilz dem Gemeinderat bestätigt. Er listete damals minutenlang die Schäden und Mängel an dem Holzgebäude auf und empfahl den Abriss. Denn, so lautete sein Fazit: Die Kosten für die Ertüchtigung übersteigen die eines vergleichbaren Neubaus bei weitem.

Leicht gemacht hatten sich die Mitglieder des Gemeinderats die Entscheidung über den Abriss nicht. Denn das mehrfach umgebaute Bodenmüller-Haus zählte zu den ältesten Gebäuden in Wohmbrechts und galt als ortsbildprägend. Mit Hilfe einer Machbarkeitsstudie klärte die Gemeinde, ob und wie sich das Objekt im Rahmen der Dorferneuerung umbauen und anderweitig nutzen lasse. Doch schon die Begehung durch den Gutachter zeigte 2021 rasch, dass nur ein Abriss in Betracht kommen würde.

Holzwurm, Feuchtigkeit, zerstörte Decken

Längst nicht mehr alle Fußböden waren für das Betreten geeignet. Im ganzen Gebäude waren starke Feuchtigkeitsschäden zu verzeichnen und der Holzwurm hatte sich in der Konstruktion breit gemacht. Pilz berichtete schon 2021 von Schäden in der Außenwand und teilweise komplett zerstörten Decken. Räume waren schief und Decken hingen bis zu 24 Zentimeter durch. Die Raumhöhe lag bei teilweise nur 1,91 Meter. Seit zwei Jahren war das Haus zudem mit einem Bauzaun abgesperrt, da die Gefahr bestand, dass Ziegel oder Gebäudeteile herabfallen.

Eine wirtschaftlich sinnvolle Sanierung sei für die Gemeinde nicht zu leisten, argumentierte Bürgermeister Oliver-Kersten Raab zuletzt gegenüber dem Denkmalschutzamt in München. Dieses hatte das Bodenmüller-Haus kurzfristig unter Denkmalschutz gestellt und damit einem Abbruch zunächst den Riegel vorgeschoben. Daraufhin ließ die Kommune ein zweites Gutachten erstellen, welches das erste von 2021 jedoch bestätigte.

In der Folge zeigte die Gemeinde den geplanten Abriss des Gebäudes beim Landratsamt an. Dieses nahm Rücksprache beim Denkmalschutzamt, das letztlich kein Veto einlegte. Somit konnten Anfang vergangener Woche die Vorarbeiten zum Abriss und anschließend der eigentliche Rückbau beginnen. Die Gemeinde kostet der Abriss 20.000 Euro.

Wie wird frei werdende Fläche künftig genutzt?

Noch offen ist, wie die Kommune die freiwerdende Fläche künftig nutzen wird. Denkbar ist aus Sicht des Bürgermeisters eine Einbeziehung in den neu zu planenden Dorfplatz - eine Option ist aber auch ein Ersatzbau. In diese Entscheidung soll die Bürgerschaft ebenso einbezogen werden wie die Teilnehmergemeinschaft der Dorferneuerung, kündigt Raab ab.