Omikron

Mertens zu Omikron: „Nach dritter Impfung ist Schutz wieder gegeben“

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Stiko-Chef Thomas Mertens über die Gefahr der neuen Sars-CoV-2-Mutante und das neue Serum Novavax
Veröffentlicht:21.12.2021, 16:39
Aktualisiert:21.12.2021, 17:30

Von:
Artikel teilen:

Die Omikron-Variante des Corona-Virus ist ansteckender als seine Vorgänger. Auch Geimpfte und Genesene sind nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts einer hohen Gefahr ausgesetzt, sich mit Omikron zu infizieren. Warum Impfen dennoch Sinn macht und Kontaktbeschränkungen dringend notwendig sind, erklärt Professor Thomas Mertens.

Das RKI schätzt die Gefahr, sich trotz doppelter Impfung mit der Omikron-Variante zu infizieren, als hoch ein. Warum?

Die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 hat so viele Mutationen im S-Gen der Virus-RNS, dass das davon gebildete S-Protein mit seinen Bindestellen für Antikörper stärker verändert ist. Dies führt dazu, dass die Antikörper von Menschen, die mit zwei Impfstoffdosen geimpft worden sind und von Menschen, die mit früheren Virusvarianten infiziert waren, nicht mehr vor einer Infektion mit Omikron schützen.

Einen gewissen Immunschutz vor schwerer Erkrankung besitzen aber diese Personen doch noch, und nach einer dritten Impfung, der so genannten Boosterimpfung , mit dem derzeit verfügbaren Impfstoff steigen die Antikörperspiegel wieder stark an. Der Schutz vor Erkrankung ist auch wieder gegeben.

Leider ist die Übertragungsfähigkeit von Omikron viel höher als bei der Delta-Virusvariante mit einer Verdopplungszeit der Infektionszahlen von nur zwei Tagen.

So könnte es passieren, dass in Deutschland zu einem Zeitpunkt so viele Menschen erkrankt oder in Quarantäne sind, dass nicht nur die Krankenhäuser überbelastet werden, sondern auch die sogenannte kritische Infrastruktur unter Druck gerät. Ob Omikron etwas weniger krank macht als Delta, ist noch nicht ganz klar – es könnte so sein. Dies ist aber für die jetzt notwendigen Maßnahmen nicht entscheidend.

Lohnt sich eine Impfung überhaupt noch?

Impfungen und Auffrischimpfungen, also Boosterimpfungen, mit den aktuell verfügbaren Impfstoffen sind jetzt besonders wichtig, um den Schutz erneut herzustellen. Einerseits müssen ganz rasch die Menschen geimpft oder geboostert werden, die ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von COVID-19 haben, also ältere und vorerkrankte Menschen.

Andererseits müssen wir versuchen, durch Impfungen und Boosterimpfungen die Virusausbreitung zu hemmen. Letzteres wird aber augenblicklich nicht ausreichen, um eine „Omikron-Welle“ zu verhindern. Dazu muss auch die Übertragung von Mensch zu Mensch durch Kontaktbeschränkungen erreicht werden.

Brauchen wir einen Lockdown für alle – und wie schnell?

Ob es ein vollständiger „Lockdown“ sein muss, ist jetzt schwer zu sagen, aber es muss angesichts der leichten Übertragbarkeit auf jeden Fall viel, viel mehr Kontaktbeschränkung erfolgen als derzeit üblich ist – und zwar sehr schnell.

Wagen Sie einen Ausblick: Wie lange wird uns die Pandemie noch begleiten?

Ohne Omikron hätte ich gesagt bis zum Herbst 2022. Mit Omikron wird es komplizierter und schwerer absehbar.

Wie schnell wird aus ihrer Sicht Novavax in Deutschland verfügbar sein?

Das weiß ich nicht genau, aber wir hoffen bald am Anfang des kommenden Jahres.

Lohnt es sich, auf diesen Impfstoff zu warten und wenn ja, für wen?

Grundsätzlich sollte sich jeder, vor allem Risikopersonen, möglichst rasch impfen lassen und nicht warten. Wenn jemand die aktuell verfügbaren Impfstoffe nicht verträgt, dann ist der neue Proteinimpfstoff eine Option.

Man sollte aber auch bedenken, dass wir über den neuen Impfstoff von Novavax, der ja auch einen Immunverstärker, ein sogenanntes Adjuvans enthält, noch nicht so viel wissen wie über die seit längerem in breiter Anwendung befindlichen Impfstoffe.