Ampel-Koalition

Ukrainischer Botschafter fordert weitere Waffen und schlägt Schröder als Vermittler vor

Politik / Lesedauer: 3 min

Andrij Melnyk kritisiert die nach wie vor zögerliche Haltung der Bundesregierung. Von Deutschland fordert er Unterstützung für den Wunsch der Ukraine nach einem EU-Beitritt.
Veröffentlicht:03.03.2022, 21:04
Aktualisiert:04.03.2022, 08:36

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Von einem „schwarzen Donnerstag“ spricht der ukrainische Botschafter mit Blick auf den Tag, an dem Russland die Ukraine angriff. In den Wochen und Monaten zuvor hatte Andrij Melnyk versucht, die Bundesregierung davon zu überzeugen, dass Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nichts bringen.

Doch seine Warnungen wurden nicht ernst genommen. Er habe gebettelt und gefleht, sagt Melnyk am Donnerstag bei einer vom Bundestagsabgeordneten Axel Müller organisierten Videokonferenz mit dem Wahlkreis Ravensburg.

Die Enttäuschung über das zögerliche Handeln Bundesregierung ist deutlich spürbar. Gleichzeitig setzt Melnyk darauf, dass die Ampel-Koalition jetzt mehr unternimmt, um den „Wahnsinn“ in der Ukraine zu stoppen.

Melnyk fordert: Deutschland darf kein Gas mehr aus Russland kaufen

Doch was kann die deutsche Regierung tun? Melnyk fordert von Deutschland an erster Stelle mehr Defensivwaffen für die Ukraine . Am Donnerstag hat er eine weitere Verbalnote an das Auswärtige Amt geschickt, mit einer Liste von Waffensystemen, die in seinem Land dringend gebraucht würden.

Zudem spricht er sich dafür aus, die Sanktionen gegen russische Banken auszuweiten, da bislang beispielsweise die Gazprom-Bank ausgeschlossen sei. Sein dritter Punkt – ein schmerzhaftes Thema für Deutschland, wie er sagt: Die Bundesregierung müsse sofort ein Moratorium für den Import von Rohstoffen aus Russland verhängen.

Trotz des massiven Vorrückens der russischen Truppen in der Ukraine geht Melnyk davon aus, dass sein Land eine Chance hat. „ Putin wird uns nicht das Rückgrat brechen können“, sagt er.

Die Soldaten, die er geschickt habe, seien junge Männer ohne große Motivation oder Kampferfahrung. Die Opferzahlen auf russischer Seite bezifferte Melnyk auf mehrere Tausend in einer Woche. Diese Angabe lässt sich von Deutschland aus allerdings nicht überprüfen.

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Um den Zivilisten in besonders hart umkämpften Städten wie Charkiw im Osten des Landes zu helfen, müsse es eine Waffenruhe und humanitäre Korridore geben – um die Menschen zu versorgen, aber auch um die Toten zu bergen, so Melnyk.

Bei der Sondersitzung des Bundestags am Sonntag war der ukrainische Botschafter als Gast auf der Ehrentribüne mit minutenlangem Applaus bedacht worden. In diesem Moment zeigte er sich durchaus ergriffen. Und dennoch hadert er nach wie vor mit der Politik der Ampel-Koalition.

Deutschland soll vermitteln

Er sei enttäuscht, dass sich Deutschland in der Frage eines Vermittlers mit Russland so bedeckt halte, sagt Melnyk. Sein Land brauche jemanden, der einen Gesprächskanal zu Putin eröffne. „Schickt Schröder nach Moskau zu seinem Kumpel“, sagt er mit Blick auf die Nähe des früheren SPD-Bundeskanzlers zum russischen Präsidenten. Wenn es Schröder gelänge, die Sprachlosigkeit zu beenden, dann wäre viel gewonnen, meint Melnyk.

An Gastgeber Müller und die Unionsfraktion im Bundestag appelliert der Botschafter, den Wunsch der Ukraine nach einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union zu unterstützen. Die Menschen in seinem Heimatland bräuchten ein Zeichen der Zuversicht, so Melnyk: „Die Beitrittsperspektive muss jetzt kommen.“ Die Bundesregierung könnte dabei eine führende Rolle spielen – und so aus seiner Sicht wieder gut machen, dass sie in der Vergangenheit zu zögerlich war.

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