Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus

Lesedauer: 19 Min
Eine Mikrspokaufnahme von Viren
HANDOUT - 17.02.2020, USA, Hamilton: Eine undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme des „U.S. National Institute of Health“ zeigt das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2). Die Probe wurde von einem Patienten in den USA isoliert. (Foto: ---)
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Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Doch wie wirkt und äußert es sich eigentlich? Wie groß ist das Risiko und wie kann man sich schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Selbstaktualisierende Datengrafik (inklusive geheilter Patienten):

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Die zentralen Fragen und Antworten haben wir darüber hinaus für Sie auf Grundlage der Informationen des Robert-Koch-Instituts hier aufgeführt

Coronavirus, SARS-CoV-2 oder Covid-19?

  • Coronavirus: Es gibt nicht DAS Coronavirus. Coronaviren wurden erstmals Mitte der 1960er Jahre identifiziert. Sie verursachen beim Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten wie dem Middle East Respiratory Syndrome (MERS) oder dem Severe Acute Respiratory Syndrome, besser bekannt als SARS.
  • SARS-CoV-2: Das ist die Bezeichnung für ein neuartiges Virus aus der Famile der Coronaviren.
  • Covid-19: Das ist die Krankheit, die das SARS-CoV-2 verursacht. Es ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "Corona virus disease 2019" - also Coronavirus-Krankheit 2019. Das Virus trat Ende 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan auf.

Welche Folgen hat Covid-19?

Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus führt der WHO zufolge zu Symptomen wie Fieber, trockenem Husten und Abgeschlagenheit, mitunter auch Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost. Einige Betroffene litten an Übelkeit, einer verstopften Nase und Durchfall.

Die Symptome sind vergleichbar mit der einer Grippe, die sich in diesem Jahr ebenfalls sehr stark in Deutschland ausgebreitet hat. 

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

In Deutschland sind bislang einge Todesfälle bekannt. Tatsächlich verläuft die Krankheit in 4 von 5 Fällen mild. Bei einem Teil der Patienten kann das Virus zu einem schwereren Verlauf mit Atemproblemen und zu Lungenentzündungen führen.

Das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und Tod haben den Daten aus China zufolge Menschen über 60 Jahre und Menschen mit Grunderkrankungen

Bei Kindern scheint die Erkrankung laut WHO vergleichsweise selten aufzutreten und dann mild zu verlaufen. Schwere oder gar kritische Verläufe wurden nur bei einem sehr kleinen Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen beobachtet.

Schwangere scheinen der WHO zufolge kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben.

Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland aktuell als mäßig eingeschätzt. Mit weiteren Fällen, Infektionsketten und Ausbrüchen muss in Deutschland gerechnet werden. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers ist zu erwarten

Am 10. März gab die WHO die gute Nachricht bekannt, dass sich die Ausbreitung in China spürbar verlangsame, dass 70 Prozent der rund 80.000 Infizierten wieder gesund seien und viele die Krankenhäuser wieder verlassen konnten.

Wie wird das Coronavirus übertragen?

SARS-CoV-2 ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

Wie kann ich mich schützen?

Wie bei Influenza und anderen akuten Atemwegsinfektionen schützen gute Händehygiene, Husten- und Nies-Etikette. Letzteres bedeutet, nicht in die Hand, sondern am besten in die Armbeuge zu niesen oder zu husten.

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) betonte: "Über 60-Jährige sollten sich gegen Pneumokokken impfen lassen. Das ist sowieso empfohlen, dient allerdings zum weiteren Schutz gegen Viren, die die Lunge befallen." Am 14. März zeichnete sich allerdings ab, dass der Impfstoff knapp wird.

Krankheiten wie Grippe, Keuchhusten oder Magen-Darm können durch einfache Regeln vermieden werden. Deswegen jetzt: 5 Tipps zum Schutz vor Keimen.

Schützt mich eine Atemschutzmaske?

Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person signifikant verringert. Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen.

Wenn sich allerdings eine infizierte Person im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes durch diese Person sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, zu verringern.

Wie wird Covid-19 festgestellt?

