Pandemie

Biden erklärt die Pandemie für beendet

Washington / Lesedauer: 3 min

US-Präsident verweist auf Erfolge beim Impfen und hält das Schlimmste für überstanden
Veröffentlicht:19.09.2022, 19:00

Von:
Artikel teilen:

US-Präsident Biden fasst in einem Satz zusammen, was die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC bereits im vergangenen Monat in ihren neuen Covid-19-Richtlinien zum Ausdruck gebracht hatte. „Die Pandemie ist vorbei“, erklärte Biden in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS. „Wir haben immer noch ein Problem mit Covid. Wir arbeiten weiterhin intensiv daran. Aber die Pandemie ist vorbei.“

Die CDC hatte bereits im August ihre Richtlinien gelockert. Offiziell hob die Gesundheitsbehörde die Quarantänevorschriften auf, an die sich während der Omikron-Welle kaum jemand gehalten hatte. Dasselbe gilt für regelmäßiges Testen in der Schule oder am Arbeitsplatz, was in den USA nur sehr lückenhaft erfolgte, und für das soziale Abstandsgebot. Die CDC rät weiterhin dringend, den Impfschutz nicht schleifen zu lassen.

Beim Boostern hakt es

Seit diesem Monat stehen in den USA zwei angepasste Auffrischungsimpfungen mit den RNA-Vakzinen von Moderna und Pfizer zur Verfügung. Während zwei Drittel der Amerikaner die ersten beiden Impfungen erhalten haben, hängt das Land beim Boostern hinterher. Nur ein Drittel hat sich ein drittes oder viertes Mal immunisieren lassen. Im Vergleich dazu liegt die Auffrischungsquote in Deutschland bei 71Prozent.

Das einstündige Interview für „60Minutes“ war vor Bidens Abreise zu den Trauerfeierlichkeiten für Queen Elizabeth am Donnerstag auf der Automesse in Detroit aufgezeichnet worden. „Als ich gewählt wurde, waren nur zwei Millionen Menschen geimpft. Heute sind es 220Millionen“, erinnerte der Präsident an die Ausgangslage bei Amtsantritt. Dies sei eine schwierige Zeit gewesen. Er sei davon überzeugt, „dass sich die Situation verändert hat“.

Im juli infiziert

Geändert haben sich auch die Krankheitsverläufe. Beim Omikron-Virus fallen sie weniger schwer aus, und es stehen effektive Therapien der Infektion durch Medikamente wie Molnupiravir von Merck und Paxlovid von Pfizer zur Verfügung. Das Präsidentenpaar hatte sich im Juli mit Covid-19 infiziert und war mit Paxlovid behandelt worden.

Zwischenwahl

Der Corona-Schrecken ist passé - Joe Biden beendet die Corona-Pandemie

qPolitik

Die nicht geplanten Äußerungen Bidens stehen im Widerspruch zu der vorsichtigeren Gangart des Coronavirus-Koordinators im Weißen Haus, Ashish Jah. Dieser hatte vor zwei Wochen betont, dass Corona „immer noch hunderte Amerikaner jeden Tag tötet“. Nach den jüngsten Zahlen der Johns Hopkins University sterben im Sieben-Tage-Durchschnitt täglich 400 Menschen infolge von Komplikationen der Infektion.

Politisch zweischneidig

Die Entwarnung könnte auch die Bemühungen des Weißen Hauses verkomplizieren, weitere 22 Milliarden US-Dollar für zusätzliche Impfstoffe, kostenlose Medikamente und andere Covid-19-Maßnahmen im US-Kongress lockerzumachen. Die Republikaner stellten die zusätzlichen Mittel bereits infrage.

Politisch könnten sich die Äußerungen Bidens nach Ansicht von Beobachtern als zweischneidig erweisen. Einerseits passt sich der Präsident vor den Zwischenwahlen am 8.November mit der öffentlichen Entwarnung der Stimmung in der Bevölkerung an. Gleichzeitig fürchten Infektiologen wie Michael Osterholm von der University of Minnesota das Entstehen neuer gefährlicherer Varianten, die das Ausrufen des Endes der Pandemie als voreilig erweisen könnten. „Ich weiß nicht, wie das aufhört“, drückt Osterholm die Vorsicht der Skeptiker aus.

WHO sieht Ziel „in Sicht“

Die Weltgesundheitsorganisation hat bisher keine Pläne, den öffentlichen Gesundheitsnotstand zu beenden. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, die Welt sei „in einer besseren Position, die Pandemie zu beenden. Wir haben das Ziel noch nicht erreicht, es ist aber in Sicht“.