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Uneinigkeit

Wem gehört der Baum? Hauerzer liegt im Clinch mit der Stadt

Bad Wurzach / Lesedauer: 4 min

Bei einem Sturm brach ein großer Teil der Weide auf dem Grundstück von Hermann Schmaus ab. Das ließ einen jahrzehntealten Streit neu aufflammen.
Veröffentlicht:11.02.2024, 09:00

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Wem gehört der Weidenbaum auf dem Grundstück von Hermann Schmaus am Sendener Bach in Hauerz? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung zwischen dem Hauerzer und der Stadt Bad Wurzach, in der es um mehrere Tausend Euro geht.

Schmaus sagt, den Baum habe die Stadt als Teil einer Bachrenaturierung gepflanzt und im Gegenzug dafür, dass er dafür sein Grundstück zur Verfügung gestellt hat, zugesagt, sich um die Pflege zu kümmern. Die Stadt wies ihm gegenüber schriftlich die Eigentümerschaft am Baum zurück. Der Hauerzer hat mittlerweile einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Die Stadt will aufgrund des laufenden Verfahrens der Presse gegenüber keine Auskunft geben.

Nur mündliche Absprachen

Die Ursprünge der Affäre liegen lange zurück. Die Bachrenaturierung der Stadt, auch als Hochwasserschutz für die Anwohner gedacht, und die damit laut Schmaus einhergehende Pflanzung eines etwa drei Meter hohen Setzlings wurden 1988 getätigt. Einen schriftlichen Vertrag zum von ihm geschilderten Sachverhalt gebe es nicht, räumt Schmaus ein. Er habe damals auf die mündlichen Zusagen der Verwaltung vertraut, sagt er.

Der Auslöser

Ein Teil des nach Schmaus’ Angaben zu diesem Zeitpunkt etwa 30 Meter hohen mehrstämmigen Baums brach bei einem Sturm am 24. August 2023 ab. Dabei wurde auch das Geländer einer Brücke über den Sendener Bach auf dem Nachbargrundstück beschädigt. Dass so etwas passieren könnte, darauf habe er die Stadtverwaltung im Vorfeld mehrfach hingewiesen, sagt Schmaus. Passiert sei nie etwas.

Vier Tage nach dem Sturmschaden habe die Stadt einen Baumgutachter geschickt, der beurteilen sollte, ob der Rest des Baums stehen bleiben kann oder nicht. Dessen Ergebnis: „Eine Gefahr der Verkehrssicherheit wurde nicht festgestellt“, heißt es in einer Mail der Stadtbaumeisterin Kathleen Kreutzer an Schmaus am 1. September. Die Stadt werde die abgebrochenen Baumteile in den kommenden Tagen aus dem Bach entfernen lassen, kündigte sie an.

Frage des Standpunkts

Der Hauerzer indes erteilte der Stadt am 5. September ein Betretungsverbot für sein Grundstück. Der Baumgutachter, der nach Schmaus’ Erinnerungen vom Hauerzer Ortsvorsteher und vom städtischen Bauhofleiter begleitet worden war, habe den Baum nur von der Straße aus und damit aus mehreren Metern Entfernung kurz angesehen, kritisiert Hermann Schmaus. Dass das Stamminnere „faul, eingerissen und komplett hohl“ war, habe man von da aus gar nicht sehen können, sondern nur von der gegenüberliegenden Seite auf seinem Grundstück.

Nur von der Straße abgewandten Seite sichtbar ist das morsche Stamminnere.
Nur von der Straße abgewandten Seite sichtbar ist das morsche Stamminnere. (Foto: Steffen Lang)

Tatsächlich lässt sich der Schaden im Stamm von der Straße aus nicht erkennen, wohl aber von der anderen Seite aus.

Weide abgetragen

Nur die abgebrochenen Teile zu entfernen, war Schmaus zu wenig.

Mir ist das Risiko zu hoch gewesen, dass ein weiterer Teil der Weide abbricht und dann auch Menschen zu Schaden kommen.

Hermann Schmaus

Schließlich hätten im Bereich der ausladenden Krone oft auch Kinder gespielt und seien Fußgänger unterwegs gewesen. Daher ließ er am 7. September den Baum von oben herab Stück für Stück abtragen.

Das übernahm ein Unternehmen, das ebenfalls Schmaus gehört. Für die Arbeiten seien knapp 7100 Euro Kosten angefallen, weitere 1300 Euro würden für „Restarbeiten“ fällig. Geld, das Schmaus nun von der Stadt Bad Wurzach erstattet haben will. Schließlich sei das nicht sein Baum.

Die Vorgeschichte

Nicht erst seit dem Sturmschaden liegt Schmaus im Clinch mit der Stadt Bad Wurzach. Zu der gesamten Maßnahme von 1988 hat er seine eigene, für die Stadt wenig schmeichelhafte Meinung. Nur teilweise sei das, was in einer Infoveranstaltung damals im Feuerwehrhaus angekündigt worden war, tatsächlich passiert. Von dieser Infoveranstaltung hat ein Schmaus-Mitarbeiter ein Protokoll angefertigt. Nachbarn von ihm würden dies auch so bestätigen, versichert er.

Das, was getan worden sei, sei „in billigster und sparsamster Ausführung“ ausgeführt worden und sei daher von Regen und Hochwasser im Laufe der folgenden Jahre „überwiegend wieder zunichte gemacht“, sprich Boden abgetragen worden. Weil die Stadt darauf nicht reagiert habe, habe er sich schon in den Jahren 1999 und 2008 gezwungen gesehen, mit seiner Firma Industrie und Wohnbau GmbH seine Grundstücksfläche selbst wieder herstellen zu lassen.

Zweimal verzichtet

20.000 Mark (1999) beziehungsweise 16.000 Euro (2008) stellte er der Stadt für Aufwand und als Schadensersatz in Rechnung. Geld bekam er von ihr keines. Das ließ der Hauerzer auf sich bewenden. Diesmal will er das nicht tun.

Ende Februar hat das Bauamt der Stadt Schmaus nun zu einem Gespräch eingeladen.