Klarheit über eine Infektion mit SARS-CoV-2 bringt ein molekularbiologischer Test, der in Verdachtsfällen durchgeführt wird. Zunächst nimmt ein Arzt eine Probe aus den Atemwegen eines Patienten - entweder einen Abstrich oder ausgehusteten Schleim. Spezialisten bereiten diese Probe dann im Labor auf und suchen mit einem sogenannten PCR-Test nach dem Erbmaterial des Virus.

Vereinfacht gesagt wird dabei ein bestimmter Abschnitt des Viren-Erbguts millionenfach kopiert. Die Kopien werden mit einer sogenannten Sonde farblich markiert. Diese Farbmarkierung kann dann mit komplexen Geräten sichtbar gemacht werden.

Sind entsprechende Farbsignale vorhanden, handelt es sich um eine "positive Probe". Unter idealen Bedingungen dauert ein solcher Test im spezialisierten Labor 3-5 Stunden.

Kann ich mich einfach mal testen lassen?

Deutschlands Kassenärzte warnen eindringlich vor ihrer Ansicht nach unnötigen Tests auf das neue Coronavirus. Sinnvoll seien Tests nur, wenn jemand Symptome einer Erkrankung der oberen Atemwege aufweise und womöglich Kontakt zu Infizierten gehabt habe. 

In ganz Deutschland gebe es in ausgewählten Laboren Kapazitäten für rund 12.000 Tests pro Tag.

Wie der Coronavirus-Test funktioniert (27.02.2020)
Blick ins Labor: Wie der Coronavirus-Test funktioniert. (Foto: dpa-infografik GmbH / dpa)

Ich vermute, ich bin infiziert - was soll ich tun?

Wenn Sie den Verdacht haben, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, dann gehen Sie auf keinen Fall ohne Voranmeldung persönlich zum Hausarzt, Sie könnten sonst andere Personen anstecken. Rufen Sie in der Praxis vorab an und schildern Sie Ihre Situation oder wählen Sie die Arzthotline 116 117.

Download: Covid-19 Verdacht: Was ist zu tun? Grafik zum Ausdrucken

Ich kommen aus einem Risikogebiet - was soll ich tun?

Personen, die sich in einem vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

Beim Auftreten von akuten respiratorischen Symptomen sollten Sie nach telefonischer Voranmeldung mit Hinweis auf die Reise einen Arzt aufsuchen. Hier kann das zuständige Gesundheitsamt ermittelt werden.

Wo liegen die Risikogebiete?

  • Italien

  • Iran

  • In China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan)

  • In Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)

  • In Frankreich: Region Grand Est (diese Region enthält Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne)

 Wie lang ist die Inkubationszeit?

Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen kann, im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage. Während der Inkubationszeit können Infizierte andere Personen bereits anstecken.

Was passiert bei Feststellung einer Infizierung?

Die Ärztin oder der Arzt, der bei einem Patienten den Verdacht auf eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus stellt, muss dies dem Gesundheitsamt gemäß Coronavirus-Meldepflichtverordnung melden.

Auch das Labor, das das neuartige Coronavirus bei einem Menschen nachweist, muss dies dem Gesundheitsamt melden. Die Meldung muss unverzüglich erfolgen und dem Gesundheitsamt spätestens innerhalb von 24 Stunden vorliegen.

Darüber hinaus werden die Informationen zu dem Fall im Gesundheitsamt erfasst und nichtnamentlich (also u.a. ohne Name, Adresse und Kontaktangaben) an die zuständigen Landesbehörden und von dort an das RKI übermittelt.

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Coronavirus: Verlauf und Meldekette (26.02.2020)
Coronavirus: Verlauf und Meldekette auf einen Blick. (Foto: dpa-infografik GmbH / dpa)

Was gilt für den Arbeitsplatz?

