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Informationsveranstaltung

Diese Firma will drei Windräder in Argenbühl bauen

Argenbühl / Lesedauer: 8 min

Jetzt ist klar, wer hinter der Idee für den Windpark zwischen Siggen und Ratzenried steht. Bei einer Infoveranstaltung gab es Details ‐ und jede Menge Nachfragen.
Veröffentlicht:24.11.2023, 09:00

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Die Firma Res Deutschland steht hinter den geplanten drei Windkraftanlagen im Wald zwischen Siggen und Ratzenried. Das Unternehmen stellte sich am Dienstagabend bei der Argenbühler Einwohnerversammlung zum Thema Windkraft vor. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Forum Energiedialog, einem prozessbegleitenden Angebot des Landes zum Windkraftausbau.

Das Interesse an dem Abend, bei dem es auch um den Regionalplan, gesetzliche Rahmenbedingungen und die Einschätzung eines Schallschutz-Sachverständigen ging, war sehr groß. Rund 210 Besucher verfolgten die rund dreieinhalbstündige Veranstaltung in der Turnhalle in Ratzenried.

Was hat die Firma Res vor?

Das Unternehmen Res Deutschland GmbH will im Wald zwischen Siggen und Ratzenried den „Windpark Argenbühl“ mit maximal drei Windkraftanlagen entwickeln, und es dann als baureifes Projekt an einen Investor verkaufen. Das Projekt steht noch am Anfang. Ulrich Fischer, Leiter Neuprojekte Wind, spricht derzeit noch von einem „Projektansatz“.

Moderiert von Christiane Freitag vom Forum Energiedialog (von links) beantworteten Wolfgang Heine vom Regionalverband, Lena Held vom Landratsamt, Ulrich Fischer von der Firma Res Deutschland und Christian Eulitz als Akustik-Sachverständiger zahlreiche Fragen der Argenbühler.
Moderiert von Christiane Freitag vom Forum Energiedialog (von links) beantworteten Wolfgang Heine vom Regionalverband, Lena Held vom Landratsamt, Ulrich Fischer von der Firma Res Deutschland und Christian Eulitz als Akustik-Sachverständiger zahlreiche Fragen der Argenbühler. (Foto: Paulina Stumm )

Der gezeigte Zeitplan sieht einen Genehmigungsantrag erst Anfang 2025 vor. Drehen könnten sich die Windräder laut Fischer allerfrühestens in fünf Jahren, Ende 2028. Genaue Standorte, eine sichere Anzahl oder auch die Höhe der Anlagen ließen sich noch nicht benennen. Fischer geht von mindestens 261 Meter hohen Windrädern aus. Die höchsten aktuell am Markt Verfügbaren erreichten 285 Meter.

Wie viel Strom sollen die Anlagen liefern?

Res schätzt, dass alle drei Windkraftanlagen zusammen rund 47 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern könnten. Damit ließen sich rund 13.800 Durchschnittshaushalte versorgen. Bei den Werten handelt es sich aktuell nur um Abschätzungen, konkrete Windmessungen am Standort werden erst zu später gemacht.

Wer ist der Projektierer?

Die Res Group (Renewable Energy Systems) ist ein weltweit im Bereich Erneuerbarer Energien agierendes Unternehmen mit rund 2500 Mitarbeitern. Ihre Anfänge hat sie eigenen Angaben nach im Jahr 1981. Erste Windkraftprojekte setzte sie in Großbritannien um. Die Firma Res Deutschland hat ihren Sitz im badischen Vörstetten.

Welche Abstände zu Siedlungen hat der Standort?

Auf die Fläche in der Gemeinde Argenbühl ist die Firma bei ihren Recherchen gestoßen. Die von der Landesanstalt für Umwelt ermittelten Windpotenzialflächen lassen dort auf genügend Wind hoffen, Schutzgebiete sind dem Unternehmen dort bislang nicht bekannt und bei den Abständen zu Siedlungen gebe es einen gewissen Puffer, falls die Anlagen höher werden. Das Unternehmen spricht von 900 Metern Abstand nach Ratzenried und je 1500 Metern nach Göttlishofen und Siggen.

