StartseiteRegionalRegion AllgäuBad WurzachSportlerball in Bad Wurzach: schwungvoll, humorvoll, bissig

Gelungener Abend

Sportlerball in Bad Wurzach: schwungvoll, humorvoll, bissig

Bad Wurzach / Lesedauer: 4 min

Kriminalfall um verschwundenen Krebs findet ein überraschendes Ende. Aus der Bütt kommt Kritik an der Lokalpolitik - und ein Lob für den Klimaaktivisten.
Veröffentlicht:12.02.2024, 05:00

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Das Geheimnis um den verschwundenen Krebs als Wappentier von Bad Wurzach bleibt ungelöst. Ein gutes Ende hatte der Kriminalfall beim Sportlerball im Kursaal aber doch.

Mit viel Schwung und viel, stellenweise auch bissigem Humor hat die Veranstaltung von TSG-Turnern, DLRG, Tennisclub, Landjugend und „Freunde des Ungeziefers“ sein Publikum am Freitag und am Sonntag begeistert. Erstmals als Moderator im Einsatz war Walter Strobel. Er ersetzte kurzfristig den erkrankten Florian Tobisch.

Ermittler aus Münster

Als Thiel und Boerne, den bekannten Kommissaren des „Tatort“ Münster, leiteten er und Reinhard „Hardy“ Vincon die Ermittlungen und führten durchs Programm. Das war mit einem dazu passenden Filmintro (Lucas Vincon, Sascha Dargel), das sich eng an den „Tatort“ anlehnte, eingeleitet worden.

Als „Underground Special Agency“ angekündigt wirbelte die Garde aus Unterschwarzach (Leitung Marina Gürler, Sabrina Heine) als erstes über die Bühne - am Sonntag tat dies die Garde Himmlische Teufel des TV Memmingen (Leitung Nina Walter, Natalie Wagenbauer). Ebenso spritzig waren im weiteren Verlauf die tänzerischen und akrobatischen Einlagen der Männergarde (Leitung Pia und Felicitas Vincon) und der TSG-Turner (Leitung Pia, Felicitas und Ida Vincn sowie Carolin Stangl).

Die Tränen fließen

Als „Alte Weiber“ stets ein Höhepunkt sind Claudia Forderer und Anja Vincon. Diesmal sinnierten sie über Schönheit, Männer und Älterwerden: „Ich hab’ mein Speckdrum erweitert“ und „statt Wespentaille nun eine Hummelhüfte“. Tränen flossen beim Auftritt von AlHuFoHuAnHa, das diesmal als Duo (Alexander Strobel, Hubert Foderer; unterstützt von Anja Vitas als Näherin) daherkam. Sie flossen natürlich vor Lachen, als die beiden sich als Magier und Meister der Täuschung und Illusion erwiesen.

Das Stadtgeschehen nahm das „Ungeziefer“ (Anja Vincon, Claudia Forderer, Brigitte Hoffmann, Barbara Vincon-Schwarz, Felicita Vincon, Nicole Müller) aufs Korn, diesmal speziell das Schnakenfest. Die wegen Dachlawinengefahr gesperrten Hütten des Weihnachtsmarkt und die viel zu niedere neue Brücke im Kurpark kommentierten sie aber ebenso bissig wie die Kurhaus-Genossenschaft, die scheinbar viel Personal von der Stadtverwaltung abziehe. Der Veranstalter des auf der Bühne stattfindenden Schnokafeschts blieb im Dunkeln. Vielleicht „Benes Aktiengesellschaft“ (BAG)? „Bestimmt aber nicht die Stadtkapelle. Sonst wär’s ja schon abgesagt.“

Bissige Büttenrede

Lokalpolitische Spitzen feinster Machart setzte Markus „Vinne“ Vincon in der Bütt. „Die Bolla sind komme und dr Krebs war weg“, kommentierte er das neue Stadtlogo und den verschwundenen Krebs. Und ahnte Schlimmes für die Stadt: Unterschwarzach durchs überflutete Ried abgetrennt und vom Landkreis Biberach einverleibt; Hauerz und Haidgau durch Straßenbau nicht mehr erreichbar; Arnach erklärt sich mitsamt Finkhof für autonom; Seibranz macht nach der Hallenrenovierung den „Abflug nach Leutkirch“.

Zum Thema machte „Vinne“ unter anderem auch die Energiewende: „In Leutkirch baut ma da dritte Solarpark ruckzuck, in Wurzach vielleicht zwei städtische Dächer am Stuck.“ So gewinne die Stadt keinen Blumentopf, so Vincon, und lobte Klimaaktivist Lukas Häfele: „Wenigschdens oiner hot mol sei Schdemm erhoba.“ Die häufigen Personalwechsel in der Stadtverwaltung nahm er sich auch zur Brust. Da würden nicht nur immer mehr Ortsfremde eingestellt, sondern auch Menschenverstand durch Paragrafen ersetzt. Stagnation mache sich breit: „A Gsetz find’t ma immer, um was zu vermeida.“

Aus der Geschichte

Und wie war’s denn jetzt mit dem verschwundenen Krebs? Mit einem herrlichen Sketch beleuchteten Ida, Pia, Felicitas und Anja Vincon sowie Carolin Stangl und Felix Hartmann zunächst Geschichtliches: den Todesfall von Truchsess Leopold, dem Vater des Wappentiers“, anno 1800 vorm Wurzacher Schloss.

Danach kamen Boerne und Thiele langsam, aber sicher der Auflösung näher. Tatverdächtigen um Tatverdächtigen konnten sie ausschließen, am Ende sogar Bürgermeisterin Alexandra Scherer - die vorsichtshalber schon mal als Unschuldsengel verkleidet zum Sportlerball erschienen war. Gerüchteweise zur Last legen konnten ihr die beiden Krimnaler nur, warum der Turm im Ried immer teurer wird: Sie lasse sich an dessen Spitze eine Penthouse-Wohnung einbauen.

Der Hauptverdächtige

Als Hauptverdächtiger übrig blieb Ex-Bürgermeister Roland Bürkle, der mit dem HGV zusammen das neue Logo einst anschob. Doch ausgerechnet er ist „in Sigmaringa unter em Schutzschirm dr Landrätin fiar eis nicht zu erreicha“. So bleibt der Krebs verschollen, das Rätsel ungelöst.

Indes: Wurzach braucht den Krebs gar nicht, hat es doch schon lange einen würdigen Ersatz, so die Ermittler: „feingliedrig, hartnäckig, extrem saugfähig, durchsetzungsstark, nur d’Fraua macha do an Stich“. Das wahre Wappentier von Bad Wurzach ist und bleibt: die Schnake („Schooga-Stich - juckt liederlich“).

Mit dieser Erkenntnis und dem Dank des Moderatorenduos an alle Helfer hinter den Kulissen ging der offizielle Teil zu Ende. Knapp drei Stunden waren wie im Flug vergangen, und die Band „Celebrate“ (am Sonntag: Combo4) spielte zum Tanz auf.