  • Homeoffice: Es gibt kein grundsätzliches Recht auf Homeoffice. „Nur, wenn der Arbeitnehmer konkrete Symptome aufweist und diese vom Arzt bestätigt sind, dürfte er gegebenenfalls von zu Hause arbeiten“, sagt Aziza Yakhloufi, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Rödl & Partner.
  • Pflichten Arbeitgeber: Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Arbeitnehmern – und die gilt besonders in Zeiten erhöhter Gesundheitsgefahr. „Das heißt, sie müssen vorbeugende Maßnahmen ergreifen“, sagt Yakhloufi. Der erste Schritt ist der Hinweis auf Hygieneregeln.
  • Gehalt: „Grundsätzlich besteht die Pflicht zur Entgeltzahlung“, sagt Fachanwältin Yakhloufi. Die Verbreitung einer Krankheit liege im Bereich der Risiken, die der Arbeitgeber trägt. Wenn die Mitarbeiter arbeitswillig und arbeitsfähig sind, gibt es keinen Grund, die Gehälter nicht zu überweisen.

Wie werden Erkrankte behandelt?

Im Zentrum der Behandlung der Infektion stehen die optimalen unterstützenden Maßnahmen entsprechend der Schwere des Krankheitsbildes (z.B. Sauerstoffgabe, Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes, ggf. Antibiotikagabe zur Behandlung von bakteriellen Alternativ-/Begleitinfektionen) sowie die Behandlung von relevanten Grunderkrankungen.

Eine spezifische, d.h. gegen das neuartige Coronavirus selbst gerichtete Therapie steht derzeit noch nicht zur Verfügung.

Gibt es einen Impfstoff?

Momentan steht kein Impfstoff zur Verfügung. In China soll Medienberichten zufolge ein erster Impfstoffkandidat ab Ende April 2020 in einer klinischen Studie erprobt werden. Wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen könnte, ist derzeit nicht absehbar. 

Was ist der Unterschied zwischen Pandemie und Epidemie?

Unterschied Pandemie, Epidemie und Endemie. (Foto: David Weinert / SZ)

Die WHO hat das Coronavirus Sars-CoV-2 am 11. März 2020 offiziell zur Pandemie erklärt.

Gibt es eine Infektionsschutz-Strategie?

Die Anstrengungen der Behörden verfolgen bislang das Ziel, einzelne Infektionen in Deutschland so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus dadurch so weit wie möglich zu verzögern.

Ziel dieser Strategie ist es, in Deutschland Zeit zu gewinnen, um sich bestmöglich vorzubereiten und mehr über die Eigenschaften des Virus zu erfahren, Risikogruppen zu identifizieren, Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen vorzubereiten, Behandlungskapazitäten in Kliniken zu erhöhen, antivirale Medikamente und die Impfstoffentwicklung auszuloten.

Auch soll ein Zusammentreffen mit der aktuell in Deutschland laufenden Influenza-Welle soweit als möglich vermieden werden, da dies zu einer maximalen Belastung der medizinischen Versorgungsstrukturen führen könnte.

Die Bundesregierung empfiehlt, Soziale Kontakte auf das Notwendigste zu reduzieren und hat darüber hinaus weitreichende Maßnahmen und Einschränkungen für das öffentliche Leben beschlossen.

Was muss man zu Schulschließungen wissen?

Aus Sorge vor einer schnellen Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ben die Landesregierungen von Baden-Württemberg und Bayern bei einer Sondersitzung des Kabinetts beschlossen, alle Schulen und Kitas bis nach den Osterferien zu schließen.

Wenn Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder zu betreuen, sollte diese auch wahrgenommen werden. Auf gar keinen Fall sollte die Betreuung der Kinder den Großeltern übergeben werden, riet Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Großeltern sind wegen ihres Alters und möglichen Vorerkrankungen häufig besonders gefährdet.

Sowohl in Baden-Württemberg als auch in Bayern soll eine Notfalllösung für die Betreuung von Kindern, deren Eltern systemrelevante Berufe ausüben, aufgebaut werden.

In Baden-Württemberg haben nur Eltern Anspruch auf Betreuung, bei denen beide Elternteile in solchen Jobs arbeiten.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin ist Deutschlands sogenanntes "Public-Health-Institut". In dieser Funktion hat das RKI die Aufgabe, die Bevölkerung durch Forschung und Aufklärung vor Krankheiten zu schützen. Das Institut arbeitet eng mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den Gesundheitsämtern in Deutschland zusammen. Aktuell ist das RKI federführend in der Risikobewertung zum Coronavirus sowie bei der Entwicklung von Handlungsempfehlungen zum Infektionsschutz und einer Gesamtstrategie für die Virusbekämpfung.

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