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Einsatz

Feuerwehr rettet Wohnhaus des brennenden Bauernhofs bei Amtzell

Amtzell / Lesedauer: 4 min

Der Kreisbrandmeister spricht von einer „starken Leistung“ der Feuerwehr. In die Quere kommt ihr aber der Unfall eines eigenen Fahrzeugs.
Veröffentlicht:05.11.2023, 14:45

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Der Großbrand auf einem Bauernhof in Untermatzen hat die Feuerwehr und weitere Einsatzkräfte lange in Atem gehalten. Inklusive aller Nachlösch- und Aufräumarbeiten konnten die letzten Floriansjünger erst am späten Samstagnachmittag den Ort des Geschehens verlassen.

Kreisbrandmeister Oliver Surbeck lobte am Sonntag deren Leistung: „Das war stark.“ Negativ ins Kontor fällt hingegen ein Verkehrsunfall. In den war ein Mannschaftstransportwagen nach Polizeiangaben unverschuldet verwickelt, als es am Freitagabend auf dem Weg zum brennenden Hof war.

In hundert Jahre altem Haus war viel Holz verbaut

Die Feuerwehren aus Amtzell, Wangen und Ravensburg standen vor eine heikle Aufgabe, als sie in Untermatzen eintrafen: Eine große Scheune stand seit etwa 17 Uhr komplett in Flammen, und die hatten sich bereits da in das Dach des direkt angrenzenden Wohnhauses eingefressen. 

Ich bin wirklich glücklich, dass das Wohngebäude gehalten werden konnte,

 sagt Oliver Surbeck in der Rückschau vor diesem Hintergrund.

Das sei eine längere Zeit alles andere als sicher gewesen. Nicht nur, weil das für das Allgäu typische Haus rund 100 Jahre auf dem Buckel hat, sondern vor allem, weil in ihm viel Holz verarbeitet ist. Inklusive des Treppenhauses ‐ weswegen die Feuerwehrleute Probleme hatten, in das Innere des Gebäudes vorzudringen.

Scheune war nicht mehr zu retten

Auch wenn schnell klar war, dass die große, mit dem Wohnhaus baulich verbundene Scheune nicht zu retten war, sei sie am Abend und in der Nacht ebenfalls „großes Thema“ gewesen, so der Kreisbrandmeister.

Die Amtzeller Wehr habe 40 Wagenladungen Material in der Größenordnung landwirtschaftlicher Anhänger rausgeholt. Das sei nötig gewesen, um in der Scheune gelagerte Maschinen, Traktoren, Autos und Futtervorräte ablöschen zu können. Im Innern wäre das nicht möglich gewesen, Surbeck spricht in diesem Zusammenhang von einer „großen Brandlast“.

Froh ist er natürlich auch, das weder Mensch noch Tier Schaden nahmen und die Flammen weder auf ein benachbartes Einfamilienhaus noch auf den hinter dem Brandherd gelegenen Stall übergriff, aus dem 125 Milchkühe und 25 Kälber gerettet werden mussten.

Ein bizzar erscheinendes Bild: Friedlichkeit strahlen die Spielgeräte für Kinder im Vordergrund aus, während im Hintergrund die Flammen die große Scheune des Bauernhofs in Untermatzen komplett verwüsten.
Ein bizzar erscheinendes Bild: Friedlichkeit strahlen die Spielgeräte für Kinder im Vordergrund aus, während im Hintergrund die Flammen die große Scheune des Bauernhofs in Untermatzen komplett verwüsten. (Foto: Steppat)

Junger Autofahrer missachtet Blaulicht und Martinshorn

Gleichwohl klagten einige Feuerwehrleute über Kreislaufprobleme und kleine Blessuren wie wunde Fersen. Ein Zeichen, dass die Bekämpfung des Großbrands kraftraubend war. Zudem musste ein Floriansjünger vom Rettungsdienst versorgt werden.

Er gehörte zu einem Mannschaftstransportwagen der Amtzeller Feuerwehr, der bei der Fahrt nach Untermatzen in einen Verkehrsunfall verwickelt war ‐ ein Ereignis, dass bei Großeinsätzen dieser Art natürlich alles andere als gelegen kommt.

Laut Polizei waren die Feuerwehrleute mit ungeschaltetem Blaulicht und Martinshorn um 17.15 Uhr in Amtzell auf der Ravensburger Straße in Richtung B32 unterwegs, als ein 21-Jähriger Hyundai-Fahrer an der Einmündung zur Bundesstraße das blaue Blinklicht und die Sirenengeräusche missachtete und dem LKW keine freie Fahrt gewährte.

Zu allem Überfluss richtete der Mann bei der Kollision einen Sachschaden von etwa 10.000 Euro an. Ergo fiel die Besatzung des Mannschaftstransportwagens zu einem Zeitpunkt aus, als die Löscharbeiten gerade erst begannen und die Lage auf dem Hof buchstäblich am brenzligsten war.

Weitere Brandherde im Zaum gehalten

Trotz des Unfalls und der zunächst unkontrolliert lodernden Flammen hatte Oliver Surbeck gegen 19 Uhr erstmals die Hoffnung, dass das Wohngebäude des brennenden Anwesens „gehalten“ werden kann, es also nicht auch noch abbrennt

. Allerdings brauchte es weiterhin viel Mühe und Geduld, bis die Lage wirklich im Griff war. Laut Bericht der Polizei dauerte die Bekämpfung des Brandes bis weit nach Mitternacht und wurde am Samstagmorgen fortgesetzt. Dabei galt es, das Ausbrechen weiterer Brandherde zu verhindern.

Den entstandenen Sachschaden bezifferten die Beamten am Samstagvormittag auf rund eine Million Euro. Zur Brandursache machten sie noch keine Angaben: Die Ermittlungen dauerten an.

Das Großfeuer beschäftigte insgesamt 108 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Amtzell, Wangen und Ravensburg, vom Deutschen Roten Kreuz und von der Polizei. Oliver Surbeck berichtet ferner, das Amtzells Bürgermeisterin Manuela Oswald am Freitagabend und am Samstag insgesamt dreimal in Untermatzen vor Ort war: „Das sieht man selten.“