Kleinerer Magen – kleinere Mengen

Adipositaschirurgie im Klinikum Friedrichshafen bietet individuelle Methoden

Wer hat nicht mindestens schon mal „reingespickelt“ in TV-Formate wie „Biggest Loser“ und gestaunt, wie viel Kilos der eine oder die andere dort am Start auf die Waage bringt und dann trotz aller Anstrengungen doch nicht loswird. So ähnlich ging es auch einem Patienten von Dr. Stefan Tange, der seit rund zehn Jahren die Sektion Adipositaschirurgie im Klinikum Friedrichshafen leitet. Seit der „Schlauchmagen“-Operation des Patienten im Februar 2021 hat dieser satte 45 Kilogramm verloren. Ein anderer Patient, berichtet Dr. Tange, ist seit seiner Schlauchmagen-OP sogar um 80 Kilogramm erleichtert und so fit, dass er, um dessen Leben seine behandelnden Ärzte ernsthaft bangten, mit seinem Rad die Alpen überquert und 50-Kilomter-Tagestouren absolviert.

Der erfahrene Adipositas-Chirurg Dr. Stefan Tange wendet Patienten-individuell verschiedene Methoden – im Fall der beiden Männer war es eben die Bildung eines Schlauchmagens zur Verkleinerung des Magenvolumens. Bei dieser minimalinvasiven Operation werden 90 Prozent des großen gewölbten Magenteils (Fundus und Korpus) entfernt, so dass ein schlauchförmiger voll funktionsfähiger Restmagen übrigbleibt. Der so verkleinerte Magen kann nur sehr geringe Nahrungsmengen aufnehmen, die Sättigung tritt rascher ein und das führt zu einem angestrebten und oft gesundheitsfördernden Gewichtsverlust. „In den ersten beiden Jahren nach dem Eingriff verlieren die Patienten zwischen 60 und 70 Prozent ihres Übergewichts“, so Dr. Tange.

Eine andere Methode, die beispielsweise bei einer schwer an Diabetes Typ II Erkrankten durch Dr. Tange angewendet wurde, ist der One Anastomosis Gastric Bypass (AGB-MGB, Mini Gastric Bypass) -  hierbei handelt es sich um ein kombiniertes Verfahren, bei dem der Dünndarm seitlich mit einem langen Magenpouch durch nur eine Naht (Anastomose) so verbunden wird, dass, abhängig vom BMI, zwischen zwei und zweieinhalb Meter Dünndarm aus der Verdauung ausgeschaltet sind. Dieses Verfahren ist sogar bei Super-Adipositas (BMI ≥ 50) problemlos anzuwenden. „Eine Patientin braucht heuer nur noch 60 Insulineinheiten und keine 120 mehr“, rückt Dr. Tange einen weiteren und die Lebensqualität positiv beeinflussenden Aspekt in den Fokus.

Yvonne Frank ist dem Adipositaschirurgen Dr. Stefan Tange mehr als dankbar, ihr Leben 2.0 begann nach der OP. (Foto: MCB)

Yvonne Frank ist eine dieser Patienten von Dr. Tange – die 37-jährige Ulmerin hat seit ihrer Operation 35 Kilogramm verloren und sie braucht seit dem OP-Tag gar kein Insulin mehr, berichtete sie beim Treffen im Klinikum Friedrichshafen. 144 und ein halbes Kilo war das Höchstgewicht der 157 Zentimeter großen Frau mit der spät entdeckten Schilddrüsenunterfunktion, die nach 20 Jahren das Rauchen aufgab, weil sie sich ein Kind wünschte und dann in der frühen Schwangerschaft einen schweren Diabetes entwickelte. „Das war eine sehr belastende Zeit“, erinnert sie sich zurück. Trotz Ernährungsumstellung nahm sie nicht ab und sagt: „Insulin ist Schweinemastmittel, da ist es verdammt schwer, abzunehmen“. Ihr Leidensdruck wuchs, zumal sie auch nicht viel mit ihrer kleinen Tochter unternehmen konnte. Irgendwann hat sie dann einen Termin bei Dr. Tange gemacht und fühlte sich von Anfang an gut aufgehoben, da „Dr. Tange zuhörte und ich für ihn nicht einfach „eine Patientin“ bin. Er kennt meine Geschichte“, auch deswegen kommt Yvonne Frank zu den Nachsorgeterminen nach Friedrichshafen. Noch vor einem Jahr hätte sie sich nicht vorstellen können, dass sie ein Sättigungsgefühl hat, auch wenn sie Mahlzeiten von maximal 180 bis 200 Gramm zu sich nimmt. „Mehr kann mein Magen nicht aufnehmen und so purzeln die Pfunde“, erzählt sie und freut sich auf ihre Tochter, mit der sie jetzt Fangen oder auf dem Spielplatz spielen kann. Sie nennt es auch ihr Leben 2.0.      

