Warnung vor belasteter Babynahrung: "Das ist vollkommen unverantwortlich!"

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In Deutschland und Österreich sind die Nestlé-Produkte Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an und Beba Optipro 1, 800 g, von
In Deutschland und Österreich sind die Nestlé-Produkte "Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an" und "Beba Optipro 1, 800 g, von Geburt an" betroffen sowie die in Apotheken in Deutschland erhältliche "Novalac Säuglingsmilchnahrung Pre, 400g". (Foto: foodwatch)
Schwäbische Zeitung

Säuglingsmilch-Produkte von Nestlé und Novalac sind mit gesundheitsgefährdendem Mineralöl belastet. Das belegen unabhängige Laboranalysen, die die Verbraucherorganisation foodwatch am Donnerstag veröffentlicht hat.

In Deutschland und Österreich sind die Nestlé-Produkte "Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an" und "Beba Optipro 1, 800 g, von Geburt an" betroffen sowie die in Apotheken in Deutschland erhältliche "Novalac Säuglingsmilchnahrung Pre, 400g".

Bei den Labortests wurden in dem Milchpulver sogenannte aromatische Mineralölbestandteile nachgewiesen, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen. 

Aromatische Mineralölbestandteile haben in Lebensmitteln nichts zu suchen - schon gar nicht in Produkten für Säuglinge.

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch-Deutschland

foodwatch forderte Nestlé und Novalac auf, die belasteten Produkte sofort zurückzurufen und die Eltern vor dem Gebrauch der Produkte zu warnen.

foodwatch hat einen Online-Appell gestartet, mit dem Verbraucherinnen und Verbraucher diese Forderung unterstützen können.

Zudem forderte foodwatch Handelsketten und Apotheken auf, den Verkauf der Produkte zu stoppen.

"Aromatische Mineralölbestandteile haben in Lebensmitteln nichts zu suchen - schon gar nicht in Produkten für Säuglinge. Gerade bei Lebensmitteln für Neugeborene müssen sich die Eltern absolut darauf verlassen können, dass die Produkte gesundheitlich unbedenklich sind", erklärte Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch-Deutschland.

"Jeder weitere Tag, an dem Hersteller wie Nestlé ihre mit krebsverdächtigen Mineralölen verunreinigte Babymilch in den Verkaufsregalen stehen lassen, erhöht das Risiko für Neugeborene - das ist vollkommen unverantwortlich. Die Produkte müssen sofort und überall aus dem Verkauf genommen werden."

Unabhängige Ergebnis von drei zertifizierte Laboren

Im Auftrag von foodwatch hatten drei zertifizierte Labore unabhängig voneinander und mit unterschiedlichen Analysemethoden Babymilch auf Mineralöle untersucht. Von vier in Deutschland eingekauften Produkten waren drei mit krebsverdächtigen aromatischen Mineralölbestandteilen (MOAH) verunreinigt.

Nur in einem Produkt - der Nestlé-Säuglingsmilch "Beba Optipro 3, 800g, ab dem 10. Monat" - waren keine MOAH-Rückstände nachweisbar.

Die Analysen zeigten, dass es sich um ungereinigte Mineralöl-Bestandteile handelt. Nach Einschätzung von foodwatchkönnten sie von den als Verpackung verwendeten Weißblechdosen auf die Produkte übergegangen sein. Bei deren Produktion werden so genannte Walz- und Schneidöle verwendet.

Die Verbraucherorganisation riet Eltern daher, ihren Kindern vorsorglich keine Säuglingsmilch aus Weißblechdosen mehr zu füttern, bis die Hersteller belegen können, dass die Produkte unbelastet sind.

Mineralöle sind die größte Verunreinigung im menschlichen Körper

foodwatch hatte die getesteten Chargen Ende Juli und Anfang August 2019 eingekauft. Nachdem ein erster Labortest vorlag, beauftragte die Organisation nicht nur eine wiederholte Analyse im selben Labor, sondern zudem auch zwei weitere Laboratorien, um die Befunde zu überprüfen. Die nun vorliegenden Ergebnisse wurden gemeinsam mit Experten analysiert.

Neben den vier Produkten aus dem Handel in Deutschland und Österreich hatte foodwatch zwölf weitere Babymilch-Produkte aus Frankreich und den Niederlanden untersuchen lassen. Hier wurden in fünf Fällen aromatische Mineralöle gefunden, unter anderem in Produkten von Danone und Nestlé (in Frankreich) und Hero Baby (in den Niederlanden).

Mineralöle sind die größte Verunreinigung im menschlichen Körper. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA beschreibt besonders die "aromatischen Mineralöle" (MOAH) als potenziell krebserregend und erbgutschädigend - weshalb solche Rückstände selbst in kleinsten Mengen nicht in Lebensmitteln enthalten sein sollten.

Keine gesetzlichen Grenzwerte

Neben Maschinen bei Ernte und Verarbeitung kann auch die Verpackung der Grund für die Mineralöl-Verunreinigung sein. So enthalten zum Beispiel Verpackungen aus Altpapier oft Mineralöle aus Druckfarben, die auf Lebensmittel übergehen können.

Bereits 2015 hatte foodwatch in einem internationalen Labortest 120 Lebensmittel wie Nudeln, Reis oder Cornflakes untersuchen lassen - 43 Prozent der Produkte enthielten aromatische Mineralöle.

Obwohl die Gesundheitsgefahren durch Mineralölverunreinigungen in Lebensmitteln seit Jahren bekannt sind, gibt es bisher nicht einmal gesetzliche Grenzwerte. 

foodwatch fordert sichere Grenzwerte für Mineralöle in Lebensmitteln - bei den besonders kritischen aromatischen Mineralölen (MOAH) muss eine Null-Toleranz gelten.

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