StartseitePolitikPalmer sorgt mit N-Wort und Judenstern-Äußerung für Wut und Empörung

Videos zeigen Äußerungen

Palmer sorgt mit N-Wort und Judenstern-Äußerung für Wut und Empörung

Politik / Lesedauer: 3 min

Tübingens Oberbürgermeister legte sich im Vorfeld einer Tagung zum Thema Migration mit Demonstranten an. Bei der Konferenz selbst kam es dann fast zu einem Eklat im Saal.
Veröffentlicht:29.04.2023, 09:22

Artikel teilen:

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte jüngst in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" angesichts hoher Asylantragszahlen vor einer Überlastung der deutschen Sozialsysteme gewarnt.

Konflikte, die daraus mit bereits in Deutschland lebenden Menschen entstünden, könnten "diese Gesellschaft sprengen". Ähnliche Bedenken äußerte Palmer auch in einem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), für den er aus Reihen der CDU Zustimmung und vom Flüchtlingsrat scharfe Kritik erntete.

Hohe Flüchtlingszahlen in Deutschland im ersten Quartal

Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurden in den ersten drei Monaten des Jahres bereits mehr als 80.000 Asylanträge gestellt, was ein Plus von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet. Die Bundesländer dringen angesichts dieser Zahlen auch auf eine leichtere Abschiebung von Menschen ohne Bleiberecht in Deutschland.

Wohl auch vor diesem Hintergrund war Palmer an der Frankfurter Goethe-Universität zu einer Migrationskonferenz geladen.

Im Vorfeld der Tagung mit dem Titel "Migration steuern, Pluralität gestalten", die unter Leitung der Ethnologin Susanne Schröter in Kooperation zwischen der gemeinnützigen Hertie-Stiftung und dem Forschungszentrum Globaler Islam initiiert wurde, hatten mehrere Personen, darunter Studenten, gegen die Veranstaltung protestiert und Rassismus unterstellt.

Palmer verteidigt N-Wort vor Demonstranten

Dabei kam es vor dem Gebäude zu einem Wortwechsel zwischen Demonstranten und Palmer, in dessen Verlauf der Tübinger OB mehrmals das ausformulierte N-Wort benutzte und die Verwendung zu rechtfertigen versuchte.

Seine Erklärungen gehen auf den Videos, die in den Sozialen Medien kursieren, allerdings größtenteils im lautstarken Protest der Anwesenden unter.

Palmer ging in seiner Rechtfertigung vor den Demonstranten aber noch weiter und hob sich auf eine Ebene mit den von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Juden im Dritten Reich. "Ihr beurteilt Menschen anhand von einem einzelnen Wort. Das ist nicht anderes als der Judenstern", so Palmer. Daraufhin wurde ihm Holocaust-Relativierung vorgeworfen.

Palmer wiederholt N-Wort mehrmals bewusst

In der anschließenden Diskussionsrunde hielt Palmer einen Vortrag mit dem Titel "Memorandum für eine andere Migrationspolitik". Dabei berichtete er von eben diesem Wortwechsel und benutzte das N-Wort erneut mehrmals betont.

Palmer rechtfertigte dies damit, dass das ausformulierte N-Wort aus seiner Sicht kein Problem darstelle, wenn es in den entsprechenden Kontext gestellt würde.

Würde man das N-Wort gegenüber einer Person mit schwarzer Hautfarbe verwenden, sei das eine "justiziable Beleidigung", so der 50-Jährige. Anders verhalte es sich, wenn man darüber streite, ob in Astrid Lindgrens "Pipi Langstrumpf" ein Charakter künftig wirklich als "Südseekönig" statt als N-König bezeichnet werden sollte.

Palmer formulierte auch hier das N-Wort aus und bezeichnete es als in diesem Kontext "vollkommen legitime Verwendung". Palmer betonte, dass "der simple Sprechakt keinerlei Auskunft darüber gibt, ob die Person ein Nazi ist oder nicht".

Moderator verlässt Saal mit klaren Worten an Palmer

Wie die "Frankfurter Allgemeine" berichtet, habe es aus der Runde der Diskussionsteilnehmer daraufhin klaren Widerspruch gegeben.

So hielten etwa der niederländische Sozialwissenschaftler Ruud Koopmans, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Manuel Ostermann sowie der Psychologe Ahmad Mansour entgegen, dass die mehrfache Verwendung des N-Wortes respektlos, verletzend und beleidigend sei.

Wie die "FAZ" weiter berichtet, habe der sichtlich aufgewühlte Moderator der Veranstaltung den Saal mit den Worten "Herr Palmer, mit ihnen will ich nichts mehr zu tun haben" verlassen.

Palmers Mitgliedschaft bei den Grünen ruht bis Ende 2023 wegen Streits um Tabubrüche und Rassismusvorwürfe. Er selbst hatte sich immer wieder für eine Wiederannäherung ausgesprochen. Die Landeschefin der Grünen, Lena Schwelling, hatte diesbezüglich zuletzt ein Entgegenkommen signalisiert.