Der Weg zu einem Adipositas-chirurgischen Eingriff ist lang, „es sei denn der Patient hat einen BMI von mehr als 50 oder ist eben Diabetiker“, weiß der 53-jährige Chirurg, der in München geboren ist, an der Uni-Klinik Regensburg gearbeitet hat und seit 2006 im Klinikum Friedrichshafen tätig ist. Stark Übergewichtige müssen erst auf konservativem Weg versucht haben, ihren BMI zu senken und wenn das nicht nachhaltig gelang, müssen sie von vier verschiedenen Fachärzten (Kardiologie, Pneumologie, Psychiatrie und Endokrinologie) entsprechende Atteste haben, um auf Kosten der Krankenkasse operiert zu werden.   

Die Sektion Adipositaschirurgie ist Herzstück des Adipositaszentrums des Medizin Campus Bodensee (MCB), zu diesem gehört auch das Programm „Optifast“, das eine Möglichkeit zur professionell begleiteten und dauerhaften Gewichtsreduktion anbietet. Den meisten Patienten empfiehlt Dr. Tange, die Wartezeit bis zur OP für eine solche Ernährungsberatung zu nutzen. 

Weitere Informationen finden sich auf der MCB-Website
www.medizin-campus-bodensee.de

„Perlenkette“ verhindert Sodbrennen

Im Refluxzentrum Friedrichshafen wird unter anderem mit dem LINX-System therapiert

Sabine R. fährt Linienbusse, seit mehr als 30 Jahren. Ihre gesundheitlichen Beschwerden führte sie auf den Stress im Beruf zurück und zog auch deshalb mit ihrer Familie von Berlin nach Konstanz. Hier war der berufliche Stress geringer, aber die gesundheitlichen Probleme und Symptome blieben. Sie schränkten ihr Leben ein und einiges um, doch die Beschwerden blieben… bis endlich feststand, dass ihre Probleme von einem „stillen Reflux“ herrühren.

„Reflux“ ist einfach erklärt: Der Speisebrei fließt samt aggressiver Magensäure aus dem Magen in die Speiseröhre zurück, weil der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen geschwächt ist (oder auch gar nicht mehr funktioniert) und die Magensäure rückwärts in die Speiseröhre fließt. Das Problem daran: Die Schleimhaut der Speiseröhre ist nicht vor der Magensäure geschützt; Schmerzen und Entzündungen bis hin zum seltenen Ereignis einer Krebserkrankung sind die Folge. Der „stiller Reflux“ gibt sich dagegen nicht durch klassisches Sodbrennen zu erkennen. Zwar ist die Grundproblematik dieselbe und auch die üblichen Entzündungen sowie Schädigungen bilden sich aus, doch empfindet der Betroffene keinerlei Schmerzen hinter dem Brustbein.

Priv.-Doz. Dr. Thorsten Lehmann (Foto: MCB)

Sabine R. war ständig heiser, musste sich übergeben, hatte kaum Appetit, verlor an Gewicht und Zuversicht… Der Leidensdruck war groß und so machte sie sich auf nach „Übersee“, ins Refluxzetrum am Klinikum Friedrichshafen und zu Priv.-Doz. Dr. Thorsten Lehmann, wo der Reflux neben anderen Operationsmethoden auch mit dem LINX-Reflux-Management-System behandelt wird, wenn Medikamente nicht mehr helfen oder aber zu viele Nebenwirkungen auftreten.

