Tenorstimme

Viel Beifall für die Augsburger Domspatzen

Bad Wurzach / Lesedauer: 3 min

Beim Leutkircher-Bankforum bekommen die Augsburger Domsingknaben riesigen Beifall
Veröffentlicht:29.04.2017, 20:35
Aktualisiert:23.10.2019, 06:00

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Bravo-Rufe schon in der Mitte des Konzerts. Da singen drei Knaben aus Mozarts Zauberflöte. Weil ja die Tenorstimme des Tamino erst nach dem Stimmbruch gedeiht, kommt ein älterer Junge dazu, auch er früher Domsingknabe.

Dann Auftritt von Pamina. Auf der Bühne keine Sopranistin, sondern ein Bub der ersten Knabenstimme. Glockenhell. Die Augsburger Domsingknaben werden ihrem Ruf gerecht, einer der besten Kinderchöre überhaupt zu sein.

Eingeladen zu diesem Konzert hat die Leutkircher Bank-Bad Wurzacher-Bad Waldseer Bank im Rahmen eines Mitgliederforums. Das Kurhaus ist eng bestuhlt, auch die Tribüne ist rappelvoll. Schöne Stimmen ziehen.

Ruhestand und Fusion

Der Vortrag der scheidenden Vorstandsvorsitzenden Rosemarie Miller-Weber auch. Die Hauptbotschaft: „Ihrer Bank geht es gut“. Ausführlich geht Miller-Weber auf die geplante Fusion mit der Volksbank Allgäu-West ein, dafür sind auf den jeweiligen Vertreterversammlungen am 22. Mai in Isny und tags drauf in Leutkirch 75 Prozent der Stimmen erforderlich. Das dürfte kein Problem sein, die Fusion macht Sinn. Die „neue“ Bank heißt dann Volksbank Allgäu-Oberschwaben mit Hauptsitz in Leutkirch. Nur die Volksbank Lindau behält ihren Namen.

Miller-Weber verabschiedet sich mit persönlichen Worten in den Ruhestand, nach über 45 Jahre bei der Leutkircher Bank und nach 25 Jahre im Vorstand – eine der seltenen Frauen an der Spitze einer solchen Genossenschaft. Aufsichtsratsmitglied Josef Merk sagt nach 30 Jahren auf Wiedersehen, „alles hat seine Zeit“. Er sei zuversichtlich, dass auch die neue Bank eine „von Mensch zu Mensch“ werde.

Beseelt vorgetragen

Hollidro – die Augsburger Knaben eröffnen mit Alpenländischem, draußen schneit es sacht. Das wiederum passt eher nicht zu den Frühlingsliedern, von Mozart, Schumann und Haydn, welche die jungen Sänger unter Leitung von Reinhard Kammler beseelt vortragen.

Kammler ist Gründer der Domsingknaben, vielfach geehrt, und mit dem Chor unterwegs vom Vatikan bis nach China. Er erzählt von den derzeit 350 Knaben, die in Augsburg musikalisch unterrichtet werden. Im Gegensatz zu den Regensburgern etwa gibt es kein eigenes Internat, die Buben besuchen unterschiedliche Schulen und wohnen zu Hause.

Passend zum Lutherjahr

Dass die „musica sacra“ eine wichtige Rolle spielt, ist klar. Der Chor singt, passend zum Lutherjahr und zum ökumenischen Gedanken, drei Stücke von Johann Sebastian Bach. Eine Besonderheit ist die Zusammenarbeit mit Opernhäusern, etwa der Oper Straßburg oder der Staatsoper Düsseldorf. Daher also die „Zauberflöte“, und der innige, zarte „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“.

Drei Barocklieder mit Lebensweisheiten, dann der Ausflug nach Wien. Mozart war ja kein Freund der Traurigkeit, hat den „Wiener Kanon“ frech angelegt, Der Kaschperl ist krank, der Bär verletzt, der Prater verdreckt. Schön akzentuiert, sichtlich mit Spaß bringen die 30 Buben die „Tritsch tratsch Polka“ von Johann Strauß Sohn.

Ein Höhepunkt

Dann, sich wiegend, ein Highlight. „An der schönen blauen Donau“ hört man selten in Chorbearbeitung ohne Orchester, Donau so blau, durch Tal und durch Au... Wunderbar.

Noch ein Ausflug in den Pop, Eric Claptons „Tears in heaven“. „Es gibt keine E- und U-Musik“, sagt Chorleiter Reinhard Kammler. „Es gibt nur sehr gute und weniger gute.“ Wie wahr. Das Publikum ist begeistert, feiert die Augsburger mit standing ovations. Die bedanken sich mit dem hymnischen irischen Song „You raise me up“.