Zwickmühle

Das Handwerk in der Zwickmühle

Politik / Lesedauer: 2 min

Gestiegene Material- und Energiekosten machen Handwerksbetrieben zu schaffen. Doch die Politik könnte den Unternehmen schnell helfen - davon ist unser Autor überzeugt.
Veröffentlicht:31.07.2022, 20:29
Aktualisiert:01.08.2022, 08:56

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Wenn es um staatliche Rettungsaktionen geht, ist meist von großen Konzernen die Rede. Das aktuelleste Beispiel hat dieser Tage mit den durch den Krieg in der Ukraine massiv gestiegenen Energiepreisen zu tun. So kam hierzulande zuletzt der Gas-Riese Uniper in den Genuss von Staatsmilliarden.

Aber vom breiten Fundament der deutschen Wirtschaft ist kaum einmal die Rede. Das bekommt das Handwerk derzeit ganz besonders zu spüren. Die Betriebe sind in eine Zwickmühle geraten. Auf der einen Seite steigen ihre Kosten durch hohe Energiepreise und Engpässe beim Material.

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Auf der anderen Seite müssen sie ihre Kunden durch ein erträgliches Niveau ihrer eigenen Preise bei der Stange halten. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Dazu ist die Gewinnmarge im Handwerk zu gering.

Die Politik hat durchaus Möglichkeiten, hier helfend einzugreifen. Bund, Länder und Gemeinden sowie andere an den öffentlichen Sektor gekoppelte Auftraggeber könnten die Vergabepraxis an die aktuelle Entwicklung anpassen. Kostenvoranschläge beim Bau sind nämlich oftmals sehr langfristig fixiert und durch die Kostensteigerungen praktisch längst Makulatur geworden.

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Wer dennoch zu den vertraglich vereinbarten Konditionen liefern muss, gerät dann schnell in die Miesen. Das ließe sich schnell ändern, etwa durch eine Anpassung der Kosten an einen Index. Doch anscheinend ist die Lobby des Handwerks bei Weitem nicht so einflussreich wie etwa jene der Autoindustrie.

Es ist eine seltene Situation eingetreten. Die Auftragsbücher sind voll, die Kunden müssen teilweise Wochen oder sogar Monate auf den erhofften Termin warten und trotzdem hat die Branche Sorgen. Denn die ersten Folgen der Inflationsentwicklung sind spürbar.

Bauherren springen ab, weil sich ihr Projekt nicht mehr lohnt, Handwerksbetriebe beteiligen sich nicht mehr an Ausschreibungen, weil das wirtschaftliche Risiko im Falle einer Vergabe zu groß ist. Aus dieser Zwickmühle kommt das Handwerk nur schwer wieder heraus.

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