Ölbohrung

Ecuador will im Yasuní-Park Öl fördern

Ehingen / Lesedauer: 3 min

Initiative zum Erhalt des Regenwalds gescheitert – Kritik auch aus Deutschland
Veröffentlicht:19.08.2013, 10:40
Aktualisiert:24.10.2019, 22:00

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Ecuador will nun doch im Yasuní-Nationalpark nach Öl bohren. Präsident Rafael Correa erklärte ein internationales Abkommen zum Schutz des artenreichen Gebiets am Amazonas für gescheitert. Es sei nur ein Bruchteil der für einen Verzicht auf Ölbohrungen vereinbarten Summe eingezahlt worden. „Die Welt hat uns im Stich gelassen“, sagte Correa. Die Initiative aus dem Jahr 2007 sah vor, dass Ecuador die Ölfelder unberührt lässt, falls die internationale Gemeinschaft dem Land im Gegenzug 3,6 Milliarden Dollar zahlt. Sechs Jahre später seien 13,3Millionen Dollar eingegangen – nur 0,37 Prozent des erwarteten Betrags, kritisierte Correa.

Mit großer Enttäuschung haben Umweltschützer, auch in Deutschland, auf das Scheitern des Projekts reagiert. In Berlin sprach die Grünen-Politikerin Ute Koczy von einer „Tragödie für Ecuadors indigene Gemeinschaften, Artenvielfalt und den Klimaschutz“. Auch das bundesweite Yasuní-Bündnis zeigte sich entsetzt. Deutschland trage eine Mitverantwortung für das Scheitern, sagte Sibylle Maurer-Wohlatz , Geschäftsführerin des BUND Hannover und Mitglied im Yasuní-Bündnis. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hatte vor drei Jahren Bedenken an dem Projekt angemeldet und bereits zugesagte deutsche Mittel wieder zurückgezogen. „Wenn wir in Deutschland ein Zeichen gesetzt hätten, wären andere aufgesprungen“, ist sich Sibylle Maurer-Wohlatz sicher. Das Bündnis hat seit einigen Jahren private Spenden für das Projekt gesammelt. Diese Gelder sollen nun für kleine Projekte im Yasuní-Nationalpark verwendet werden.

Entwicklungsministerium kritisiert Correa

Das Entwicklungsministerium bestritt eine Mitschuld am Scheitern des Projekts. „Die Verantwortung liegt auf der ecuadorianischen Seite“, sagte Ministeriumssprecher Sebastian Lesch. Man müsse sich fragen, ob der ecuadorianischen Regierung wirklich so sehr am Schutz des Waldes gelegen war, wie sie immer vorgab, meinte er. In einem separaten Projekt hatte das Ministerium 34,5 Millionen Euro für den Erhalt des Waldes in der Yasuní-Region und zum Schutz der indianischen Gemeinschaften zugesagt. Es sei, „völlig unverständlich und ärgerlich, dass Präsident Correa offenbar mit der Absicht zur Ölförderung unsere getroffene Vereinbarung jetzt infrage stellt“, erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp.

Ecuadors Botschafter in Deutschland, Jorge Jurado, verteidigte gegenüber der Schwäbischen Zeitung die Entscheidung des Präsidenten. „Wir haben sechs Jahre auf eine klare Entscheidung der Weltgemeinschaft, insbesondere der Industriestaaten gewartet“, betonte er. Auch innerhalb der ecuadorianischen Regierung sei die Enttäuschung groß, sagte Jurado.

Im Nationalpark werden etwa 860Millionen Barrel Öl in den Quellen Ispingho, Tambococha und Tiputini (ITT) und somit ein Fünftel der Rohölreserven des Landes vermutet. Botschafter Jurado betonte, dass von der Erschließung nur 0,1 Prozent des Nationalparks beeinträchtigt würden. Mit der Förderung soll voraussichtlich in etwa fünf Jahren begonnen werden. Der Nationalpark beheimatet ein Drittel aller im Amazonasgebiet vorkommenden Säugetiere, ein Teil des Parks wurde 1989 von der Unesco zum Biosphärenreservat ernannt.

In Ecuador protestieren ebenfalls Naturschützer und indigene Gruppen gegen die Erdölförderung und berufen sich auf die Verfassung, die den Schutz der Natur und der indigenen Gruppen verankert. Sie fordern einen Volksentscheid. Auch das ecuadorianische Parlament muss noch zustimmen.