Vom Sportplatz Ratzenried sind es rund 800 Meter Abstand zur nächsten Windkraftanlage, wie sie die Firma Res Deutschland in einer Fotomontage platziert hat.
Vom Sportplatz Ratzenried sind es rund 800 Meter Abstand zur nächsten Windkraftanlage, wie sie die Firma Res Deutschland in einer Fotomontage platziert hat. (Foto: RES Deutschland GmbH )
Vom Fotopunkt in Siggen aus sind es etwa 1800 Meter zur nächsten Windkraftanlage in der Bildmontage der Firma Res Deutschland.
Vom Fotopunkt in Siggen aus sind es etwa 1800 Meter zur nächsten Windkraftanlage in der Bildmontage der Firma Res Deutschland. (Foto: RES Deutschland GmbH )

Welche Beteiligungsmöglichkeiten gibt es für Bürger?

Die Windkraftfirma will Bürgern Angebote machen. Fischer nannte etwa Nachrangdarlehen, eine Form von Schwarmfinanzierung, und Bürgerenergiegenossenschaften. Diese sind dem Unternehmen als Investoren nicht fremd. Beim Windpark Falkenhöhe im Schwarzwald, der 2021 mit drei Anlagen in Betrieb ging, ist heute die Techwerke Bürgerenergie eG aus Kirchheim unter Teck Hauptgesellschafterin der Betreiberfirma. Aber auch lokal nähere Genossenschaften wie die Bürgerenergiegenossenschaft Biederbach und Elztal beteiligt sich mit einer Tochterfirma an dem dortigen Windpark.

Wie läuft der Genehmigungsprozess ab?

Windräder sind aktuell sogenannte privilegierte Vorhaben im Außenbereich. Um ein Windrad zu bauen, das 50 Meter oder höher ist, muss ein Genehmigungsantrag nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz gestellt werden. Bei bis zu 20 Windkraftanlagen an einem Standort ist, so erläuterte Lena Held vom Bau- und Umweltamt des Landratsamts Ravensburg bei der Einwohnerversammlung, ein vereinfachtes Verfahren ‐ ohne Öffentlichkeitsbeteiligung ‐ möglich, ab 20 Anlagen ist ein förmliches Verfahren nach Paragraf 10 des Bundesimmissionsschutzgesetzes nötig, letztere sind aber auch bei weniger Windrädern möglich.

Diese Genehmigung, gegebenenfalls zum Beispiel mit artenschutzrechtlichen Abschaltauflagen, erteilt das Landratsamt ‐ und dann samt Baugenehmigung und Waldumwandlungsgenehmigung. Das heißt auch, es ist keine kommunalpolitische Willensentscheidung via Bauleitplanung mehr vorgelagert. Wenn das Vorhaben gesetzeskonform ist, hat der Antragsteller ein Anrecht auf Genehmigung. Im förmlichen Verfahren hört das Amt die Träger der öffentlichen Belange (etwa den Forst, Arten-, Boden- und Gewässerschutz und viele andere) an und legt die Antragsunterlagen öffentlich aus. Die Rückmeldungen, auch die aus der Öffentlichkeit, muss das Amt prüfen und es gibt eine Erörterungsverhandlung.

Mit der Ausweisung von Vorranggebieten für die Windkraft in der Regionalplanung soll sich das Verfahren beschleunigen, weil bestimmte Prüfschritte bereits für die Ausweisung gegangen wurden. Bis ein rechtskräftiger Plan für die Windkraftflächen vorliegt, dauert es aber noch.

Regionalverbandsdirektor Wolfgang Heine wies in seinem Vortrag am Dienstagabend darauf hin, dass eine sogenannte Superprivilegierung für Windkraftanlagen greift, wenn es nicht bis 2025 gelingt, die vom Land vorgegebenen 1,8 Prozent der Verbandsfläche für Windkraft auszuweisen. Heine sprach vom Verlust „jeglicher räumlicher Steuerungsoption“.

Was gilt für Schattenwurf und Lärmschutz?

Laut Fischer gelten für den Schattenwurf von Windrädern auf Wohngebäude folgende Grenzwerte: maximal 30 Minuten pro Tag bei insgesamt maximal acht Stunden im Jahr. Die Grenzwerte für die Schallausbreitung liegen nachts bei maximal 45 Dezibel in Kern-, Dorf- und Mischgebieten, 40 Dezibel in allgemeinen Wohngebieten und 35 Dezibel in reinen Wohngebieten. Das gibt die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) vor.

