Ökoenergie

Energie-Unabhängigkeit ist eine Frage des Preises

Politik / Lesedauer: 2 min

Energie-Unabhängigkeit ist eine Frage des Preises
Veröffentlicht:31.03.2014, 20:55
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Berlin - Wegen der Ukraine-Krise hat in Deutschland eine neue Energie-Debatte begonnen. Ging es bisher vor allem um den Gegensatz zwischen fossil-nuklearen Quellen und Ökoenergie, kommt nun der Aspekt außenpolitischer Abhängigkeit hinzu. Dabei deutet einiges daraufhin, dass Deutschland höchstens auf einen Teil seiner Energieimporte aus Russland verzichten könnte. Und schon dies würde die Kosten treiben. Im Zentrum stehen zwei Fragen: Könnten Deutschland und Europa ihre Erdöl-, Erdgas- und Kohle-Importe aus Russland ersetzen? Ist es sinnvoll, verstärkt die fossilen Energieressourcen Gas und Kohle zu nutzen?

Erdgas: Nur etwa 15 Prozent seines Gasverbrauchs kann Deutschland mit konventioneller Förderung selbst decken, so die Angabe des Bundesverbandes der Energiewirtschaft. Ein gutes Drittel der Importe kommt aus Russland, der größere Teil der Einfuhren aus Norwegen und den Niederlanden. Diese Staaten könnten ihre Lieferungen kurzfristig zwar steigern, langfristig aber kaum, weil die Vorkommen zur Neige gehen.

Flüssiggas: Eine Alternative wäre der Import von gekühltem und verflüssigtem Erdgas per Tanker aus den USA, Algerien oder Katar. Dazu sagt Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik, die das Außenministerium berät: „Kurzfristig lassen sich keine relevanten Mengen Flüssiggas auf dem Weltmarkt beschaffen.“ Das Angebot sei knapp. Wollte Deutschland mittel- und langfristig zusätzliche, große Gasmengen kaufen, müsse man mit stark steigenden Preisen rechnen.

Fracking: Mit dieser Methode der unkonventionellen Erdöl- und Gasförderung, bei der Wasser und Chemikalien in tiefe Gesteinsschichten gepresst werden, haben die USA großen Erfolg. Die BASF-Tochter Wintershall will bald schon in Nordrhein-Westfalen Probebohrungen unternehmen. Allerdings hat die Bundesregierung Fracking in Deutschland so lange ausgeschlossen, wie dabei giftige Substanzen verwendet werden. „Den Einsatz umwelttoxischer Substanzen lehnen wir ab. Das werden wir gesetzlich festschreiben“, erklärte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Sie will das Wasserhaushaltsrecht ändern: Die Wasserbehörden könnten eine Art Veto-Recht erhalten, Fracking-Projekte in besonders sensiblen Gebieten ausgeschlossen werden – etwa am Bodensee. Bei Biberach und Konstanz hält ein britisches Unternehmen derzeit Lizenzen für Vor-Untersuchungen. SWP-Expertin Westphal sagt: „Fracking in Europa würde vermutlich keine riesigen Gasmengen zur Verfügung stellen, könnte aber sinnvoll sein, um die abnehmende heimische Förderung konventionellen Gases zu ersetzen und Spitzenbedarf zu decken.“

Kohle: Von einem Energierohstoff hat Deutschland große eigene Vorräte: Braunkohle. Zu gegenwärtigen Preisen könnte die Förderung noch über 200 Jahre weitergehen. Bei der Steinkohle hat Deutschland kaum noch eigene Vorräte, könnte aber größere Mengen importieren. Aber auch diese Technik hat ihren Preis: Die Emission klimaschädlicher Gase ist enorm.