Hackerangriff

Experten fordern nach Angriff Aufklärung

Berlin / Lesedauer: 3 min

Nach der Hacker-Attacke wird Kritik an der Bundesregierung laut
Veröffentlicht:01.03.2018, 20:00
Aktualisiert:22.10.2019, 21:00

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Keine Entwarnung am Donnerstag, der Hackerangriff auf die Netze des Bundes laufe noch, heißt es. Von einem „ernstzunehmenden Vorgang“ spricht Bundesinnenminister Thomas de Maizière ( CDU ), von einem „technisch anspruchsvollen und von langer Hand geplanten Angriff“. Hinter der Attacke wird die russische Hacker-Gruppe „Snake“ vermutet, die auch unter dem Namen „Turla“ bekannt ist.

Die Angreifer haben sich wohl über die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung, eine Einrichtung der Fachhochschule des Bundes, in das Regierungsnetz gehackt. Zunächst war der Verdacht auf die Hacker-Gruppe APT 28 gefallen. Deren Codes seien aber längst nicht so kompliziert, wie der in diesem Fall verwendete. Experten schließen aber auch nicht aus, dass Hacker aus anderen Ländern bewusst den Verdacht nach Russland lenken wollen.

Eilig wird am Donnerstag das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages zusammengerufen, tagt hinter abhörsicheren Mauern im Reichstagsgebäude. „Schon der Geheimnisverrat an sich ist ein beträchtlicher Schaden“, warnt der Vorsitzende des Gremiums, Armin Schuster (CDU), nach der ersten Unterrichtung durch Vertreter von Kanzleramt und Innenministerium. Es habe einen „veritablen Cyberangriff auf Teile des Regierungsnetzes“ gegeben.

Die Verunsicherung ist groß, viele Fragen offen, die Cyber-Abwehrfähigkeit der Bundesregierung wird bezweifelt. Sollte es den Hackern gelungen sein, Daten von Außenamt und Verteidigungsministerium abzugreifen, „wäre das Netz erbärmlich schwach gesichert“, sagt Andrej Hunko von der Linkspartei. „Sowohl technisch als auch organisatorisch sehe ich Lücken“, kritisiert Burkard Lischka (SPD), Mitglied im Kontrollgremium, am Donnerstag im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Er fordert als Konsequenz „eine Bündelung der Zuständigkeiten beim Bund“. Grünen-Sicherheitsexperte Konstantin von Notz wirft Union und SPD vor, die Bedrohung in ihrem Koalitionsvertrag „völlig unterbelichtet“ zu haben, hier gebe es „einen blinden Fleck“.

Innenminister betont Erfolg

De Maizière wehrt sich gegen die Kritik von Experten und Parlamentariern: Deutschland sei bei der IT-Sicherheit gut aufgestellt, habe „eines der sichersten Regierungsnetzwerke der Welt“. Die Attacke sei „isoliert und unter Kontrolle gebracht worden“, betont der Minister, die Sicherheitsbehörden hätten „erfolgreich gearbeitet“. Die Maßnahmen seien „noch nicht abgeschlossen“. Das Bundesinnenministerium wird wegen der Attacke Strafanzeige gegen unbekannt stellen, wie die „Schwäbische Zeitung“ aus Sicherheitskreisen in Berlin erfuhr.

Schon vor vor der Attacke habe es einen Hinweis eines befreundeten Nachrichtendienstes auf einen bevorstehenden Cyber-Angriff gegeben. Bundesregierung und Geheimdienste seien seit Ende des vergangenen Jahres informiert gewesen, doch habe man erst „vor wenigen Wochen“ Hinweise und Belege erhalten. Es seien nur geringe Datenmengen abgezogen worden, so die Sicherheitskreise weiter. Der Angriff sei „sehr überschaubar“.

Die Geheimdienst-experten des Bundestages trauen den Angaben nicht, bleiben skeptisch. Er habe den Eindruck, Regierung und Sicherheitsbehörden würden den Vorgang herunterspielen, so André Hahn, der für die Linkspartei im Kontrollgremium sitzt. „Ich befürchte, dass in den nächsten Wochen noch einiges ans Licht kommen wird. Das wird sich auswachsen in den nächsten Tagen.“

Für große Irritation im Parlament sorgte, dass die Mitglieder des Kontrollgremiums erst aus der Presse über die Attacke erfuhren. „Der Bundestag wird nicht akzeptieren, dass er hier hinter die Fichte geführt worden ist“, schimpft SPD-Mann Lischka. Das Gremium müsse nun aufklären, inwiefern das Kanzleramt seiner Informationspflicht nicht nachgekommen sei. „Was wusste die Kanzlerin von alledem“, will Linken-Geheimdienstexperte Hahn wissen. Erste Informationen waren am Mittwoch an die Presse gelangt.

In Sicherheitskreisen ist man empört über das Leck in den eigenen Reihen, die Veröffentlichungen seien „zur Unzeit“ gekommen. Sie gefährdeten möglicherweise die laufenden Ermittlungen des Bundesnachrichtendienstes und des Bundesamtes für Sicherheit und Informationstechnik.