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Jedes zweite Elternpaar will Betreuungsgeld

Stuttgart / Lesedauer: 2 min

Sozialministerium begründet die Nachfrage mit dem besonderen Service
Veröffentlicht:10.09.2013, 20:31

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Monatelang hat Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter ( SPD ) auf das Betreuungsgeld geschimpft – und jetzt das: Ausgerechnet im grün-rot regierten Südwesten wollen mit die meisten Eltern in Deutschland die finanzielle Unterstützung für die selbst übernommene Kinderbetreuung bekommen.

Mit 5615 Anträgen allein im August überflügelten die Baden-Württemberger sogar die Bayern . Dabei müssten doch im CSU-geführten Nachbarland politisch gesehen die größten Anhänger des Betreuungsgeldes leben. Doch in Bayern beantragten bis Ende August lediglich 5049 Elternpaare von einjährigen Kindern die 100 Euro monatlich. Nur im bevölkerungsreichsten Bundesland, Nordrhein-Westfalen, soll es noch mehr Anträge gegeben haben. Altpeter schimpfte am Dienstag erneut: „Das Betreuungsgeld ist und bleibt eine totale Fehlinvestition.“

In der hohen Zahl der Anträge sieht eine Ministeriumssprecherin in Stuttgart allerdings keinen Beleg dafür, dass im Südwesten das Interesse am Betreuungsgeld höher ist. Stattdessen soll es an der Organisation der Anträge liegen. Während andere Bundesländer das Antragsformular lediglich ins Internet stellen, bietet Baden-Württemberg seinen Bürgern einen besonderen Service: Die L-Bank als Staatsbank verschickt allen Eltern, deren Elterngeldanspruch ausläuft, ein Antragsformular für das Betreuungsgeld. Die Eltern müssen es nur ausfüllen und zurückschicken. „Das hat nichts mit Werbung zu tun“, sagt die Sprecherin des Ministeriums. „Wir haben uns aus Kostengründen dafür entschieden.“

Die L-Bank ist bereits für die Anträge auf Elterngeld zuständig und hat die notwendigen Daten in ihrem System. Trotzdem geht die Landesregierung davon aus, dass allein in diesem Jahr Verwaltungskosten in Höhe von drei Millionen Euro entstehen werden. Während das Betreuungsgeld vom Bund gezahlt wird, muss jedes Bundesland die Kosten für die Verwaltung selbst übernehmen. Dass das Land für diese Leistung zahlen müsse, „ärgert mich gewaltig“, sagt Ministerin Altpeter.

Allerdings scheint der Erfolgsfaktor in Baden-Württemberg bei den Anträgen auch deutlich höher zu sein als im Bundesschnitt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurden bisher rund 20 Prozent der gestellten Anträge abgelehnt. In Baden-Württemberg waren es dagegen nach Angaben des Sozialministeriums nur rund 3,5 Prozent. Der häufigste Ablehnungsgrund war das Geburtsdatum des Kindes. Kinder, die vor dem 1. August geboren wurden, haben keinen Anspruch.

Zwar hatten die Baden-Württemberger bis Ende August mehr Anträge für das Betreuungsgeld gestellt als die Bayern. Allerdings ist der Anteil der Eltern, die den Anspruch geltend machen, im Freistaat höher. So stellten fast 60 Prozent der berechtigten Eltern in Bayern einen Antrag, in Baden-Württemberg waren es fast 50 Prozent. In Bayern schreibt das Zentrum Bayern für Familie und Soziales die Eltern ebenfalls mit Antragsformularen an.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.l-bank.de