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Zukunftsperspektive

Bad Wurzacher wollen als Genossenschaft das Kurhaus pachten

Bad Wurzach / Lesedauer: 5 min

Seit Monaten ist die städtische Gastronomie nicht bewirtschaftet. Wer hinter der Genossenschaft steht und was diese vorhat.
Veröffentlicht:30.06.2023, 15:00

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Die Zukunft der Kurhaus–Gastronomie ist so gut wie gesichert. In Bad Wurzach hat sich eine Genossenschaft gegründet, die das Gebäude pachten will.

Auch wenn es noch keinen Vertrag mit der Stadt gibt, hat die Genossenschaft „Kurhaus Bad Wurzach“ schon konkrete Vorstellungen, wie sie das jetzige Restaurant/Café und den Kursaal bewirtschaften will, hat sie Umbaupläne und sich einen Zeithorizont gesteckt.

Anfang Mai trafen sich Sascha Dargel, Stefan Fimpel, Christian Gindele, Christoph Gschwind, Hermann Haas, Manuel Pfender und Bernhard Schad und gründeten die Genossenschaft. Gschwind als Vorsitzender, Gindele, Fimpel, Pfender und Haas bilden deren Aufsichtsrat. Vorstandsvorsitzende sind Schad und Dargel. Allesamt sind sie ehrenamtlich tätig.

Kurhausparty im Juli

Bei einer „Kurhausparty“ am Mittwoch, 26. Juli, werden die Bad Wurzacher sich und ihre Pläne der Öffentlichkeit vorstellen. Unbekannt ist freilich schon jetzt keiner in Bad Wurzach, ganz im Gegenteil. In ihnen ist einiges an Fachwissen in Sachen Genossenschaft, Recht und Steuerrecht sowie Marketing vereint.

Gleiches gilt für Fachwissen im Gastgewerbe. Aufhorchen lassen dabei auch die Namen Haas und Gindele. Hermann Haas, vielen weit besser als „Haasi“ bekannt, ist gelernter Koch und Ernährungsberater, kann auf eine langjährige Erfahrung als Restaurantbesitzer zurückblicken. Seit geraumer Zeit betreibt er Haasi's Kochschule in Seibranz, veranstaltet Kochevents, gibt Kochkurse und ist Showkoch für Küchenstudios in ganz Deutschland.

Renommierter Hotel–Manager

Christian Gindele ist General Manager des Hotels NH Collection München Bavaria, das als Flaggschiff der Gruppe gilt, und leitete zuvor viele Jahre Hotels der Gruppen Steigenberger und Fleming’s. Beide, das betonen sie, werden aber nicht das Kurhaus leiten. Vielmehr gilt für sie, was Gindele bei der Gründung sagte: „Wenn Ihr was braucht, bin ich gerne mit Rat und Tat dabei.“

Die Genossenschaft plant aber, jemanden für die Betriebsführung anzustellen. „Sascha oder ich werden ganz sicher weder kochen noch bedienen. Das ist auch besser für alle“, sagt Bernhard Schad schmunzelnd.

Woher das Geld kommt

Ziel ist, „gemeinsam das Kurhaus umzubauen und zum Leben zu erwecken“, so Schad weiter. Den Umbau will dabei die Genossenschaft selbst durchführen. Finanziert werden soll das zum Teil über Fördermittel aus dem Leader–Programm. „Der Antrag läuft, und wir haben Signale, dass ein Zuschuss genehmigt werden wird“, so Schad.

Geld soll aber vor allem über die ab dem 26. Juli zu erwerbenden Genossenschaftsanteile in die „Baukasse“ kommen. 500 Euro kostet ein Anteil. „Eine Nachschusspflicht besteht nicht“, hebt Schad hervor. Heißt: Im Falle des Falles müssten die Genossen nicht mit weiterem Geld gerade stehen.

Die Begrenzung

100 Anteile können maximal erworben werden. Genossen werden können ausdrücklich nur Menschen und Unternehmen aus Bad Wurzach und den umliegenden Gemeinden. Man habe bereits einige Interessenten für diese Maximalanzahl an der Hand, sagt Schad erfreut.

