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Was Bad Wurzachs erste Klimaschutzsiedlung auszeichnet

Bad Wurzach / Lesedauer: 3 min

Im Arnacher Baugebiet St. Anton kaufen die Bauherrn die Geothermiebohrung gleich mit. Das hat für alle Beteiligten Vorteile.
Veröffentlicht:07.11.2023, 17:00

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In Arnach wird derzeit ein ganz besonderes Baugebiet erschlossen. Es wird Bad Wurzachs erste Klimaschutzsiedlung.

23 Bauplätze werden in St. Anton entstehen. Neben Stromleitungen, Trinkwasserleitungen und Abwasserkanälen werden dabei 40 Bohrungen gesetzt. Die Bad Wurzacher Firma Baugrund Süd ist für diesen Teil der Erschließung zuständig. Jedes Grundstück erhält seine eigene oberflächennahe Geothermie-Bohrung und damit die Voraussetzung für die spätere Installation einer Erdwärmepumpe.

Baustelle besichtigt

Die Stadt trägt zunächst die Kosten für diese Bohrungen und gibt sie später an den Bauherrn über den Grundstückspreis weiter. „Und zwar 1:1. Wir verdienen daran nichts“, betont Bürgermeisterin Alexandra Scherer. Sie besichtigte dieser Tage zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Raimund Haser die Baustelle. Die beiden Christdemokraten ließen sich von Christoph Knepel, gemeinsam mit Alois Jäger Geschäftsführer von Baugrund Süd, die Bohrungen erklären.

In einer Tiefe von bis zu 140 Metern werden die Erdwärmesonden angebracht, die später einmal für Wärme und Warmwasser in den Häuser in St. Anton sorgen. „Für jede Bohrung wird etwa ein Arbeitstag benötigt“, sagt Knepel, dessen Firma deutschlandweit zu den führenden Anbietern dieser Technologie zählt. 40 Bohrungen werden für die 16 Einfamilien- und sechs Zwei/Dreifamilienhäuser sowie das Mehrparteienhaus gesetzt.

In Bayern schon erprobt

Baugrund Süd hat bereits Erfahrung mit Baugebieten wie St. Anton. Individuelle Geothermiebohrungen als Teil der Erschließung hat sie bereits in Bad Grönenbach und Kimratshofen umgesetzt. „Dass wir jetzt erstmals mit solch einem Projekt an unserem Standort tätig werden, freut uns natürlich sehr.“

Dass die Bohrungen bereits während der Erschließung gesetzt werden können, hat laut Knepel Vorteile. Zum einen ist mehr Platz für die Arbeiten vorhanden. Zum anderen können die Bohrlöcher in einem Abstand gesetzt werden, dass sich später die Erdwärmepumpen in der Effizienz nicht gegenseitig beeinträchtigen. Bei den Arbeiten in Arnach setzt Baugrund Süd eine moderne Separationsanlage ein, die das eingesetzte Wasser vom ausgespülten Erdreich wieder trennt.

PV-Anlage aufs Dach

Die Wärmepumpen ‐ so sie denn der Bauherr nutzt, wovon freilich auszugehen ist ‐ werden später von der gesetzlich vorgeschriebenen PV-Anlage auf dem Hausdach mit dem nötigen Strom versorgt. So kann das Haus dauerhaft klimaneutral beheizt werden.

Für die Stadt Bad Wurzach habe die Vorbereitung von Geothermie auf jedem einzelnen Grundstück den Vorteil, dass sie kein Nahwärmenetz schaffen und vor allem betreiben oder dafür einen Betreiber suchen muss, erläutert Alexander Scherer. Aufwändig war die Genehmigung der Bohrungen. Für jedes Grundstück habe man eine eigene beantragen müssen, berichtet die Bürgermeisterin.

Modell für künftige Gebiete

Zukunftsweisend sei das Vorgehen in St. Anton natürlich trotzdem, so Scherer weiter. Es sei nachhaltig und aufgrund der momentanen Zuschüsse auch finanziell günstig für die Bauherrn.

Wir werden das so oder zumindest so ähnlich künftig in allen unserem Baugebieten handhaben.

Alexandra Scherer

 St. Anton in Arnach ist also zwar die erste Klimaschutzsiedlung Bad Wurzachs, aber sicherlich nicht die letzte.

Raimund Haser ‐ er ist Vorsitzender des Arbeitskreises für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft im Landtag und Umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ‐ ist begeistert: „Ein klasse Projekt.“ Baugrund Süd nennt er „die Speerspitze auf dem Gebiet der Geothermie in Baden-Württemberg“.