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Selbstmordattentäter

Große Zweifel am Terroristen-Gutachten

Ravenburg / Lesedauer: 2 min

Lindauer Landrat empört über fehlende Warnung vor Selbstmordattentäter von Ansbach
Veröffentlicht:30.07.2016, 10:51

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Der Aufenthalt und die Betreuung des Selbstmordattentäters Mohammad D. in Lindau am Bodensee werfen immer mehr Fragen auf.

So ist der 27-jährige Syrer, der sich am vergangenen Sonntag in Ansbach in die Luft sprengte und dabei mehrere Menschen zum Teil schwer verletzte, nach Recherchen der „ Schwäbischen Zeitung “ mit einer gefälschten Biografie nach Lindau gekommen.

Im Gutachten des behandelnden Therapeuten, eines Heilpraktikers aus Lindau , ist die Rede davon, dass Mohammad D. schwerst gefoltert worden sei und in Aleppo bei einem Bombenangriff die Ehefrau und seinen Sohn verloren habe. In dem 25-seitigen Gutachten, das der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt, wird erklärt, D. sei mehrfach entführt und inhaftiert worden. Sein Vater habe ein Schmiergeld von 250 000 Euro für seine Freilassung bezahlt. Die Quellen der „Schwäbischen Zeitung“ sagen, üblich bei Entführungen seien Lösegeldzahlungen von mehreren Zehntausend Euro, eine viertel Million erscheint nach Angaben syrischer Gewährsleute sehr unwahrscheinlich. Mohammad D. gab an, er habe das Abitur und Jura studiert. Für das Therapiegespräch aber brauchte es einen Übersetzer aus dem Arabischen. Jeder Abiturient in Syrien beherrscht zumindest eine Fremdsprache wie Englisch oder Französisch. Laut dem in Lindau ansässigen Gutachter habe D. angegeben, sein Vater sei ein wohlhabender Seifenfabrikant. Nach Nachforschungen der „Schwäbischen Zeitung“ über Quellen in und aus Aleppo ist in der für ihre Olivenseife berühmten Stadt kein Seifenfabrikant bekannt, der den Nachnamen des Selbstmordattentäters trägt.

Während die Zweifel an der Biografie des Attentäters sich verdichteten, wuchs die Kritik am Verein Exilio in Lindau. Vor allem die psychotherapeutische Qualifikation des Gutachters wird hinterfragt.

Lindaus Landrat Elmar Stegmann (CSU), in dessen Stadt der spätere Attentäter sich vor Monaten frei bewegte, kritisiert die Kollegen in Ansbach und den Therapeuten: „Warum werden wir nicht informiert, wenn durch Herrn D. angeblich eine solche Gefahr ausgeht?“ Zumindest der Staatsschutz, die Polizei und das Landratsamt hätten von der Stadt Ansbach in Kenntnis gesetzt werden müssen, dass sich ein suizidgefährdeter Mann aus Syrien dort aufhält, der laut Gutachten seinen Selbstmord „spektakulär in Szene“ setzen könnte. Leitartikel