Faktencheck: Machen Impfungen gegen das Coronavirus Frauen unfruchtbar?

Christina Mikalo
Crossmedia-Volontärin

Seit Tagen kursiert im Netz eine Petition mit dem Ziel, alle Tests mit Corona-Impfstoffen sofort zu stoppen. Aufgesetzt haben sie der Lungenarzt und ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wodarg und der Ex-Vizepräsident des Arzneimittelherstellers Pfizer, Michael Yeadon. 

Die beiden Initiatoren der Petition sind in Sachen Corona-Skeptizismus und Fake-News keine Unbekannten. Wodarg wurde in den vergangenen Monaten immer wieder wegen Falschmeldungen zum Corona-Virus kritisiert. Aussagen waren oft entweder widerlegbar oder wurden als irreführend bezeichnet. Unter Medizinern gilt er als stark umstrittene Person mit großer Anhängerschaft bei sogenannten Corona-Kritikern und Leugnern. 

Auch Yeadon ist im Zusammenhang mit Falschmeldungen und irritierenden Äußerungen zur Pandemie mehrfach kritisiert worden, gelangte aber in Deutschland zu weniger Bekanntheit.

Beide behaupten, dass die Impfstoffe - darunter der in Großbritannien bereits zugelassene der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer - gesundheitliche Schäden hervorrufen können, die bis zum Tod führen.

Um diese Behauptungen geht es hier im Detail. Geprüft hat sie der Virologe Thomas Mertens von der Universität Ulm zusammen mit Schwäbische.de.

 Der Ulmer Virologe Thomas Mertens
Thomas Mertens arbeitet regelmäßig mit der Schwäbischen Zeitung in Corona-Angelegenheiten zusammen. (Foto: Privat/OH)
  • Immunüberreaktion

Behauptung:

Wodarg und Yeadon befürchten, dass eine Impfung zu einer sogenannten antikörperabhängigen Verstärkung (ADE) führen kann. 

ADE ist eine von Antikörpern verursachte Verschlimmerung des gesundheitlichen Zustands. Eigentlich helfen Antikörper, die nach einer Impfung vom Körper gebildet werden, Viren zu bekämpfen. Doch manchmal setzen sie nicht „passgenau“ an das Virus an und verursachen deshalb Schäden im Körper.

Beim aktuellen mRNA-Impfstoff wurden mögliche Immunüberreaktionen nie beobachtet. Thomas Mertens, Virologe

Wodarg und Yeadon zufolge hätten Versuche an Katzen mit Corona-Impfstoffen dies gezeigt. "Im Verlauf dieser Studien sind alle Katzen, welche die Impfung zunächst gut vertragen hatten, gestorben, nachdem sie mit echten Coronaviren infiziert wurden", schreiben sie in der Petition.

Fakten:

Versuche an Kleintieren gab es laut Mertens tatsächlich. Allerdings bezogen sie sich auf das Virus MERS-CoV, das mit SARS-CoV zwar eng verwandt ist, in Europa aber bislang nur vereinzelt auftrat.

"Beim aktuellen mRNA-Impfstoff von Biontech und Pfizer wurden mögliche Immunüberreaktionen nie beobachtet", sagt Mertens weiter. Es gebe auch keine Hinweise aus den bisher geimpften Menschen, dass derartige Reaktionen auftreten können.

  • Unfruchtbarkeit

Manche Frauen fürchten, dass eine Impfung gegen Covid-19 sie unfruchtbar machen könnte. (Foto: Mascha Brichta/dpa)

Behauptung:

Frauen könnten durch die Impfungen unfruchtbar werden, behaupten Wodarg und Yeadon weiter. Die Antikörper, die bei einer Impfung entstehen, könnten die sogenannten Spike-Proteine von SARS-CoV-2 unschädlich machen. Diese würden aber bestimmte Proteine enthalten, die bei Säugetieren Voraussetzung für die Ausbildung der Plazenta sind. In Folge könnte eine Unfruchtbarkeit entstehen.

Fakten:

Mertens weist diese Behauptung zurück. "Dazu gibt es keinerlei Daten", sagt er. Nach Meinung anderer Mediziner ist das Spike-Protein viel zu spezifisch, um mit Eizellenproteinen zu reagieren. Eine dadurch entstehende Unfruchtbarkeit sei somit auszuschließen.

  • Allergische Reaktionen

Behauptung:

In den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer ist laut Wodarg und Yeadon Polyethylenglykol (PEG) enthalten. 70 Prozent der Menschen bilden Antikörper gegen diesen Stoff aus – das bedeutet, viele Menschen können allergische, möglicherweise tödliche Reaktionen auf die Impfung entwickeln.

Fakten:

Auch das ist Mertens zufolge eine bloße Vermutung. Bislang gebe es noch keine Daten, die eine entsprechende Reaktion belegen.

Wodarg und Yeadon beklagen allerdings auch, dass die Studiendauer zu kurz sei, um Spätfolgen der Impfungen realistisch einschätzen zu können.

Mertens hält das zwar "aus allgemein logischen Gründen" für richtig. Allerdings gebe es bei der Einführung einer Impfung oder eines neuen Medikaments fast nie Langzeitbeobachtungen. Diese würden es nämlich fast unmöglich machen, in einer Notsituation zu handeln.

Daher bleibe in der aktuellen Krise nur die Wahl, noch zwei weitere Jahre mit Studien zur Wirkung der Impfungen zu verbringen - und dabei die weitere, kaum kontrollierbare Ausbreitung des Virus zu akzeptieren -  oder eine Impfkampagne auf der Basis der vorhandenen Studien zu beginnen, fasst der Virologe zusammen.

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