Abbruch

Schluss mit netten Gesten: Woran der Gipfel zwischen Trump und Kim gescheitert ist

Tokio / Lesedauer: 3 min

Treffen zwischen Trump und Kim Jong-un scheitert – trotz eines fantastischen Moments
Veröffentlicht:28.02.2019, 20:42
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

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Am Ende stand ein abrupter Abbruch. Nach weniger als zwei Stunden Gespräch war der Hanoi-Gipfel zwischen Donald Trump und Kim Jong-un am Mittag bereits vorzeitig Geschichte. Das gemeinsame Essen wurde abgesagt, beide verließen eilig den Konferenzraum. „Manchmal muss man gehen“, sagte der US-Präsident resigniert auf der anschließenden Pressekonferenz. Eigentlich sollte am Ende der zweitägigen Verhandlungen in der vietnamesischen Hauptstadt eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet werden. „Wir hatten die Unterlagen schon fertig“, sagte Trump, räumte jedoch ein, „wir hatten das Gefühl, dass jetzt nicht der richtige Moment war, um etwas zu unterschreiben.“

Frostige Stimmung, lustlose Blicke

Donald Trump und Kim Jong-un starteten den zweiten Gipfeltag zunächst mit einem gemeinsamen Frühstück im Hotel Sofitel Legend Metropole. Die Stimmung am Tisch wird von Augenzeugen als frostig beschrieben. Eher lustlos schauten Trump und Kim beim Fototermin in die Kameras, ihre Mienen fast versteinert. Ganz anders als vor acht Monaten in Singapur demonstrierten beide Protagonisten weder Smalltalk noch freundliche Gesten. Etwa 45 Minuten dauerte die erste Runde bei Milchkaffee, grünem Tee und Croissants.

Als danach die Delegationen den flaggengeschmückten Konferenzraum betraten, waren die Erwartungen offenbar schon sehr gedämpft. „Ich bin in keiner Eile. Geschwindigkeit ist nicht wichtig für mich, sondern dass wir das richtige Abkommen kriegen“, sagte ein sichtlich ernüchterter Donald Trump. Kim Jong-un entgegnete etwas gequält: „Dass wir hier zusammensitzen, dürfte vielen vorkommen als wenn sie einen Fantasy-Film gucken.“ Und für einen Moment wurde es sogar wirklich fantastisch. Der Diktator wurde von einem Journalisten gefragt, ob er bereit sei, sein Atomarsenal komplett abzuschaffen. Überraschend antwortete der Diktator: „Wenn ich dazu nicht bereit wäre, dann wäre ich nicht hier.“ Trump reagierte begeistert: „Das ist eine gute Antwort. Wow. Das muss die beste Antwort sein, die Sie je gehört haben.“

Kim ging es nur um Sanktionen

Aber es war leider nicht die Wahrheit. In Wirklichkeit ging es dem Führer Nordkoreas ausschließlich um die internationalen Sanktionen, die er „in ihrer Gesamtheit“ aufheben wollte, wie Trump anschließend sagte. „Und das konnten wir nicht machen.“ Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho widersprach Trump später. Man habe dem US-Präsidenten einen „realistischen Vorschlag“ unterbreitet und keine vollständige Aufhebung der Sanktionen gefordert, sagte der Chefdiplomat.

Der US-Präsident stellte jedenfalls klar, es sei nicht seine Absicht gewesen, die Verhandlungen zu verlassen. Aber man müsse immer dazu bereit sein. Es sei ihm wichtiger, die Dinge richtig zu machen statt schnell. Im Vorfeld von Hanoi war über eine Deklaration zur Beendigung des Koreakrieges von 1950–1953 spekuliert worden.

Das hätte Vertrauen schaffen können und wäre ein Prozessbeschleuniger gewesen für einen international gültigen Friedensvertrag – der auch die damaligen Kriegsteilnehmer China und Südkorea einbeziehen sollte. Aber Trump musste auf den PR-Erfolg verzichten, den er bei den nächsten Wahlen als Durchbruch hätte verkaufen können.

Man kann von einem Rückschlag sprechen, muss aber nicht mit einer Eskalation des Atomstreits rechnen. Dazu ist Pjöngjang ökonomisch zu schwach. Offenbar ist man auch nicht im Streit auseinander gegangen. Die Option eines dritten Gipfels bleibt offen – auch, wenn es dafür noch keinen Termin gibt.