Übergriff

Union-Fraktionschef Kauder fordert Abschaffung des Echo

Berlin / Lesedauer: 2 min

Antisemitische Vorfälle in Berlin und die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang beim Echo müssen Folgen haben, so der Fraktionschef der Union exklusiv gegenüber der "Schwäbischen Zeitung".
Veröffentlicht:18.04.2018, 17:27
Aktualisiert:22.10.2019, 20:00

Von:
Artikel teilen:

Unions-Fraktionschef Volker Kauder hat mit Entsetzen auf den jüngsten antisemitischen Übergriff in Berlin reagiert. „Die Entwicklung in unserem Land beunruhigt mich zutiefst. Die Reihe der jüngsten schändlichen antisemitischen Vorfälle wird immer länger. Wir müssen das mit allen rechtsstaatlichen Mitteln versuchen zu stoppen“, sagte er am Mittwoch der „Schwäbischen Zeitung“.

Am Dienstag hatte im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg ein arabisch aussehender Mann zwei Kippa tragende Männer mit seinem Gürtel geschlagen und wüst beschimpft. Er sei in Israel in einer arabischen Familie aufgewachsen und kein Jude, sagte der Angegriffene der Deutschen Welle. Die Kippa habe er als Experiment getragen.

„Die Täter müssen hier die ganze Härte des Rechts spüren. Sie greifen nicht nur einen Menschen an, sie greifen auch einen Kern unserer Gesellschaft an, unserer gewachsenen Identität nach dem 2. Weltkrieg. Mir ist gleich, ob es um einen eingewanderten Antisemitismus handelt oder um einen, der hier entstanden ist", sagt Kauder.

Bitte akzeptieren Sie die Marketing-Cookies um diesen Inhalt darzustellen.

Auch die deutsche Musikindustrie kritisierte der CDU-Politiker scharf, nachdem zwei Rapper für ein Album den Echo-Musikpreis erhalten haben, auf dem antisemitischen Passagen wesentliche Textbestandteile sind. „Schon die Echo-Preisverleihung an diese Rapper war eine unfassbare Fehlentscheidung, die jede historische Sensibilität vermissen ließ. Angesichts des wachsenden Antisemitismus hätte der Preise nie an Künstler gehen dürfen, die mit dem Holocaust in ihren Texten spielen und offensichtlich auch völlig uneinsichtig sind.

Es ist gut, dass andere Künstler ihre Echo-Preise als Zeichen des Protests jetzt zurückgeben. Die Gesellschaft darf nicht zulassen, dass antisemitische Aussagen fast schon normal werden. Man sollte diesen Preis abschaffen.“

Am vergangenen Donnerstag waren die Rapper Kollegah und Farid Bang für ihr Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ ausgezeichnet worden. Es enthält Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow“. Dass diese Musik beim Echo preiswürdig ist, hatte heftige Kritik und eine Debatte um Judenfeindlichkeit ausgelöst.

Kauder will eine Meldepflicht für antisemitische Vorfälle an Schulen

„Denn wer ein antisemitisches Klima hinnimmt oder gar fördert, muss sich auch nicht wundern, wenn jüdische Schüler gemobbt werden, wenn jüdische Mitbürger auf unseren Straßen angegriffen werden. Der Staat muss alles tun, dass diese Entwicklung so nicht weitergeht. An den Schulen muss künftig jeder Übergriff konsequent gemeldet werden, damit man einen Überblick über die Dimension des Problems bekommt.“