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Fragenkatalog

Muss der Turm schwarz sein? Klimaaktivist will Antworten von der Stadt

Bad Wurzach / Lesedauer: 4 min

Der Ziegelbacher Lukas Häfele schickt einen langen Fragenkatalog an Verwaltung und Ratsfraktionen von Bad Wurzach. Was er im Einzelnen wissen will.
Veröffentlicht:13.02.2024, 12:00

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Seinen Kampf gegen den aktuellen Haushaltsplan der Stadt Bad Wurzach hat Klimaaktivist Lukas Häfele aus Ziegelbach nun fortgesetzt. Er schickte vor einigen Tagen einen umfangreichen Fragenkatalog an Stadtverwaltung und Ratsfraktionen sowie zur Information auch an die Presse.

Gleichzeitig kündigt Häfele in einer Mail vom 9. Februar auch eine weitere Hitzefrei-Demo für Montag, 26. Februar, in Bad Wurzach an. Dann findet wieder eine Gemeinderatssitzung statt. Bis dahin, so seine Bitte, sollten die Fragen spätestens beantwortet sein.

Es wird immer wärmer

„Es ist beunruhigend zu erkennen, dass meine Generation und alle nachfolgenden Generationen stark unter den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels und des Artensterbens leiden werden“, leitet Häfele seine Mail ein. 2023 habe sich als das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erwiesen, „und bedauerlicherweise setzt sich dieser Trend auch im aktuellen Jahr fort“.

Die gegenwärtige Haushaltsplanung scheine nicht angemessen auf diese Herausforderungen einzugehen, kritisiert Häfele. „Es fehlt das Gefühl, dass die Sorgen und Bedenken unserer Generation ausreichend gehört werden.“

Er bitte „höflich um die Beantwortung“ seiner Fragen. Hinzu kommen die Fragen, die zum Teil von ihm und Mitstreiterinnen in der jüngsten Ratssitzung gestellt worden sind.

Die Förderung des Landes

Fragen hat er beispielsweise zum geplanten Turmbau im Ried. Hier will er unter anderem wissen, ob das Turm als „systemrelevant für die Gemeinde Bad Wurzach betrachtet“ wird. Außerdem fragt er, ob die beantragten Fördergelder des Landes auch für ein Alternativprojekt genutzt werden könnten.

Unklar ist Häfele auch die genaue Bezeichnung des Turms. Während die Verwaltung von einem „Aussichtsturm im Wurzacher Ried“ und vom „Naturerlebnis- und Beobachtungsturm im Wurzacher Ried“, werde „in der Presse oft vom Riedturm gesprochen“.

Aus Hallenbad gelernt?

Wissen will er auch, ob aus der starken Verteuerung beim Hallenbadbau Erkenntnisse gewonnen worden seien, „um sicherzustellen, dass ähnliche Kostensteigerungen beim Riedturm vermieden werden können“.

Gleichzeitig fragt Häfele zum Beispiel, ob im Bauvorhaben auch PV-Anlagen eingeplant sind, was die Stadt sich an Einnahmen durch den Turm erhofft, wie hoch seine Instandhaltungskosten sein werden, und „wie groß die Unterstützung unter unseren Wurzacher Bürgern für diesen Riedturm“ ist.

Andere Standorte

Er weist auch darauf hin, dass es bereits hervorragende Standorte gebe, „wenn man sich einen Überblick über unser großartiges Hochmoor verschaffen will“. Häfele nennt die Grabener Höhe und die Anhöhe bei Albers. „Könnte man hier nicht Plattformen mit Erklärungstafeln aufstellen?“ So könne man sich das Geld „für ein meiner Meinung nach überflüssiges Bauwerk“ sparen.

Weiterhin fragt er nach dem Anteil der regenerativen Energien in Bad Wurzach, auch im Vergleich zu Leutkirch. In diesem Zusammenhang wundert er sich, warum sich im aktuellen Haushaltsplan kein Geld für die Zertifizierung zum Energy Award befindet. 2020 seien dafür noch 20.000 Euro vorgesehen gewesen.

Wann gibt’s einen Energiebericht?

Häfele bemängelt weiterhin das Fehlen eines aktuellen Energieberichts. Auf der Website der Stadt habe er nur einen von 2014 gefunden. Wo der aktuelle sei, fragt er. „Wann plant Bad Wurzach, sich dem Thema Windkraft anzunehmen“, will er außerdem von Verwaltung und Ratsfraktionen wissen. Erneuerbare Energien sind laut Gesetz „im überragenden öffentlichen Interesses und dienen der öffentlichen Sicherheit. Was trägt Bad Wurzach zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit bei?“

Mit Blick auf auf ein Aktionsbündnis zum Schutz vor den gesundheitlichen Auswirkungen von mutmaßlich zunehmenden Hitzewellen, die das Landesgesundheitsministerium, die Landesärztekammer und der Deutscher Wetterdienst im Sommer 2023 gegründet haben, fragt Häfele nach einem Hitzeaktionsplan für die Stadt Bad Wurzach. Einen solchen können Kommunen aufstellen, sie müssen es aber nicht. Bislang gibt es nur eine Handvoll Städte, Gemeinden und Landkreise im Land, die das in Angriff genommen haben.

Die hohen CO₂-Emmissionen

Die CO₂-Emmissionen von Bad Wurzach sind nicht zuletzt aufgrund der Glasfabrik recht hoch, wie Häfele ausführt. Die Stadt habe durch die Verallia aber auch hohe Gewerbesteuereinnahmen und viele Arbeitsplätze. „Es liegt im Interesse der Stadt, dass die Firma Verallia vermehrt auf zukunftsfähige und regenerative Energien setzt. Welche Aktivitäten zur Standortsicherung bezüglich zukunftsfähiger Energieversorgung sind von Bad Wurzach geplant“, so eine weitere Frage des Klimaaktivisten aus Ziegelbach.

Er bittet abschließend auch darum „mir noch sämtliche Gutachten zum Riedturm und der Bundesstraße 465 im Wurzacher Ried“ zuzusenden.

Salvatorkolleg und Glasfaser

Seiner Mail angehängt hat er noch unbeantwortete Fragen aus der Bürgerfragerunde der jüngsten Gemeinderatssitzung. Darin geht es unter anderem um die Ganztagsbetreuung in den Grundschulen, den städtischen Zuschuss für „das Privatschulhaus Salvatorkolleg“ („dient dieser ausschließlich der Heizungs- und Lüftungsanlagen-Wiederinstandsetzung der Turnhalle? Verwendet die neue Heizung fossile Energieträger?), den Glasfaserausbau (auch kabellos möglich? wie langlebig sind Glasfaserleitungen?) und um den Artenschutz im Zusammenhang mit dem Riedturm („Muss der 40-Meter-Turm unbedingt schwarz sein? Wie viele verschiedene Arten gibt es im Wurzacher Ried 2024? Wie viele Arten gibt es nach der Fertigstellung vom ,Aussichts’-Turm noch zu bestaunen? Macht der Turm Zugvögeln und Fledermäusen Probleme?“)