Musikkapelle

470 Reiter pilgern von Gutenzell nach Niedernzell

Gutenzell / Lesedauer: 4 min

Jedes Jahr findet der Wendelinusritt statt. Das ist der Grund.
Veröffentlicht:16.09.2019, 20:03
Aktualisiert:17.09.2019, 06:29

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470 Reiter, acht Musikkapellen und zahlreiche Pilger haben sich am Sonntag auf den Weg gemacht, vom festlich geschmückten Gutenzell vorbei an der schon frühherbstlichen Flur nach Niedernzell. An der Wegstrecke standen viele Besucher, die Sonne schien, der Himmel war blau, die Temperaturen angenehm warm.

Es ist eine Reiterprozession, die sich jedes Jahr wiederholt, und doch ist sie jedes Jahr ein neues Erlebnis: der Wendelinusritt. Als letzter der großen oberschwäbischen Flurritte findet der Ritt jedes Jahr am dritten Sonntag im September statt. Es ist eine Reiterprozession mit langer Tradition, es gab sie schon zu Klosterzeiten. 1947 wurde sie wieder belebt.

Pater Hubert Veeser SDS, Provinzial der Deutschen Salvatorianer, hat in diesem Jahr die Reliquie des Heiligen getragen. Pater Veeser ist gebürtiger Kißlegger. Er und der Orden der Salvatorianer mit ihrer Niederlassung in Bad Wurzach haben einen engen Bezug zu Oberschwaben, der oberschwäbischen Tradition und dem religiösen Brauchtum der Flurritte.

Der Festtag begann um 9 Uhr mit einem festlichen Hochamt in der ehemaligen Klosterkirche Kosmas und Damian in Gutenzell. Der Kirchenchor sang im Gottesdienst die „Spatzenmesse“ in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart . Mit dem Zwölf-Uhr-Läuten setztete sich der Prozessionszug mit Reliquienträgern, den Festreitern und der Musikkapellen in Gutenzell in Bewegung.

Patron der Hirten und Bauern

Wendelinus soll der Überlieferung nach im sechsten Jahrhundert nach Christus gelebt haben. Nach seiner Ausbildung in einem irischen Kloster soll er zu einer Pilgerfahrt nach Rom aufgebrochen sein. Auf dem Rückweg fand er im Saarland ein neues Zuhause. Wendelinus soll aus königlichem Geschlecht stammen, sich jedoch für ein Leben im Dienste Gottes entschieden haben. Er wurde zum großen Helfer für die Landbevölkerung in der Umgebung, die ihn bei allen Problemen mit ihrem Vieh um Rat und Hilfe baten. Er konnte in zahlreichen Fällen helfen und zwar in einer Weise, die für viele an ein Wunder grenzte oder als Wunder verstanden wurde.

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Sein Gedenktag ist der 20. Oktober. Die Bauernregel für diesen Tag lautet: „Sankt Wendelin, verlass uns nie, schirm unseren Stall, schütz unser Vieh“. Wendelinus ist der Schutzpatron der Hirten, Landleute, Bauern, Tagelöhner und Landarbeiter. Seit dem 15. Jahrhundert wird der Heilige in vielen Dörfern verehrt.

In der bis ins Jahr 1747 zurückreichenden Wendelinuskapelle in Niedernzell ging Pater Veeser in der Wallfahrtsmesse auf die Bauernpatrone Sankt Wendelin und Sankt Leonhard ein und bat um ihre Fürsprache und den Segen durch die Wendelinusreliquie.

Freude gehört zum Christsein

Er bezog sich in seiner Festpredigt auf den Philipperbrief des Apostels Paulus (Phil 4,4) in dem zur Freude im Leben und zu einem frohen Christsein ermutigt wird. Er sagte: „Der Wendelinusritt 2019 steht unter dem Motto ,Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!’ Christsein ohne Glaubensfreude, ein Jahreskreis ohne frohe Feste und ein Alltag, aus dem wir nicht durch das Heilige und Besondere freudig herausgehoben werden, das wäre ein trauriger Glaube und ein trauriges Christsein, das seinem Ursprung nicht entspricht.“ Der Wendelinusritt ergebe ein heiteres und doch gleichzeitig tiefes Fest, das in den Menschen die Freude und die Zuversicht des Glaubens stärken könne.

Acht Reiter wurden für ihre langjährige Teilnahme am Ritt geehrt (siehe Übersicht). Am Ende dankte Monika Wieland, Bürgermeisterin der Gemeinde Gutenzell-Hürbel, allen , die durch ihr Engagement den Wendelinusritt ermöglicht hätten.

Folgende Reiter wurden geehrt:

Für 25 Jahre Teilnahme:

Stefan Beutel (Reitergruppe Eberhardzell), Inge Haug (Reitergruppe Ochsenhausen/Erlenmoos), Karl Köberle (Reitergruppe Ummendorf/Mittelbuch)

Für 40 Jahre Teilnahme:

Alois Brauchle (Reitergruppe Eberhardzell), Walter Brauchle (Reitergruppe Eberhardzell), Armin Nieß (Reitergruppe Mietingen), Ernst Zobel (Reitergruppe Ochsenhausen/Erlenmoos)

Für 50 Jahre Teilnahme:

Karl Gaißmaier (Reitergruppe Laupheim), Hermann Miller (Reitergruppe Reinstetten)