Verbissenheit

Der Genderstern spaltet die Gesellschaft

Politik / Lesedauer: 2 min

Debatten über Genderpolitik sind oft verbissen und darum ermüdend. So viel Pragmatismus, wie Frauenministerin Lambrecht jetzt an den Tag legt, hätte man da kaum erwartet, meint Ulrich Mendelin.
Veröffentlicht:06.10.2021, 14:40
Aktualisiert:06.10.2021, 18:46

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Debatten über Genderpolitik haben etwas Ermüdendes. Vor allem, weil Argumente oft mit einer Verbissenheit vorgetragen werden, die Kompromisse ausschließt. Gerade die SPD ist in dieser Hinsicht nicht über jeden Verdacht erhaben.

Das hat im Frühjahr die Diskussion um Wolfgang Thierse gezeigt, der sich mit Schwulen-, Lesben-, Bi- und Transgender-Aktivisten angelegt hat – und mit seiner Parteichefin Saskia Esken.

Der Genderstern stellt manche Menschen zufrieden – anderen geht er gehörig auf die Nerven.

Eine Selbstverständlichkeit ist es darum nicht, dass die amtierende Familienministerin Christine Lambrecht Ministerien und Behörden jetzt den Verzicht auf gendergerechte Sonderzeichen nahelegt, vom Binnen-Doppelpunkt bis zum Binnen-Unterstrich.

Die Begründung ist angenehm unaufgeregt: Die Verständlichkeit sei nicht sichergestellt, die Verwendung entspreche nicht den Rechtschreibregeln.

Das Streben nach Gleichbehandlung von Frauen und sexuellen Minderheiten ist zweifellos ein berechtigtes Anliegen. Fragen darf man aber, ob die Sprache dafür wirklich das richtige Mittel ist. Der Genderstern stellt manche Menschen zufrieden – anderen geht er gehörig auf die Nerven.

Konsens schafft er nicht, im Gegenteil. Die Nennung der weiblichen Form neben der männlichen, wie es Lambrecht empfiehlt, ist rechtschreibkonform und spaltet die Gesellschaft deutlich weniger.

Das schafft nur Verwirrung, keine Klarheit.

Und dass Menschen mit diversem oder ohne Geschlechtseintrag nicht berücksichtigt sind, ist nach Ansicht der Ministerin kein Problem, da diese Gruppe „sehr wenige“ Menschen umfasst. So viel Pragmatismus hätte man in der Genderdebatte kaum für möglich gehalten.

Von Behörden darf man erwarten, dass sie sich an die Rechtschreibregeln halten. Und nicht nur von denen. Dasselbe muss auch für andere öffentliche Einrichtungen gelten, für Schulen und Universitäten etwa.

In Baden-Württemberg aber will Kultusministerin Theresa Schopper es den Schüler_innen, SchülerInnen, Schüler*innen, Schülerinnen und Schülern selbst überlassen, wie diese sich bezeichnen. Das schafft nur Verwirrung, keine Klarheit.