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Niedrigere Flüchtlingszahlen kein Grund für Entwarnung

Politik / Lesedauer: 1 min

Niedrigere Flüchtlingszahlen kein Grund für Entwarnung
Veröffentlicht:26.12.2017, 19:24

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Weniger als 200000 neue Flüchtlinge sind 2017 ins Land gekommen. Auch die Zahl der illegal über die Grenzen im Süden Deutschlands Eingereisten ist drastisch gesunken. Es gibt Erfolge im Kampf gegen Schleuserkriminalität. Dass sich weniger Migranten in die Hände der Menschenschmuggler begeben, ist eine gute Nachricht. Eine neue Überforderung der Behörden wie 2015 ist nicht in Sicht.

Von Entwarnung zu sprechen, wäre aber Zynismus. Denn während deutlich weniger Menschen hierzulande ankommen, haben sich Not und Verzweiflung vielerorts zugespitzt. Die Verhältnisse, unter denen Flüchtlinge in Griechenland leben, sind erbärmlich. Vor dem Elend der in Libyen gestrandeten Menschen verschließt die EU die Augen. Dass sich keine Syrer mehr aus der Türkei nach Deutschland aufmachen, liegt vor allem daran, dass die Türkei ihre Grenzen zu dem Bürgerkriegsland dichtgemacht hat.

Von Entwarnung kann erst gesprochen werden, wenn die Fluchtursachenbekämpfung endlich ernst genommen wird und Früchte trägt, und wenn die EU Wege der legalen Zuwanderung schafft. Werden die Anstrengungen in diesen Fragen nur deswegen nicht verstärkt, weil weniger Flüchtlinge in Deutschland ankommen, wäre dies beschämend – und äußerst kurzsichtig.

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