Priv.-Doz. Dr. med. Thorsten Lehmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie Leiter des Refluxzentrums am Medizin Campus Bodensee, erklärt: „Die Therapie zielt darauf ab, den sauren Rückfluss in die Speiseröhre zu verhindern, wenn die Säureproduktion medikamentös nicht mehr gehemmt werden kann“. Das LINX-Reflux-Management-System kann sich als eine kleine flexible Perlenkette vorstellen, die um den magennahen Anteil der Speiseröhre gelegt wird und dort dauerhaft bleiben kann. Da diese Titan-„Perlen“ magnetisch sind, ziehen sie sich gegenseitig an und sorgen so ganz sanft dafür, dass der Speiseröhren-Schließmuskel, also das Ventil, geschlossen gehalten und der Reflux verhindert wird. Beim Schlucken hingegen erweitert sich die Kette und der Weg der Speisen in den Magen ist frei.

(Foto: Johnson & Johnson)

Der Implantation, so Priv.-Doz. Dr. Lehmann, erfolgt unter Vollnarkose und minimalinvasiv, die Bauchdecke muss in der Regel nicht geöffnet werden. Anschließend funktioniert das LINX-System sofort. Und im Unterschied zu herkömmlichen Verfahren, bleibt der Magen des Patienten anatomisch unverändert. Da nicht jeder Patient für das LINX-System geeignet ist, werden alle Patienten vor einer Operation umfangreich untersucht, um ganz individuell das beste und sinnvollste Operationsverfahren mit höchsten Heilungschancen in Verbindung mit einer auszeichneten Lebensqualität durchführen zu können. Diese aufwändigen Voruntersuchungen werden vom Team des Refluxzentrums quasi „aus einer Hand“ vorgenommen. Das MCB-Refluxzentrum zählt zu den fünf größten Einrichtungen Deutschlands für dieses Krankheitsbild. In den vergangenen 15 Jahren wurden mehr als 2000 Patienten behandelt, wöchentlich werden mehrere reflux-chirurgische Eingriffe durchgeführt und in Friedrichshafen werden alle weltweit etablierten Operationsverfahren angewendet. Besonders anspruchsvolle reflux-chirurgische Eingriffe erfolgen mit höchster Präzision unter Verwendung des da-Vinci-OP-Roboters.

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Hohe Expertise bescheinigt

Endoprothetikzentrum der Klinik Tettnang nimmt erfolgreich Zertifizierungshürde

Das Endoprothetikzentrum der Klinik Tettnang hat auf Anhieb die Zertifizierungshürde der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (Endocert) genommen: Das gesamte Team überzeugte beim Audit, das kurz vor dem Chefarztwechsel in der Klinik für Unfallchirurgie, orthopädische Chirurgie und Endoprothetik stattfand. „Wir sind stolz und froh, dass unsere Arbeit in diesem Zentrum von den externen Auditoren positiv beurteilt wurde“, freut sich Chefarzt Dr. Christian Grasselli. Experten überprüften den gesamten Ablauf bei der Implantation von Hüft- und Knieprothesen. Von der detaillierten Prothesenplanung vor der Operation, einer perfekten Operationsabwicklung, über patientenbezogene interdisziplinäre Besprechungen bis hin zur akribischen Dokumentation einer individuellen Therapie.

Georg Eisele hat sich ganz bewusst für die Klinik Tettnang entschieden, als kein Weg mehr an einem künstlichen Kniegelenk vorbei führte – jetzt kann er wieder Rad fahren, im Garten arbeiten oder auch mal ein Päuschen machen. (Foto: MCB)

Nun hat Tettnang also nicht nur einen neuen OP, der seit Jahresbeginn vollumfänglich genutzt werden kann, sondern auch wieder ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum (EPZ). 

