StartseiteRegionalRegion AllgäuAmtzellBauernhof-Brand bei Amtzell: So verlief der dramatische Feuerwehreinsatz

Schwierige Brandbekämpfung

Bauernhof-Brand bei Amtzell: So verlief der dramatische Feuerwehreinsatz

Amtzell / Lesedauer: 4 min

Die Flammen waren weithin zu sehen, eine Scheune nicht mehr zu retten. Das Feuer sprang auch auf ein Wohnhaus über. Was das Löschen erschwerte und wie es Menschen und Tieren geht.
Veröffentlicht:03.11.2023, 18:00
Aktualisiert:04.11.2023, 12:22

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Auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Untermatzen bei Amtzell hat es am Freitagabend einen Großbrand gegeben. Eine große Scheune ging gegen 17 Uhr in Flammen auf.

Schnell griff das Feuer auf den Dachstuhl des benachbarten Wohnhauses über. Menschen und Tiere kamen zum Glück nicht zu Schaden. Die Löscharbeiten dauerten bis weit in die Nacht hinein.

Feuer von Wangen aus erkennbar

Weithin sichtbar waren die hohen Flammen, die in der Dunkelheit aus den brennenden, auf einem Hügel gelegenen Gebäuden schossen. Bis in die Wangener Kernstadt hinein und Richtung Leupolz waren sie zu erkennen und damit das äußere Zeichen für den Großeinsatz der Feuerwehr.

Auch vom Wangener Neubaugebiet Wittwais aus war der Brand bei Amtzell-Untermatzen in der Dämmerung zu sehen.
Auch vom Wangener Neubaugebiet Wittwais aus war der Brand bei Amtzell-Untermatzen in der Dämmerung zu sehen. (Foto: M. Wollny)

In der Abenddämmerung war zuerst das Ökonomiegebäude in Brand geraten. Darin befindliche Fahrzeuge und Futtervorräte, aber auch Gasflaschen gingen in den Flammen auf.

Als die Feuerwehr eintraf, hatte auch bereits das Dach des Wohnhauses Feuer gefangen, berichtet Kreisbrandmeister Oliver Surbeck. Es ist mit der Scheune baulich direkt verbunden.

150 Kühe und Kälber gerettet

Schnell erkannten die Feuerwehrleute, dass Letztere nicht mehr zu retten war. Ihr Hauptaugenmerk lag deshalb darauf, ein fast 100 Jahre altes Wohngebäude, ein angrenzendes Einfamilienhaus und einen großen Stall vor dem Brand zu bewahren.

125 Kühe und 25 Kälber geschah nichts, auch weil sich die Landwirte um das Vieh kümmerten, so Surbeck. Ebenfalls gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf das auf der anderen Hofseite stehende Einfamilienhaus zu verhindern.

Kein leichtes Unterfangen, denn nach Angaben des Kreisbrandmeisters war die Hitze so stark, dass die Markisen des Stalls schmolzen und ein Durchkommen auf dem Hofgelände kaum möglich war.

Deshalb konzentrierten sich die Löscharbeiten bald auf das große Wohngebäude des für das Allgäu typischen Bauernhofs. Von einer Drehleiter aus versprühten die Feuerwehrleute Wassernebel auf dem Dach.

In Untermatzen bei Amtzell brannte es am Freitagabend auf einem Bauernhof lichterloh. Eine Scheune brannte ab.
In Untermatzen bei Amtzell brannte es am Freitagabend auf einem Bauernhof lichterloh. Eine Scheune brannte ab. (Foto: Jan Peter Steppat)

Lange Zeit war dies die einzige Möglichkeit, das Haus zu retten, da sie ein Eindringen ins Innere wegen des komplett aus Holz bestehenden Treppenhauses zunächst abbrechen mussten. Nach rund zwei Stunden unternahm die Wehr einen zweiten Versuch und kam dieses Mal voran.

Versorgung mit Löschwasser klappt

Bei Löscheinsätzen auf dem Land ist die Löschwasserversorgung zuweilen nicht unproblematisch. In Untermatzen passte sie. Wasser kam aus einer am Hof gelegenen Zisterne sowie aus den Schläuchen zweier provisorisch gelegter Leitungen, eine vom Karbach her.

Die Arbeiten der Einsatzkräfte wurde unterstützt durch zwei Drohnen. Die Bilder liefern ihnen bei derlei Einsätzen wertvolle Informationen über die Lage, Schwerpunkte des Feuers und mögliche, sonst schwer erkennbare Glutnester.

Insgesamt waren am Freitagabend und in der Nacht 108 Einsatzkräfte vor Ort. Neben den Amtzeller und Wangener Wehren, dem Roten Kreuz und der Polizei zählten auch Teile der Ravensburger Feuerwehr dazu. Sie war mit einer weiteren Drehleiter angerückt, um das Feuer von zwei Seiten bekämpfen zu können. Auch Amtzells Bürgermeisterin Manuela Oswald machte sich ein Bild von der Lage.

Einsatzfahrzeug in Unfall verwickelt

Auf dem Weg zum Einsatz kam es zu einem Verkehrsunfall zwischen einem Feuerwehrfahrzeug und einem Pkw. Ein 21-Jähriger hatte dem mit Wegerechten fahrenden Feuerwehrfahrzeug – Blaulicht und Martinshorn waren ersten Erkenntnissen der Polizei nach eingeschaltet – den Weg nicht freigemacht und kollidierte mit seinem Hyundai mit dem LKW. Durch den Unfall entstand ein geschätzter Gesamtschaden von 10 000 Euro. Personen wurden nicht verletzt.

Schadenshöhe bislang nur geschätzt

Ob das historische Wohnhaus des Bauernhofs gerettet werden konnte, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Kreisbrandmeister Surbeck zeigte sich diesbezüglich aber optimistisch. Der Sachschaden ist dennoch immens: Mindestens der Dachstuhl des Gebäudes ist schwer beschädigt, die Scheune wurde gar komplett ein Raub der Flammen.

Zur Schadenshöhe gab es am Samstag eine Mitteilung der Polizei. Vorab wird dieser auf etwa 1 Million Euro geschätzt. Zur Brandursache gibt es auch einen Tag nach dem Feuer keine Informationen. Die Polizei ermittelt noch.