StartseiteRegionalRegion AllgäuBad Wurzach„Schande und Saustall“: Zustand des Friedhofs empört Heimkehrerinnen

Eher Feld als Friedhof

„Schande und Saustall“: Zustand des Friedhofs empört Heimkehrerinnen

Bad Wurzach / Lesedauer: 4 min

Die ehemaligen Bad Wurzacherinnen besuchen das Familiengrab und sind entsetzt. Was die Stadtverwaltung mit dem Gottesacker vorhat.
Veröffentlicht:14.08.2023, 05:00

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Entsetzt seien sie gewesen, als sie nach längerer Pause anlässlich des Heiligblutfests ihre Heimatstadt und dort auch das Familiengrab auf dem Friedhof besucht haben, schreiben zwei ehemalige Wurzacherinnen. Der sei „verwahrlost“, sind sie empört.

Die Stadt und mit ihr der Gemeinderat sollten sich schämen, schreiben die beiden Schwestern. Der Friedhof sei verwahrlost und mit Disteln und Unkraut übersät, „eine Schande und ein Saustall“, eher „Feld“ denn Friedhof. Den Brief nahm unsere Redaktion zum Anlass, bei der Stadtverwaltung nach dem Stand der Sanierungspläne zu fragen.

Thema seit zwei Jahren

Stadtverwaltung und Gemeinderat wissen selbst seit langem um den Zustand des städtischen Friedhofs am Gottesberg. Auch jüngst bei der Bürgerversammlung wurde das Thema von einem Teilnehmer kurz angesprochen. Bereits im April 2021 hatte die damals zuständige Amtsleiterin Elke Osterkamp das Projekt Friedhofsgestaltung im Gemeinderat vorgestellt. Das Gremium hatte damals auch die Planungen dafür formell in Auftrag gegeben.

Das Augenmerk liegt dabei auf dem älteren, östlichen Teil (vom Friedhofsweg aus gesehen links). Der westliche Teil ist die 2010 abgeschlossene Erweiterung. „Wir wollen den Friedhof in seiner Schönheit erhalten“, so Bürgermeisterin Alexandra Scherer im Frühjahr 2021. Dieser grundsätzlichen Schönheit entgegenstehen aber unter anderem die vielen Lücken, die sich in den Gräberreihen auftun. Pro Jahr würden fünf bis sieben Gräber aufgelöst, berichtete Osterkamp. „Viel Stückwerk“ in diesem Bereich sei die Folge.

Baubeginn war 2022 geplant

Schon damals hatte sie auch betont, dass man Stück für Stück und sensibel vorgehen müsse. Hinzu komme die finanzielle Situation der Stadt, die ebenfalls dafür spreche, die Teilmaßnahmen des Gesamtprojekts zu priorisieren und auf mehrere Jahre zu verteilen. Damals hatte die Stadt noch einen Baubeginn für Mitte 2022 und einen Abschluss der Gesamtsanierung für „voraussichtlich 2026“ ins Auge gefasst.

Der Zeitplan sei nicht zuletzt wegen der starken Belastung der Verwaltung durch Corona nicht einzuhalten gewesen, musste Scherer wenig mehr als ein Jahr später, im Mai 2022, im Rat einräumen. Die Pläne zum Neugestalten des städtischen Friedhofs in Bad Wurzach lägen daher auf Eis. Auch mit der Pflege der Anlage komme der Bauhof momentan kaum hinterher. Die Stadträte Norbert Fesseler (FW) und Klaus Schütt (CDU) hatten sich nach den Neuordnungsplänen erkundigt und übereinstimmend festgestellt: „Der Friedhof schaut furchtbar aus.“

Jetzt „mit Hochdruck“ dabei

Ein weiteres Jahr später, im vergangenen Mai, konnte Scherer dann auf erneute Nachfrage Fesselers berichten, die Verwaltung arbeite „mit Hochdruck“ an der Sache. Ein Planungsbüro sei beauftragt, an einer nötigen Neufassung der Satzung sei man dran.

Dazu teilte die Pressestelle des Rathauses nun vergangene Woche auf SZ–Anfrage mit, dass mit der Planung der Friedhofsneuordnung das Landschaftsarchitekturbüro Kurt Rau aus Ravensburg beauftragt ist, das auch bereits die Friedhofserweiterung vor circa 15 Jahren vor Ort begleitet habe. Es werde dazu „noch im August konkrete Planungsgespräche geben“. Die Planung zur künftigen Gestaltung soll laut Ordnungsamt noch im laufenden Jahr dem Gemeinderat vorgestellt werden.

Auch an der Überarbeitung der Satzung sei man „mit Nachdruck“ dran. Sie müsse hinsichtlich Gebührenkalkulation und möglicher Bestattungsformen an heutige Gegebenheiten angepasst werden.

Bekämpfung mit Heißschaum

Unabhängig von den grundsätzlichen Plänen sei der städtische Bauhof stetig mit der Bekämpfung des Unkrauts beschäftigt, betont die Stadtverwaltung überdies. Dazu werde seit diesem Jahr ein sogenanntes Heißschaumgerät eingesetzt. 

Bis sich hier eine nachhaltige Besserung einstellt, sind allerdings mehrere Durchgänge mit jeweils einigen Wochen Abstand notwendig. Wir erwarten insofern mittelfristig auch sichtbare Verbesserungen.

Die Briefschreiberinnen, die sich auch an die Stadt gewandt haben, und von dieser laut Pressestelle in Kürze eine Antwort erhalten werden, regen in ihrem Brief auch an, dass die Wurzacher selbst aktiv werden. „Meine lieben Wurzacher, greift selber an“, heißt es in dem Brief. „Auch ich war mir nicht zu schade,, Unkraut und Disteln auszureißen.“

Die Idee, dass Ehrenamtliche den Bauhof beim Unkrautbekämpfen unterstützen, hatte auch Stadträtin Gisela Brodd (FW) im vergangenen Mai schon vorgetragen. In Unterschwarzach, auf dem ebenfalls städtischen Friedhof, klappe dies hervorragend.