Kandidatur

Siegreich

Politik / Lesedauer: 2 min

Siegreich
Veröffentlicht:30.03.2014, 17:35
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Als er im Oktober 2012 seine Kandidatur bekanntgab, kannten ihn nur wenige seiner Landsleute. Jetzt ist Andrej Kiska Präsident der Slowakei : Bei der Stichwahl am Wochenende schlug der Neuling den hoch favorisierten Politprofi und linkspopulistischen Regierungschef Robert Fico klar mit fast 60Prozent der Stimmen. Damit ist Kiska der erste Quereinsteiger des Landes, der zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. Der Sieg hatte sich bereits vor zwei Wochen im ersten Durchgang abgezeichnet, als der Millionär überraschend nur vier Prozent hinter Fico lag.

Kiska wurde 1963 im nordostslowakischen Provinzstädtchen Poprad, am Fuss der Hohen Tatra, geboren. Er studierte in Bratislava Elektrotechnik und war danach beim staatlichen Energieversorger angestellt. Damals war seine engere Heimat noch Teil der kommunistischen Tschechoslowakei. Kurz nach der Wende 1989 ging er für zwei Jahre in die USA, wo er sich mit Gelegenheitsjobs durchschlug.

Nach seiner Rückkehr gründete er drei Finanzierungsgesellschaften, die er 2005 für mehrere Millionen Euro an eine Bank verkaufte. Fortan engagierte er sich im sozialen Bereich, gründete die mittlerweile größte Hilfsorganisation des Landes mit dem Namen Dobry Anjel (Guter Engel), die Familien mit kranken Kindern unterstützt.

Ob Kiska in den nächsten fünf Jahren auch als Präsident ein „guter Engel“ für sein Land sein wird, ist eine offene Frage. Er hat keinerlei praktische Erfahrung in der Politik, was auch sein Gegner Fico auszuschlachten versuchte. Auch Ficos Vorwürfe in einer Fernsehsendung, sein Mitbewerber habe seine Millionen mit Wucherzinsen gemacht und stünde der amerikanischen Scientology-Sekte nahe, hatte die Slowaken nicht wirklich abgeschreckt, Kiska zu wählen. Er selbst reagierte umgehend mit einer Klage gegen den amtierenden Regierungschef. Das Machtmatch zwischen beiden ungleichen Gegnern wird die Slowakei wieder stärker polarisieren. Rudolf Gruber