Mit dem Alter steigt das Risiko, dass Gelenke verschleißen, denn die schützende Knorpelschicht schwindet. Mit richtiger und regelmäßiger Bewegung kann man aber den Verlauf der Arthrose verzögern. Ist der Knorpel jedoch irgendwann aufgebraucht, reiben die Knochen direkt aneinander und verursachen zunehmende Schmerzen. Deformitäten von Hüftgelenk und Kniegelenk sind die Folge, die Schmerzen lassen die Lebensqualität sinken, wenn konservative Behandlungen nicht mehr greifen.

Künstliche Hüft- und Kniegelenke verbessern die Lebensqualität der Patienten deutlich. Die große Mehrzahl der Operierten kann nach einer Genesungsphase wieder schmerzfrei gehen und sogar wieder Sport treiben. Viele Patienten suchen für Eingriffe an Knie oder Hüfte die „richtige“ Klinik, eine Hilfe dabei bietet das Zertifizierungssystem Endocert – es stellt hohe Anforderungen an Kliniken: So müssen diese Statistiken über klinische Parameter als auch Komplikationen führen und regelmäßig reflektieren. Und Chirurgen dürfen in zertifizierten Kliniken nur dann Prothesen eigenverantwortlich implantieren, wenn ein Richtwert an Operationszahlen erreicht ist und sie regelmäßig an zertifizierten Fortbildungen im Bereich Endoprothetik teilnehmen. Somit wird eine hohe Expertise sichergestellt, die wiederum den Patienten zu Gute kommt.

Sie stehen für das Endoprothetikzentrum Tettnang: Oberarzt Dr. Siegfried Locher, Chefarzt Dr. Christian Grasselli und Oberarzt Dr. Norbert Heuer. (Foto: MCB)

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Elf Jahre Da-Vinci-Zentrum

Hunderte erfolgreiche roboter-gestützte Operationen im Klinikum Friedrichshafen

Im „Da-Vinci-Zentrum“ des Klinikums Friedrichshafen wird seit 2010 roboterassistiert operiert. Den „Da Vinci“-OP-Roboter nutzt die Klinik für Urologie, ebenso wie die Klinik für Gynäkologie oder die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Wurden anfangs etwa 100 Patienten mit dem Da-Vinci operiert, waren es in den Jahren 2018/2019 jeweils rund 230 und 2020, unter Corona-Bedingungen, 195 Eingriffe.

Aus Sicht der Operateure liegen die Vorteile der roboter-assistierten Chirurgie ganz klar auf Seiten der Patienten: Sie sind viel schneller wieder auf den Beinen, als nach einem herkömmlichen minimal-invasiven Eingriff. Der Operateur steuert mit dem hochmodernen Gerät millimetergenau die vollbeweglichen Greifarme und kann auf gestochen scharfe 3-D-Bilder in zwölffacher Vergrößerung zurückgreifen.

Dr. Hans-Walter Vollert, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, und Oberarzt Dr. Alexandru Armion nutzen den Da-Vinci-OP-Roboter beispielsweise der Behandlung von Endometriosen oder Uterusfehlbildungen.

Das roboter-assistierte OP-Spektrum in der Urologie geht weit über Eingriffe an der Prostata hinaus und wird von Dr. Carsten Sippel und Dr. Tillmann Pfaff so umschrieben: Nierenbeckenplastiken, Entfernung von Harnleiterengen und –tumoren, Nierentumoren und –steinen, Neueinpflanzung des Harnleiters, Harnblasenkrebs-Eingriffe.

 Dr. Hans-Walter Vollert, Priv.-Doz. Dr. ThorstenLehmann und Dr. Carsten Sippel
Die Da-Vinci-Operateure des Klinikum Friedrichshafen Dr. Hans-Walter Vollert, Priv.-Doz. Dr. Thorsten Lehmann und Dr. Carsten Sippel (von links). (Foto: MCB)

Priv.-Doz. Dr. Thorsten Lehmann setzt im zertifizierten Darmzentrum ebenfalls auf die roboter-assistierte Chirurgie.   „Das Gerät ist nur so gut wie der Operateur“, fasste einer seiner Patienten zusammen.

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