Bei der gut besuchten Einwohnerversammlung in Ratzenried zum Thema Windkraft hielt auch Christian Eulitz, Akustik-Sachverständiger, einen Vortrag.
Bei der gut besuchten Einwohnerversammlung in Ratzenried zum Thema Windkraft hielt auch Christian Eulitz, Akustik-Sachverständiger, einen Vortrag. (Foto: Paulina Stumm )

Wie wird die Situation für die Anwohner nahe dem Windpark Argenbühl gesehen?

„Lärm ist etwas sehr Subjektives“, eröffnete Christian Eulitz von Möhler und Partner Ingenieure und Gutachter in Schall- und Immissionsschutzfragen, seinen Vortrag. In Genehmigungsverfahren gehe es allerdings um Messbares. Ziel sei der Schutz vor erheblichen Belästigungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Er hatte sich für den Abend das Argenbühler Projekt angeschaut und eine Schallprognose erstellt. Dabei ging er von drei Windrädern im Abstand von 400 Metern und einer Nabenhöhe von 175 Metern (261 Metern Gesamthöhe) bei nicht schalloptimierter Normallast aus. Insgesamt sprach er von „unbedenklichen“ Ergebnissen.

Die höchste Belastung gebe es an Einzelgehöften in Hauptwindrichtung, etwa Schlatt und Mittelried. An den ersten Außenbereichsnutzungen würde die 45-Dezibel-Grenze eingehalten. Für die Turnhalle Ratzenried prognostizierte er bei einem Vollastbetrieb 37 Dezibel.

Einer Fragestellerin, die später darauf hinwies, dass eine von ihm vorgestellte Studie zu gesundheitlichen Effekten sich nur auf Untersuchungen bei Erwachsenen, nicht aber auf Kinder beziehe, antwortete Eulitz: „Der Lärm, der von Kindern selbst ausgeht ‐ selbst im ruhigen Unterricht ‐ ist lauter. Ich habe da keine Bedenken, auch nicht bei Unterricht im Freien.“

Warum wurde die Fläche im Regionalplan für Windkraft ausgewählt?

Der Regionalverband schlägt vor, das Gebiet, worin auch die Firma Res Deutschland ihr Projektgebiet sieht, als rund 35 Hektar großes Vorranggebiet „Ratzenried Ost“ auszuweisen. Denn auch der Regionalverband hält dieses, so erläuterte Verbandsdirektor Heine, für „eine der besten Flächen, die wir überhaupt haben“.

Zum Auswahlprozess möglicher Vorranggebiete erläuterte er, dass die Flächen ausgewählt wurden, „wo am meisten Wind weht und es am wenigsten Konfliktpotenzial gibt“. Letzteres meint etwa den Artenschutz und Siedlungsabstände. Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben grenzte die Vorranggebiete so ein, dass Mindestabstände von 600 Metern zu einzelnen Wohngebäuden und 750 Metern zu Siedlungen eingehalten werden.

Welche Fragen hatten die Veranstaltungsbesucher?

Insgesamt wurden mehr als 20 Fragen gestellt. Sie drehten sich um den Schutz von Milanen, das Subventionswesen, Sorgen um das Versiegen einer Quelle, Bedenken zur Standortqualität, der Berechnung von CO₂-Einsparungen, der Integration von Naturschutzorganisationen bei Artenschutzgutachten oder auch um nötigen Ausgleich für die Natur. Ein Mann sprach den möglichen Wertverlust von Immobilien an, es gebe eine Studie, die von sieben bis 20 Prozent spreche. Es gebe dazu, so teilte Heine seine Recherchen, etwa acht Untersuchungen, nur eine ‐ und die werde als nicht seriös eingestuft ‐ habe eine Preissenkung dargestellt.

Wie endete der Abend?

Die Fragerunde sprengte den engen Zeitplan, den das Forum Energiedialog gesteckt hatte. Trotzdem ließ Moderatorin Christiane Freitag und Kollegin Sarah-Maria Schmitt zahlreiche weitere Fragen zu, bevor sie die große Diskussionsrunde schlossen und die Versammlungsbesucher einluden, weitere Fragen im Einzelgespräch mit den Vortragenden an den vier Themenständen in den jeweiligen Hallenecken zu besprechen. Ein Angebot, das ebenfalls noch genutzt wurde.

Im Gespräch mit Schwäbische.de zeigten sich zwei Besucher zufrieden mit dem Informationsabend, bei dem in den kritischen Nachfragen auch die Brisanz des Themas deutlich geworden sei. Er hoffe, so ein Besucher, dass in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung auf demselben guten Niveau weiter informiert werde.