Kinder- und Jugend-Training in der Hitze? Das muss man beim Sport jetzt beachten

Digital-Redakteurin
Crossmedia-Volontär

Der Sommer in Deutschland ist in diesem Jahr wieder extrem heiß, die hohen Temperaturen lassen uns schwitzen, besonders wenn wir an heißen Tagen noch Sport treiben. Doch Radfahren, Fußball- und Tennisspielen, Joggen oder Schwimmen können bei der Hitze auch gefährlich sein.

Denn im Sommer sind nicht nur die Temperaturen hoch, auch die Sonneneinstrahlung ist stärker und der Ozongehalt in der Luft, der bei Hitze oft höher ist, kann den Sportlern zu schaffen machen.

„Die Spitzen-Ozonwerte gehen seit einigen Jahren zurück, während die 8-Stundengrenzwerte häufiger überschritten werden“, sagt Andreas Nieß, ärztlicher Direktor der Abteilung Sportmedizin am Universitätsklinikum Tübingen.

Mehrere Faktoren beeinflussen Gesundheit

Bei einem erhöhten Atemvolumen, wie eben bei körperlicher Anstrengung, kann Ozon tief in das Lungengewebe vordringen, dort das Gewebe schädigen und Entzündungen hervorrufen.  

Aber prinzipiell könne man das Ozon nicht allein sehen, wenn man Sport im Freien betreibt, erklärt Nieß. „Es kommt schon auch auf die Summe der äußeren gesundheitsgefährdenden Faktoren an“, sagt er.

Aber was passiert im Körper eigentlich, wenn ich Sport treibe?

Bei Bewegung produzieren unsere Muskeln Wärme und der Körper erwärmt sich. „Damit der Mensch nicht überhitzt, gibt der Körper diese Wärme nach außen hin ab. Über die Haut wird letztlich die Wärme über die Verdunstung von Schweiß abgegeben“, erklärt Nieß.  

Das Problem: Je höher die Umgebungstemperatur, desto schwieriger ist es für den Körper, die Wärme über die Haut abzugeben. Wenn dann noch eine hohe Luftfeuchtigkeit besteht, wird es noch schwieriger, da dann die Wärmeabgabe übers Schwitzen nicht mehr richtig funktioniert.

Die Folge: Der Körper ist mit der Hitze überfordert und die Körpertemperatur steigt kontinuierlich an.

Das Erste, was man merkt, ist ein gewisses Unwohlsein, die Leistung geht zurück. „Wenn man dann aber die Belastung aufrechterhält, dann bewegt man sich in Richtung Hitzschlag. Symptome wie Übelkeit, Brechzeit, Kreislaufschwäche und Kollaps können folgen. Im Extremfall kann ein Hitzschlag sogar tödlich verlaufen“, sagt der Sportmediziner.

Gefahren auch bei Kindern und Jugendlichen

Gerade wenn Kindern und Jugendliche Sport treiben, sollten Eltern, Trainer und Betreuer besonders aufpassen. Zwar seien Kinder nicht grundsätzlich anfälliger für die Hitze, „aber sie haben eine andere Physiologie. Sie schwitzen weniger vor der Pubertät. Deswegen können sie noch nicht so gut Wärme über die Haut nach draußen abgeben“, erklärt Andreas Nieß. Allerdings produzieren Kinder auch weniger muskuläre Wärme, weil die Muskelmasse bei einem Kind geringer sei.

Wir haben das Problem heutzutage, dass sich die Fitness der Kinder reduziert hat. 

Andreas Nieß

Trotzdem: Kinder sollten unter diesen Bedingungen nur gewohnte Belastungen absolvieren. „Wir haben nun mal das Problem heutzutage, dass die sich Fitness der Kinder reduziert hat. Deswegen sollten Kinder in Vereinen oder Ferienlagern jetzt nicht mitten am Tag in der prallen Sonne Sport treiben“, sagt der Sportmediziner.

So handeln Vereine in der Region

Die Vereine in der Region achten darauf, auch wenn das Training im Kinder- und Jugendbereich größtenteils weiterläuft. Bei der Leichtathletik-Abteilung TG Biberach beginnt das Training für die Kinder zu den üblichen Zeiten, allerdings sind die immer erst abends.

„Bei der Hitze passen wir das Training an, wir trainieren möglichst im Schatten und achten darauf, dass ausreichend getrunken wird. Auch die Intensität wird den Bedingungen angepasst“, sagt Sigrid Barlak vom TG Biberach. Es werde eher Techniktraining durchgeführt, kurze Läufe oder Krafttraining. „Ausdauer oder Sprintausdauer nicht.“ Außerdem habe die Kindergruppe bis 11 Jahre in den Ferien sowieso kein Training.