Verkaufsstart ist mit der Kurhausparty am 26. Juli, 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr), zu der die gesamte Bevölkerung eingeladen ist. Moderator des Abends ist der aus Bad Waldsee stammende Johannes Warth, seit mehr als 30 Jahren als Redner und „Ermutiger“ auf den Bühnen und in Vortragssälen in der ganzen Republik unterwegs. Getränke gibt es zum Selbstkostenpreis, die Genossenschaft spendiert Häppchen.

Erst Infos, dann Party

Ähnlich wie beim Neujahrsempfang der Stadt werde es bei der Vorstellung eine „Konzertbestuhlung“ im Kursaal geben, „danach werden die Stühle weggeräumt und die Party kann beginnen“. 

Wer an diesem Abend bereits Anteile zeichnet, bekommt ein ganz besonderes Geschenk,

wirbt Sascha Dargel

An diesem Mittwochabend werden die Besucher auch viele Details der Pläne erfahren, kündigt Schad an. Ein wenig Einblick gewährt er aber jetzt schon. So sollen Saal auf der einen und Restaurant aus der anderen Seite räumlich klar getrennt werden. Das Restaurant soll eine kleine Bühne, die Veranstaltungen möglich macht, erhalten und insgesamt so umgebaut und renoviert werden, „dass es richtig gemütlich wird und zum Verweilen einlädt“.

Der Zeitplan

Schad und seine Mitstreiter rechnen mit einer Umbauzeit von einem halben Jahr. Bei einem geplanten Pachtbeginn zum 1. Januar 2024 — die Verhandlungen mit der Stadt als Gebäudeeigentümer sind allerdings noch nicht abgeschlossen — könnte dann im Sommer 2024 Eröffnung sein.

Zuversicht strahlen die Genossen auch im Hinblick auf die Personalgewinnung aus. Ein fester Stamm an Servicekräften, dazu temporär einsetzbare „Springer“ sowie Köche werden benötigt. „Schon heute kann man sich bewerben“, sagt Dargel. Möglich ist dies unter jobs.kurhaus–bad–wurzach.de

Wirtschaftlich sei für den Betrieb von Kursaal und Gastronomie ein „Nullsummenspiel“ anvisiert, sagt Schad. „Das reicht bei einer Genossenschaft aus. Geld verdienen müssen wir damit nicht.“

1996 eröffnet

Das 1996 eröffnete Kurhaus wurde zunächst von der Stadt Bad Wurzach beziehungsweise dessen Kurbetrieb bewirtschaftet. Aufgrund der hohen Defizite wurde die Gastronomie — Restaurant, Café und Konditorei im Erdgeschoss — Ende 2011 an die Liebenau Service GmbH aus Meckenbeuren, ein Tochterunternehmen der Stiftung Liebenau, verpachtet. Sie kündigte den Vertrag zum Jahresende 2016.

Die folgende Pächtersuche war schwierig. Erst im Februar 2020 übernahmen Roland Ernle, Bernd Burkhart und Alois Jäger. Und gerieten sofort in den Corona–Lockdown. In der Folge kam das Kurhaus nie wieder richtig auf die Beine. Die Gastronomie öffnete nach dem zweiten Lockdown gar nicht mehr, nur der Kursaal wurde noch betrieben. Der Pachtvertrag wurde schließlich von Ernle als verbliebenem Betreiber zum Jahresende 2022 gekündigt.

Seit Monaten auf der Suche

Bereits seit August 2022 ist die Stadt, die derzeit wie schon von 2016 bis 2019 den Saal in Eigenregie vermietet, neuerlich auf der Suche. Sie zeigte sich dabei stets grundsätzlich offen für andere und neue Vorstellungen, etwa mit Blick auf Konzept, Öffnungszeiten oder bauliche Änderungen. Und auch bei den Pachtkonditionen sei man bereit, dem Pächter entgegenzukommen, hieß es.