Kollaps

Die Bahn steht vor dem Kollaps

Politik / Lesedauer: 2 min

Unpünktliche Züge, zu wenig Personal, baufällige Gleise: Die Bahn sorgt derzeit nur für schlechte Nachrichten. Die Politik tut seit Jahren nichts gegen die Probleme, kommentiert Wolfgang Mulke.
Veröffentlicht:28.07.2022, 17:39
Aktualisiert:29.07.2022, 09:40

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Kaum ein Tag vergeht in diesem Sommer ohne schlechte Nachrichten von der Bahn. Die Pünktlichkeit erreicht im Fernverkehr mit weniger als 70 Prozent eine rekordverdächtigen Tiefstand. Eine Million Betonschwellen müssen rasch ausgetauscht werden, weil sie offenbar ein Sicherheitsrisiko für die Zugverkehr darstellen. Die Gewerkschaft EVG beklagt einen Krankenstand von über 25 Prozent und auch generell fehlendem Personal in wichtigen Bereichen.

Erfolg des 9-Euro-Ticktes macht Probleme

Das 9-Euro-Ticket ist so erfolgreich, dass Bahnhöfe aus allen Nähten platzen, Bahnsteige zwangsgeräumt werden und der Massenandrang die Züge so beansprucht, dass sie schnell zur Wartung und Reparatur aus dem Verkehr gezogen werden müssen. In der Folge all dieser Malaisen fallen so viele Züge aus, dass ganze Regionen vom Nahverkehr abgekoppelt werden. Ein Ersatzverkehr scheitert wiederum an fehlenden Bussen und Busfahrern. Das System Bahn steht vor dem Kollaps.

Hochtrabende Ziele

Umso seltsamer erscheinen die hochtrabenden Ziele der Bahn und der Politik. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll sich die Zahl der Passagiere im Fernverkehr verdoppeln, im Nahverkehr die Grenze von einer Milliarde Fahrgäste geknackt werden. Daran halten Bundesregierung und Bahnvorstand stoisch fest, auch wenn es überall im Gebälk knackt und knirscht. Eine positive Botschaft gibt es. An der Nachfrage scheitern die Pläne gewiss nicht. Die Menschen wollen Bahn fahren.

Versäumnisse schnell nachholen

Die jahrzehntelange Vernachlässigung der Infrastruktur lässt sich nicht über Nacht beseitigen. Das wird jedem klar sein. Doch wenn die Bahn sich wie erwünscht entwickelt soll, müssen die gröbsten Versäumnisse so schnell wie möglich nachgeholt werden. Die finanzielle Ausstattung durch den Bund reicht immer noch nicht für eine umfassende Modernisierung der Schienenwege aus..

Der angekündigte Aufbau eines Hochleistungsnetzes ist der richtige Weg. Die Vorhaben müssen allerdings bis zur letzten Bahnschwelle finanziell sicher abgedeckt werden. Sonst bleibt es wie so oft beim leeren Versprechen, dass alles besser wird.