Angepasste Trainingseinheiten

Auch beim Fußballverein FV Ravensburg haben in den ersten beiden Augustwochen die Kinder- und Jugendmannschaften trainingsfrei. Man habe in den vergangenen Wochen schon mehr Trinkpausen eingeführt und die Intensität heruntergefahren, wie Fabian Hummel vom FV Ravensburg bestätigt. „Der Fokus geht mehr auf technische Elemente“, sagt er.

Beim Deutschen Alpenverein gibt es „von übergeordneter Seite keine speziellen Vorkehrungen oder Regelungen, wie mit hohen Temperaturen umgegangen wird. Dafür sind die unterschiedlichen Trainingsbedingungen einfach zu individuell“, sagt Markus Grübl von der Bundesgeschäftsstelle des DAV.  Die Trainer der einzelnen Sektionen würden vor Ort entscheiden, ob es für ein Klettertraining oder eine Wanderung zu heiß ist.

Gerade Radsportler müssen bei hohen Temperaturen, durch die sich der Asphalt auch noch stark aufheizt, leidensfähig sein. Der RSV Seerose Friedrichshafen lässt sein Training im Kinder- und Jugendbereich derzeit normal weiterlaufen. Die Leiter könnten vorab aber entscheiden, ob die Einheit stattfindet.

Sollte es zu heiß sein, würden Übungsleiter für das Training eine schattige Route mit mehr Trinkwasserbrunnen wählen, speziell bei jüngeren Teilnehmern das Tempo herausnehmen und auf eine erhöhte Elektrolyt-Aufnahme achten, erklärt Stefan Huber, Vorsitzender des Vereins.

Bei den Ruderern des RV Bad Waldsee läuft laut Jugendleiter Amatus Fischer und seinen Kollegen das Training auch bei Hitze normal weiter. Eine Abkühlung gönnen sich die meisten Ruderer vor dem Training, das meist abends oder in den frühen Morgenstunden stattfindet, mit einem Sprung ins Wasser.

Bei hohen Temperaturen wird darauf geachtet, dass der Aufenthalt auf dem See nicht so lang ist, wie in kühleren Monaten. Sollte es doch einmal zu warm werden, weichen die Ruderer auf eine Ausdauer- und Techniktraining im kühleren Kraftraum aus.

So kann man sich gegen Hitze schützen

Damit es zu keinen gesundheitsgefährdenden Symptomen durch die Hitze kommt, empfiehlt Sportmediziner Andreas Nieß die „Klassiker“zu beachten. „Sonnenschutz, ausreichend Trinken, sich sportlich nicht übernehmen, die Belastung reduzieren. Und wenn man sich draußen sportlich betätigen will, sollte man das derzeit am besten in den frühen Morgenstunden oder in den späteren Abendstunden machen“, erklärt er.

Aber allen Einflüssen aus dem Weg zu gehen und sich nur noch in der Wohnung aufzuhalten und kein Sport mehr zu treiben, sei auch nicht zielführend.

In der Gesamtbevölkerung gab es in den Jahren 2018 bis 2020 eine Übersterblichkeit durch Hitzeeinfluss. 

Andreas Nieß

Außerdem spiele es auch eine entscheidende Rolle, wie trainiert der Körper generell ist. Ein untrainierter Mensch habe bei den hohen Temperaturen eine deutlich höhere Gefahr für einen Hitzschlag als ein professioneller Athlet. „Es sind also mehrere Einflussfaktoren: Erstens die individuelle Fitness und der Anpassungsgrad des Sportlers, zweitens die äußeren Bedingungen und drittens die Art und Schwere der sportlichen Belastung“, sagt Nieß.

Anstieg von Hitzetoten erwartet

Dass es aufgrund der Hitze bei sportlichen Aktivitäten vermehrt zu gesundheitsschädlichen Folgen kommen wird, ist angesichts des Klimawandels und der Erderwärmung zu erwarten.

„In der Gesamtbevölkerung und unabhängig der Sporttreibenden gab es in den Jahren 2018 bis 2020 eine Übersterblichkeit durch Hitzeeinfluss“, sagt Nieß. Das werde wahrscheinlich weiter zunehmen, sollte es nicht gelingen, dem Klimawandel mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken.

Auch der Ozongehalt in der Luft hat einen Einfluss auf unsere sportliche Leistungsfähigkeit. Wie sich die Ozonwerte in den letzten Jahren entwickelt haben, lesen Sie HIER

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