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Verflixtes erstes Jahr: Aitracherin schreibt Ratgeber für junge Paare

Aitrach / Lesedauer: 5 min

Carolyn Litzbarski ist Beziehungsexpertin. Im Gespräch mit ihr geht es um die Generationen Y und Z und warum diese oft Probleme haben, eine feste Beziehung einzugehen.
Veröffentlicht:14.04.2023, 15:00

Von:
  • Steffen Lang
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Was tun, wenn die Schmetterlinge im Bauch nicht mehr fliegen, wenn der Alltag in die noch frische Beziehung Einzug hält? Die in Aitrach aufgewachsene Sozialpädagogin Carolyn Litzbarski betreibt bei München eine Online-Beziehungspraxis.

Nun hat sie einen Ratgeber als, wie sie es nennt „Wegbegleiter durch die Stolperfallen und Meilensteine auf der Beziehungsreise“ für die Generationen Y und Z veröffentlicht. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ geht es um die vermeintlich heile Welt in den sozialen Medien und ihre Versuchungen, um das verflixte erste Jahr, gemeinsame Hobbys und den Vorteil einer Online–Praxis.

Frau Litzbarski, wo liegen denn die größten Stolperfallen einer jungen Beziehung für die Generationen Y und Z, also die Jahrgänge seit 1985?

Carolyn Litzbarski: Es gibt heutzutage durch das Internet für die Jüngeren einfach viel mehr Möglichkeiten, ihr eigenes Leben zu leben und andere Singles kennenzulernen. Feste Beziehungen erscheinen ihnen dadurch kompliziert, viele wollen sich damit nicht beschäftigen. Man bevorzugt die klassische Unverbindlichkeit und das oberflächliche Dating.

Aber wenn man auf Instagram und Co. schaut, sieht man doch ganz viele offenbar sehr glückliche Paare? Wäre das nicht Motivation für eine eigene feste Beziehung?

Ja, aber das ist auch das Problem. Denn oft wird da ja nur eine heile Welt gepostet, die es in Wirklichkeit so gar nicht gibt. Viele Jüngere orientieren sich aber leider daran und sind dann nicht bereit, in ihrer Beziehung auch mal etwas auszuhalten und konstruktiv an Konflikten zu arbeiten.

Haben Sie das auch selbst an sich erlebt?

Es ist tatsächlich so, dass ich einiges, was ich in meinem Buch beschreibe, selbst durchgemacht habe. Auch ich war Anfang meiner 20er beziehungsunfähig, wollte nicht an mir arbeiten und lebte nach dem Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“.

Ohne zu viel aus Ihrem Buch zu verraten: Was ist denn der häufigste Fehler, der in einer frischen Beziehung gemacht wird?

Man zieht zusammen und stellt fest, dass der Alltag nicht so toll und eher unromantisch ist.

Dann darf man nicht ständig darauf schauen, was mich am anderen stört, sondern sollte sich immer wieder mal fragen: Was finde ich an ihm toll?

Sozialpädagogin Carolyn Litzbarski

 Dazu muss man bereit sein, aktiv zu werden.

Es ist immer die Rede vom „verflixten siebten Jahr“. Wenn man Ihnen zuhört, scheint das erste viel schwieriger zu sein?

Ja, das erste ist viel kritischer. Das Trennungsrisiko liegt laut Erhebungen da bei 60 Prozent. Wer diese Zeit schafft, hat also schon viel gewonnen. Daher spreche ich mit meinem Buch auch speziell diese Paare an.

Viele Paare schwören aufs gemeinsame Hobby. Ist das tatsächlich so wichtig oder ist es auch in Ordnung, wenn jeder etwas Eigenes hat?

Sich etwas Eigenes zu bewahren, ist wichtig. Keiner soll sich aufgeben müssen, auch Paare müssen nicht alles miteinander machen. Aber es sollte natürlich auch verbindende Elemente geben. Das muss kein Hobby im klassischen Sinne sein, das können zum Beispiel das zusammen Kochen oder die gemeinsamen Spaziergänge sein.

Sie betreiben eine Online–Beziehungspraxis. Ist so etwas übers Internet überhaupt möglich und nicht viel zu anonym?

Tatsächlich habe ich mit Präsenzberatung begonnen, musste dann aber wegen Corona ganz bald auf Online ausweichen. Und ich habe dabei festgestellt, dass das Vorteile hat. Zum ersten entspricht es vor allem bei den jüngeren Menschen eher dem Zeitgeist. Zum zweiten ist die Zielgruppe größer, weil sie sich ja überall in der Welt aufhalten kann. Und zum dritten nehmen meine Kunden den Onlineraum als vertraulicher wahr. Die Hemmschwelle ist auch kleiner, weil man nicht in ein Haus hineinmuss — und dabei gesehen werden könnte –, an dessen Eingang das Schild „Paartherapie“ oder so etwas steht.

Wenden sich eher Paare oder Einzelpersonen an Sie?

In der Mehrzahl Einzelpersonen. Und zwar die Frauen. Sie sehen die Probleme in Ihrer Beziehung meist viel eher als die Männer.

Kommen die Menschen denn auch rechtzeitig oder erst, wenn das sprichwörtliche Kind schon im Brunnen liegt?

Da sprechen Sie ein echtes Problem an. Viele kommen spät, sehr spät. Sie warten fünf, sechs Jahre oder die dritte Partnerschaft, die ach kurzer Zeit zu Ende ist, ab, bis sie sich Unterstützung holen. Dabei wäre es doch viel besser, wenn sie eine schöne Beziehung haben und sich Rat holen, wie diese noch schöner wird.

Zur Person

Carolyn Litzbarski ist Jahrgang 1990. Sie wuchs in Aitrach auf, besuchte dort die Grundschule, später das Gymnasium Salvatorkolleg in Bad Wurzach. Nach dem Abitur 2009 studierte sie Soziale Arbeit in Stuttgart und Sozialmanagement in München. Seit Anfang 2020 ist im Bereich Coaching, Beratung und Training selbstständig und führt eine Online–Beziehungspraxis. Seit sechs Jahren ist sie in einer festen Beziehung. Sie wohnt in Kirchheim bei München. Im März erschien ihr Buch „Beziehung kann ich doch“ bei Book on Demand, 244 Seiten. ISBN–13: 9783757804572